von Brigitta Hochuli, 05.10.2013
Süder

Brigitta Hochuli
Unser Dialekt macht langsam aber sicher Furore. Zuletzt im Buch „Alles Gute aus dem Thurgau“ von Tanja Kummer, kurz darauf mit einem Auftritt von Lara Stoll und Martina Hügi in der Satiresendung Giacobbo/Müller im Schweizer Fernsehen und jetzt mit dem Amriswiler Roger De Win (Kuster) ebendort am Rande des „Samschtig-Jass“.
Der Schlagersänger, bekannter in Deutschland als im Thurgau, sang sein erstes Stück auf Schweizerdeutsch. Die traurige Ballade „De Ring a dinre Hand“ handelt von einer verflossenen Liebe und ist ein echter Süder, dem aber noch etwas Temperament fehlt. Vielleicht ändert sich das auf Roger De Wins erstem Mundart-Album, das nächsten Frühling herauskommt. Auf der neusten Single heisst‘s jedenfalls in einem Rap: „I fühl de Groove, und i han de Schnuuf, und es goht berguf – s’isch Zit für mi.“
Man kann sich aber natürlich auch wissenschaftlich mit der Thurgauer Sprache auseinandersetzen. Etwa wie Martin Hannes Graf in „Thurgauer Mundart in Geschichte und Gegenwart“. Danach besitzen wir einen unnachahmlichen Unique selling point (USP) in Form des hinten im Gaumen ausgesprochenen uvularen „r“. Das bringe uns zwar mit einer höheren sozialen Stellung in Verbindung, aber auch mit Hochnäsigkeit. Hinzu kommt die These des Autors, dass wir im Ost-West-Diskurs denkbar schlecht abschneiden, weil die jeweils östlich der Nachbarn (Zürich!) liegende Region schon seit den Perserkriegen im 5. Jahrhundert v. Chr. einen „ramponierten Ruf“ geniesse.
Doch lassen wir die Köpfe nicht hängen, liebe Leidensgenossinnen und -genossen! Denn unser Dialekt könnte wie Roger De Wins Ballade zum Süder werden, wenn wir nicht aufpassen!

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