von Judith Schuck, 28.08.2026
Mehr Struktur, mehr Programm: Wie sich das Eisenwerk professionalisiert

Mit dem sanierten Saal wächst das Eisenwerk: Bis zu 600 Gäste sind nun möglich, zugleich steigen die Anforderungen. Der Kulturbetrieb reagiert mit mehr professionellen Strukturen – das Ehrenamt bleibt zentral. (Lesedauer: ca. 4 Minuten)
Die meisten Veranstaltungen im Eisenwerk organisiert der Verein Kultur im Eisenwerk. Programmgruppen in den Sparten Musik, Kunst, Theater und der Werkstatt co-labor, wo mit Holz, Textilien, Keramik oder Elektronik gearbeitet werden kann, werden von 27 ehrenamtlichen Mitgliedern gestemmt. Hinzu kommt der ebenfalls ehrenamtliche Vorstand sowie rund 50 freiwillige Helfende für Abendkasse, Bar oder Aufsicht. Doch die technischen, organisatorischen und administrativen Anforderungen werden immer höher. Eine Professionalisierung des Kulturbetriebs stand schon seit Längerem im Raum.
Mit der Sanierung des grossen Saals 2024/25, der nun für Konzerte und Events für bis zu 600 Leute zugelassen ist, wird der Ruf nach mehr Struktur und klarer Aufgabenverteilung noch lauter. Für diese Aufgabe ist 2026 interimsmässig Tabitha Munagapati mit einem 20-Prozent-Pensum angestellt.
Sie begleitet das Projekt «Weiterentwicklung», das vom Kanton gefördert wird. «Die Freiwilligen bleiben unsere Grundlage», betont Bettina Casty, im Vorstand unter anderem den Programmgruppen zugeordnet. Aufgaben, die früher im Ehrenamt geleistet wurden, seien heute aber fachlich und zeitlich anspruchsvoller, sagt Tabitha Munagapati. Deshalb soll die Geschäftsstelle ausgebaut werden, um gerade im administrativen Bereich die Freiwilligen zu entlasten.
Grössere Shows führen zu grösseren Herausforderungen
Claudia Rüegsegger ist seit 2012 Geschäftsstellenleiterin von Kultur im Eisenwerk. Sie sagt, man könne die Stelle auch mit 500 Stellenprozent füllen. Sie selbst hat 60 Prozent inne und stösst an ihre Grenzen. Früher habe man im Vorverkauf noch Strichlisten geführt, heute seien dazu Tools nötig, die manch eine:n freiwillige:n Helfer:in überforderten, sagt sie.
Als aktuelles Beispiel nennt Rüegsegger das Konzert von Veljanov, einem Dark-Wave-Musiker aus Deutschland mit nordmazedonischen Wurzeln. Dank des grossen Saales konnte er fürs Eisenwerk gebucht werden, «ein exklusives Schweiz-Konzert», wie Claudia Rüegsegger unterstreicht, das überregionales Publikum ziehen wird.
Seine Bandmitglieder bräuchten teilweise aber Visa. Dies seien Aufgaben, bei denen Ehrenamtliche den Hut werfen und Vorstand und Geschäftsstelle koordinierend und unterstützend einspringen.
Eine weitere «grosse Kiste», die dank der Vergrösserung von 200 auf 600 Menschen im Saal nach vielen Jahren des Wünschens realisiert werden kann, ist ein Auftritt der Band Crazy Diamond: The Pink Floyd Tribute XL-Show im Oktober. «Da ist nicht nur die Musik wie bei Pink Floyd. Es kommt eine riesige Technik-Crew zum Aufbauen. Der Vorverkauf läuft bereits gut», sagt Rüegsegger.
Neue Infrastruktur treibt Preise nicht in die Höhe
Dass der grosse Saal, was Sicherheit und Technik betrifft, ausgebaut wurde, ist vom Kanton gewollt und unterstützt, ebenso wie die damit einhergehende Weiterentwicklung in Sachen Professionalisierung. Für die Kosten wurde hier ein Kredit gesprochen, sodass das Publikum keine Mehrkosten via Ticket zu leisten habe, erklärt die Geschäftsstellenleiterin. «Pro Veranstaltung gibt es ausserdem fünf Kultur-Legi-Tickets für pauschal fünf Franken. Der Besuch von unseren Kulturveranstaltungen soll keine Frage des Portemonnaies sein.»
Mit dem Programm für 2026/2027 sind Bettina Casty und Claudia Rüegsegger mehr als zufrieden. Es biete eine Bandbreite an Musik, Theater, Tanz, Kursen und Kunst, für Familien, Jazzer, Rockliebhaber:innen oder Comedy. Judith Bach, Schauspielerin, Kabarettistin und Musikerin, tritt am 11. September mit ihrem Programm «Streuselkuchen» auf, das sofort ausverkauft war. Für die daraufhin initiierte Zusatzvorstellung gibt es auch bereits keine Tickets mehr.
Für Familien könnte das Konzert von Silberbüx attraktiv sein oder Bühnenprogramme vom Figurentheater Lupine oder dem Theater Zitadelle. Selbst die St. Galler Rock-Band Knöppel steht auf der Liste: «In der Grabenhalle dürfen sie nicht auftreten, bei uns aber schon», sagt Claudia Rüegsegger und lacht.
Lichtspiel und die Abwesenheit von Sprache
Während im Beizli mit den Medien übers Programm gesprochen wird, arbeiten die Künstlerinnen Asi Föcker (St. Gallen) und Anne Gathmann (Berlin) in der Shed-Halle an ihrer gemeinsamen Ausstellung „Out Of“. Seit dem 3. August sind sie hier eingezogen und es ist bereits einiges zu entdecken: Platten aus Chromstahl an den Wänden montiert und auf dem Boden liegend spiegeln das einfallende Licht der gläsernen Decke des Industriebaus.
«Ich beschäftige mich viel mit Lichtreflexion», erläutert Asi Föcker. Was passiert in diesem Raum zu unterschiedlichen Tageszeiten? Welche Schatten und Lichtformen entstehen? Was ist dazwischen? Fragen, denen sie hier im Raum nachgehen möchte. Sie arbeitete vor vielen Jahren bereits mit Anne Gathmann in Berlin zusammen. Nach gut 25 Jahren finden sie in Frauenfeld im Shed wieder zusammen.
«Uns beide interessiert, mit dem Raum zu arbeiten», sagt Anne Gathmann. «Mit dem Ort in Verbindung zu gehen und unsere Objekte ins Verhältnis zu setzen.» Sie setzt sich mit den Facetten von Wirklichkeit auseinander, unter anderem in der Sprache. «Diese Arbeit hier beschäftigt sich eigentlich mit der Abwesenheit von Sprache», sagt die Künstlerin, die Keramiken aufgestellt hat in Form einer Gegensprechanlage. Andere zylinderförmige Keramiken hat sie auf dem Boden verteilt.
Die Anordnung soll einen sprachlichen Code darstellen. In der Shed-Halle kuratiert Mirjam Wanner zwei bis drei Ausstellungen pro Jahr. Insgesamt laufen jährlich rund 130 Veranstaltungen bei Kultur im Eisenwerk.
Das gesamte Programm ist über die neu gestaltete Website einsehbar, soweit die Veranstaltungen bereits aufgeschaltet sind.

Von Judith Schuck
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