von Brigitta Hochuli, 27.11.2013
„Zentraler Baustein der Kulturpolitik“

Da bei der Diskussion um den Erweiterungsbau des Kunstmuseums Thurgau die Kultur in Vergessenheit gerät, befragen wir Regierungsrätin und Kulturdepartementchefin Monika Knill zu seiner kulturpolitischen Bedeutung.
Interview: Brigitta Hochuli
Frau Regierungsrätin Knill, welches sind trotz des Gegenwindes die kulturell und kulturpolitisch zwingenden Argumente für den Bau des bestehenden Erweiterungsprojekts für das Kunstmuseum?
Monika Knill: Der Grosse Rat befindet am 4. Dezember über ein wichtiges kulturpolitisches Projekt. Die Sanierung der bestehenden Ausstellungsräume ist unumgänglich, die Erweiterung strategisch-betrieblich erforderlich. Das Kunstmuseum ist ein Aushängeschild des Kantons und bildet seit über 30 Jahren einen zentralen Baustein in der Kulturpolitik des Kantons Thurgau.
Es sieht zwar im Moment nicht danach aus, aber wie gross und wie beschaffen wäre Ihr Bedauern, wenn die Vorlage im Grossen Rat abgelehnt würde?
Monika Knill: In den letzten Wochen und Monaten wurde sehr viel Zeit investiert, damit der Grosse Rat über eine bereinigte Vorlage beraten kann. Der Regierungsrat will das Gesamtprojekt unter rechtmässigen Vergabebedingungen, mit wirtschaftlich vertretbaren Auswirkungen wie der sinnvollen Verwendung von Vorleistungen sowie transparentem Vorgehen umsetzen. Die Sanierung und Erweiterung steht im Einklang mit bisherigen Investitionen, welche in den letzten Jahren in den Eingangsbereich, den Museumsshop oder die sanitären Anlagen getätigt wurden.
Umso mehr, was würde eine Ablehnung für die Zukunft des Kunstmuseums Thurgau und der Kunst im Thurgau sowie für das kulturelle Image über die Kantonsgrenzen hinaus bedeuten?
Monika Knill: Die dringend nötige, räumliche Weiterentwicklung des Kunstmuseums würde auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Dies hätte auf Dauer negative Folgen für künftige Aktivitäten und Ausstellungen. Die interkantonale Wahrnehmung und Attraktivität unserer eigenen Kulturinstitution bliebe damit weiterhin reduziert.
Was wären allenfalls kurzfristige Alternativen oder Massnahmen?
Monika Knill: Es gibt keine kurzfristigen Alternativen zur geplanten Sanierung und Erweiterung. Die technischen Nachrüstungen hinsichtlich der erforderlichen Sicherheit nach internationalen Museumsstandards können nicht in einem Provisorium umgesetzt werden.
Wie nehmen Sie die aktuelle Stimmung wahr, die ja leider den kulturell hohen Leistungen des Museums zurzeit abträglich scheinen?
Monika Knill: Die wirkliche Stimmungslage wird sich am 4. Dezember im Grossen Rat zeigen.
Welche Relevanz hat das von SVP-Kantonsrat Urs Martin in seiner Einfachen Anfrage erwähnte Bundesgerichtsurteil in Sachen Lotteriefonds im Fall des Landesmuseums in Zürich?
Monika Knill: Diese Frage wird in der Beantwortung der Einfachen Anfrage von Urs Martin umfassend beantwortet.

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