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von Fabian Ziegler, 14.09.2023

Über die Magie eines physischen Tonträgers

Über die Magie eines physischen Tonträgers
Warum eine CD kaufen, wenn ich Musik auch streamen kann? Diese Frage beantwortet der Thurgauer Schlagzeuger Fabian Ziegler in der neuen Ausgabe seiner Kolumne. | © Canva

Mein Leben als Künstler:in (14): Der Schlagzeuger Fabian Ziegler über den Unterschied zwischen einer CD und gestreamter Musik. (Lesedauer: ca. 2 Minuten)

Wofür produziert ihr eigentlich noch CDs? Eine sehr interessante Frage, mit der ich mich oft auseinandersetze und mich mit vielen Personen darüber unterhalte. Wir leben im Zeitalter des Streaming. CD-Player sind passèe. Doch warum sind für uns Künstler CDs noch immer so wichtig?

Plattenspieler und Stereo-Anlagen ade 

Wer kennt es nicht - die Eltern entsorgen langsam aber sicher den heiss geliebten Plattenspieler aus vergangener Zeit und Stereo Anlagen sind in Haushalten schon fast so selten wie eine Fata Morgana in der Wüste. Der Trend geht fast ausschliesslich in die digitale Welt. (Ausnahme bildet das wiedererwachte Interesse an Vinyl-Schallplatten).

Weshalb also in der heutigen Zeit noch physische Tonträger wie CDs produzieren?

Nachwuchs-Künstlerinnen und Künstler aber auch gestandene Künstler aus der Klassik produzieren fleissig Tonträger um sie anschliessend an ihren Konzerten dem Publikum zum Verkauf anzubieten. Die mit viel Zeit, Energie und meist nur durch die Unterstützung von Sponsoren und Gönnern realisierbaren CDs, bilden eine der Möglichkeiten sich interessierten Musikliebhabern zu präsentieren und gleichzeitig eine minimale Entschädigung für die Anstrengungen in solche Projekte und die tägliche Arbeit zu generieren. Speziell klassische Musiker kommen noch nicht in den Genuss von nennenswerten Erträgen von grossen Streaming-Diensten wie zum Beispiel die ganz grossen Namen der Popmusik-Szene. 

Als kleiner Vergleich: Damit ein weniger bekannter Künstler für eine Aufnahme in einem Streaming-Portal einen Ertrag von 3 US-Dollar generieren kann, muss sein Stück 1'000 mal mit einer Mindestdauer von 20 Sekunden Länge heruntergeladen werden. Für Künstler die nicht in Mainstream-Sparten arbeiten, ist dies eine sehr grosse Herausforderung.  

 

Erleben auch seit Jahren ein Comeback: Vinyl-Schallplatten. Bild: Canva

Physische Tonträger trotz Digitalisierung

Ton-Aufnahmen sind für uns Künstlerinnen und Künstler wichtig, um unsere Arbeiten nebst Konzerten der Öffentlichkeit zu präsentieren. Zudem wirken sie wie eine Visitenkarte. Schafft man es, bei einem namhaften Platten/CD-Label seine CD zu veröffentlichen, dann wirkt dies wie ein kleiner Ritterschlag, ein international anerkannter Qualitätsstempel für langes und hartes  Arbeiten. Es bringt Musik-schaffenden mehr Aufmerksamkeit und eröffnet die Chance besser von Veranstaltern und Orchestern für eine Zusammenarbeit wahrgenommen zu werden.

Wenn Sie das nächste Mal nach einem Konzert darüber nachdenken, wie Sie einen Künstler oder eine Künstlerin unterstützen könnten, kaufen Sie eine CD, oder wie in meinem Fall auch eine Langspielplatte. Denn so ermöglichen Sie mit kleinen Beiträgen neue, spannende Projekte und leisten einen wichtigen Beitrag zur weiteren Entwicklung von Musikerinnen und Musikern. Wir zählen auf Sie!  

Die Serie «Mein Leben als Künstler:in»

Im Juni 2023 lancieren wir die neue Kolumnenserie «Mein Leben als Künstler:in». Darin schreiben die vier Künstler:innen Ute Klein, Fabian Ziegler, Thi My Lien Nguyen über ihren Alltag und ihre Arbeit. Diese vier Künstlerinnen und Künstler schreiben bis Ende Oktober 2023 regelmässig und abwechselnd ihre Kolumnen für die neue Serie. Sie erscheint ab dem 15. Juni immer donnerstags. Die Vorgaben, die wir aus der Redaktion gemacht haben, waren minimal. In Thema, Stil, Darstellungsform, Tonalität und Medialität sind alle Autor:innen frei. Die Autor:innen können sich aufeinander beziehen, müssen es aber nicht.

 

Eine kritische Auseinandersetzung mit Dingen, die die Künstler:innen beschäftigen, wie den Bedingungen des Kulturbetriebs oder auch mit dem Kulturleben im Thurgau oder was auch immer, ist genauso möglich wie eine Schilderung des Alltags. Ziel der Serie ist es, ein möglichst realistisches Bild der verschiedenen Künstler:innen-Leben zu bekommen.

 

Idealerweise entsteht so ein Netz aus Bezügen - interdisziplinär und umspannend. Mit der Serie „Mein Leben als Künstler:in“ wollen wir den vielen Klischees, die es über Künstler:innen-Leben gibt, ein realistisches Bild entgegensetzen. Das soll unseren Leser:innen Einblicke geben in den Alltag der Kulturschaffenden und gleichzeitig Verständnis dafür schaffen, wie viel Arbeit in einem künstlerischen Prozess steckt.

 

Denn nur wer weiss, wie viel Mühe, Handwerk und Liebe in Kunstwerken steckt, kann die Arbeit von Künstler:innen wirklich wertschätzen. So wollen wir auch den Wert künstlerischer Arbeit für die Gesellschaft transparenter machen. Neben diesem aufklärerischen Ansatz ist die Serie aber auch ein Kulturvermittlungs-Projekt, weil sie beispielhaft zeigt, unter welchen Bedingungen Kunst und Kultur heute entstehen.

 

Was wir uns als thurgaukultur.ch auch erhoffen mit der Serie ist, dass ein neuer Dialog der Kulturschaffenden untereinander entsteht, aber nicht nur. Es soll auch ein Austausch mit dem Publikum, also unseren Leser:innen stattfinden. Das geht über unsere Social-Media-Kanäle, in denen wir direkt miteinander diskutieren können oder in der Kommentarspalte zu den einzelnen Beiträgen auf unserer Website. Wenn du konkrete Fragen an die teilnehmenden Künstler:innen hast, wenn dich ein Themenfeld besonders interessiert, dann kannst du mir auch direkt schreiben, ich leite dein Anliegen dann gerne weiter: michael.luenstroth@thurgaukultur.ch 

 

Alle erschienenen Beiträge der Serie bündeln wir im zugehörigen Themendossier.

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