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von Jana Mantel, 19.01.2026

Zwischen Musik, Stille und Zukunft

Zwischen Musik, Stille und Zukunft
Reto Bieri ist künstlerischer Leiter der diesjährigen Ittinger Pfingstkonzerte. | © Reto Bieri

Musik, Stille, Kunst und Spiritualität: Die Kartause Ittingen feiert Jubiläen, öffnet Denk- und Erfahrungsräume und lädt 2026 dazu ein, neu hinzuhören. Auch die Museen stellen ihr Jahresprogramm vor. (Lesedauer: ca. 4 Minuten)

Die Ittinger Pfingstkonzerte stehen bei vielen Gästen schon lange vor den eigentlichen Terminen dick im Kalender. In diesem Jahr finden in der Kartause Ittingen sieben Konzerte an vier Tagen vom 22. bis 25. Mai 2026 statt – und damit ein kleines Jubiläum. Zum 30. Mal steht die Kartause im Zeichen der Musik. Mit dem etwas provokanten, aber in jedem Fall besonderen Programmtitel «auf-hören» zeigt sich, dass sich der Schweizer Klarinettist und Programmgestalter Reto Bieri für diese Ausgabe etwas Eigenständiges einfallen liess.

Als Klarinettist, Kammermusiker, Improvisator und Programmgestalter bewegt sich Bieri ganz selbstverständlich zwischen alter und neuer, klassischer und zeitgenössischer Musik. Für die Jubiläumsausgabe der Pfingstkonzerte entwickelte er ein eigens auf den Ort abgestimmtes Programm. Der Titel «auf-hören» verweist dabei auf ein bewusstes, achtsames Hinhören – und keineswegs auf ein Ende der erfolgreichen Konzertreihe.

Schubert, Schumann und Bruckner im Programm

Stille und Übergänge spielen ebenso eine zentrale Rolle wie die besondere Beziehung zwischen Raum, Musik und der spirituellen Atmosphäre der ehemaligen Klosteranlage. Neben Bieri wirken international renommierte Musikerinnen und Musiker mit. Zu hören sind Werke von Franz Schubert, Robert Schumann und Anton Bruckner. Der Vorverkauf ist eröffnet, Tickets sind unter kartause.ch erhältlich.

Eine Neuerung im Programm sind die «Ittinger Sternstunden», die am Freitag, 16. Januar, mit einer ausverkauften Veranstaltung mit 350 Plätzen erfolgreich starteten. Unter der Überschrift «Himmel – zwischen Philosophie und Spiritualität» fand ein Gespräch mit Barbara Bleisch und Pater Martin Werlen statt, moderiert von Judith Zwick. Weitere Termine dieser Gesprächsreihe mit spannenden Persönlichkeiten stehen bereits fest. Sie sollen das breite Angebot der Kartause um eine zusätzliche inhaltliche Ebene erweitern und neue Denkprozesse anstossen. Am Donnerstag, 30. April 2026, lädt die Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen zu einer Reise in die Nacht ein. Die Veranstaltung trägt den Titel «Tiefer als der Tag gedacht», Beginn ist um 19:30 Uhr, erneut moderiert von Judith Zwick.

 

Abendrot-Idylle in der Kartause Ittingen. Bild: Kartause Ittingen

Yoga-Wochen im Kloster

Auch Körper und Geist kommen in der Kartause Ittingen nicht zu kurz. Im Rahmen verschiedener Yoga-Wochen können sich Gäste auf mehr Achtsamkeit und bewusste Entspannung freuen. Ben Rakidzija, langjähriger Yoga-Partner der Kartause sowie Buchautor und Philosoph, bietet viermal jährlich eine Yoga-Woche an. Ein kulinarisches Highlight bildet zudem die Ittinger Garten-Tavolata, die bereits zum vierten Mal am ersten Juliwochenende stattfindet.

Ein Blick richtet sich auch auf das kommende Jahr, in dem die Kartause Ittingen ihr 50-jähriges Jubiläum feiern wird. Im Zentrum stehen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Als Höhepunkt zeichnet sich bereits jetzt ein eigens für die Kartause geschriebenes und entwickeltes Theaterstück ab. Konzipiert wurde es von Giuseppe Spina, Musiker und Regisseur, und entsteht in Zusammenarbeit mit der Theaterwerkstatt Gleis 5. Das Stück entwirft Zukunftsvisionen für die Kartause Ittingen. Der Premierentermin steht bereits fest: Am 18. Februar 2027 darf erstmals in die Glaskugel geblickt werden.

Ein Ort zum Innehalten

Auch ohne Glaskugel ist die besondere Magie der Kartause Ittingen spürbar – ebenso die Ruhe und Kraft, die dieser Ort ausstrahlt. Das in die Kartause integrierte «tecum»-Zentrum für Bildung und Spiritualität der Evangelischen Landeskirche Thurgau bietet ein vielfältiges Jahresprogramm für Menschen aller Konfessionen, die eine spirituelle Oase suchen. Besonderes Augenmerk gilt der «Auszeit im Kloster». Dieses Angebot richtet sich an Menschen, die sich persönlich neu orientieren möchten.

Eine sechstägige Zeit der Entspannung und Neuausrichtung, ergänzt durch Gesprächsangebote mit Psychologen und Gesprächstherapeuten, unterstützt dabei, neue Perspektiven zu entwickeln. Ergänzend dazu laden Singworkshops zum gemeinsamen Singen ein. Laut Thomas Bachofner, Leiter «tecum», steht dabei klar die Freude am gemeinsamen Singen im Vordergrund – ein wichtiges und bewahrenswertes Kulturgut. Weitere Informationen finden sich unter www.tecum.ch.

 

Die Fotografin Simone Kappeler stellt 2026 im Kunstmuseum Thurgau aus. Bild: Simone Kappeler

Kunst als wichtige Säule

Vor der Präsentation des ambitionierten Kunstprogramms des Kunstmuseums Thurgau für das Jahr 2026 richtete Philipp Kuhn, Kulturamtsleiter des Kantons Thurgau, ein Lob an die Mitarbeitenden der beiden Museen. Man blicke auf zehn Ausstellungen mit rund 25’000 Besuchern zurück und sei dafür sehr dankbar. Noch bis zum 26. April 2026 ist etwa die Ausstellung von Isabelle Krieg «unendlich endlich» zu sehen.

Ein weiteres kulturelles Highlight bildet die Ausstellung des Kunstmuseums Thurgau, die ab dem 29. März 2026 Werke des Künstlers Fabrice Hyber zeigt. Unter dem Titel «Homme de Terre» werden Gemälde und Skulpturen präsentiert. Hyber renaturiert seit 1990 in seinem westfranzösischen Heimatort rund 100 Hektar Land und schafft damit einen besonderen Begegnungsraum. Als Maler und Bauer verbindet er Kunst und Natur auf einzigartige Weise. Die Ausstellung lädt das Publikum dazu ein, selbst aktiv zu werden und unterschiedliche Rollen einzunehmen, um deren Auswirkungen zu erkunden.

Ab September 2026 ergänzt eine lokale Position das Programm: Die aus der Region stammende und 2021 mit dem Thurgauer Kulturpreis ausgezeichnete Fotografin Simone Kappeler experimentiert mit analogen Apparaten und Bildverfahren. Ihre monografische Ausstellung widmet sich dem oft übersehenen Mikrokosmos von Gräsern, wilden Blüten und Schmetterlingen in den Wiesen der Ostschweiz.

 

Detail aus der grossen Güterkarte des Ittinger Procurators Pater Josephus Wech. Bild: Staatsarchiv Thurgau

 

Besondere Aufmerksamkeit wird auch der Ittinger Güterkarte von 1745 zuteil. Dieses herausragende kartografische Werk des Ittinger Kartäusers Josephus Wech (1702–1761) wird ab Ende September erstmals öffentlich gezeigt. Felix Ackermann, Kurator des Ittinger Museums, betont, dass das gesamte geografische Wissen der Region auf dieser rund drei mal fünf Meter grossen Karte beruhe.

Das vielfältige Programm der Kartause Ittingen und ihrer drei Partnerinstitutionen zeigt einmal mehr, wie unterschiedlich gemeinsame Ansätze interpretiert werden können. So fühlen sich Gross und Klein, Jung und Alt angesprochen – eingeladen, hinzuhören und hinzusehen und damit auch 2026 alles andere als: auf-hören.

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Literaturwettbewerb «Das zweite Buch» 2026

Die Marianne und Curt Dienemann Stiftung Luzern schreibt zum achten Mal den Dienemann-Literaturpreis für deutschsprachige Autorinnen und Autoren in der Schweiz aus. Eingabefrist: 15. Juni 2026

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