von Manuela Ziegler, 03.04.2025
Wie ein Abend unter Freunden

Das schmucke Fachwerkhaus an der Kirchstrasse 6 in Gottlieben ist neuer Treffpunkt für Dorfbewohner und Kulturinteressierte. „Freiraum“ heisst der Kleinkunstraum, den Elke Reinauer und Martin Biebel gegründet haben. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)
Die Leinwand rollt sich per Fernsteuerung auf. Die Lichtstimmung an den Wänden wechselt von rötlich zu bläulich: „Bühne frei für den nächsten Film im „Freiraum“ Gottlieben“, könnte es bald heissen.
Der Ort, den Elke Reinauer und Martin Biebel seit Jahresbeginn in der Kirchstrasse 6 in Gottlieben betreiben, bietet nicht nur die Möglichkeit für Filmvorführungen, sondern lässt sich kurzerhand zum Seminarraum, zum Lesesalon, oder für private Anlässe umfunktionieren. Nun müssen nur noch möglichst viele Interessierte davon erfahren.
Ein langgehegter Wunsch
„Es ist schon sehr lange eine Idee von mir, einen Kleinkunstraum für Veranstaltungen und Präsentationen von Künstlern zu betreiben“, sagt Elke Reinauer. Als im letzten Jahr ein Ladenraum im Erdgeschoss ihres Wohnhauses frei wurde, zögerten sie und ihr Partner Martin Biebel nicht länger und mieteten ihn an. Zwei Lesungen haben bereits stattgefunden und ein Schreibworkshop, den Reinauer selbst unterrichtet.
Die Journalistin und Buchautorin studierte Creative Writing in Canada und hat inzwischen zwei Liebesromane veröffentlicht. Mit einem regelmässigen Autorenstammtisch möchte die Fachfrau ausserdem die Chance zum professionellen Austausch geben. Aber es soll nicht nur um Literatur gehen im „Freiraum“. Wie der Name schon andeutet, sind viele Ideen möglich.

Ein Ansatz: Auch „Männerthemen“ aufgreifen
So wird es bald einen Kurs im Messerschleifen geben, ein Männerthema, das ihn schon länger interessiere, wie Biebel meint. Er ist Filmer und Medieningenieur und kümmert sich um die Technik im Hintergrund, aber nicht nur. Ende März bietet er einen Workshop für Video-Tricks und Techniken mit dem Mobiltelefon an. Zwar sei seine Partnerin die treibende Kraft des Projekts gewesen, und schon sehr hartnäckig, wie sie selbst lachend bekennt, aber Biebel setzt auch seine Themen.
Er weist nicht ohne Stolz auf die Surround-Anlage hin, die er installiert hat. Auch selbst gedrehte Filme möchte der Fachmann zeigen, denn die Lizenzen für Kinofilme seien hoch. Zwar wolle man keinen Gewinn erwirtschaften, aber doch die entstehenden Unkosten decken. Gegen geringe Mietgebühr kann der Raum auch für private Veranstaltungen gemietet werden.
Ein Ziel: Das Dorfleben bereichern
Das Hauptmotiv beider ist es, das Gottlieber Dorfleben weiter zu bereichern. Wenngleich es insgesamt lebendig zu und hergehe in der Gemeinde, wie Reinauer bemerkt, die im letzten Jahr aus Süddeutschland hierherzog, Biebel, aus der deutschen Nachbarregion stammend, lebt schon einige Jahre in Gottlieben.
Mit einem Nachbarn, dem Tänzer René Schmalz zusammen, fand unlängst ein Vortrags-Abend anlässlich seines „Fruits of Life-Projektes“ statt. Zusammen mit der Fotografin Gabriella Gombas präsentierte der Tänzer das gemeinsame Kunstbuch „Das Alter und der Tanz“. Ein Gast meinte, der anschliessende, lebhafte Austausch unter den Anwesenden sei wie ein Abend unter Freunden gewesen.
Biebel denkt, das ist auch der Übersichtlichkeit des Raumes zu verdanken, der maximal Platz für 20 Gäste bietet und deshalb „Wohnzimmer-Atmosphäre“ verströmt. Blickfang bilden die ausrangierten roten Kinosessel aus dem alten Scala-Kino in Konstanz.
Eine Herausforderung: Wie macht man den Ort bekannt?
Die grosse Herausforderung sieht das Paar darin, durch Werbung auf den „Freiraum“ und seine Möglichkeiten aufmerksam zu machen. Denn von Besuchen und Workshops, wie dem des Backgammon Nationalspielers Torsten Lux im Mai, müssen die Fans eben erst erfahren. Deshalb setzt das Paar auf Social Media , Zeitungen und Mund-zu-Mund-Propaganda.
Das Ausprobieren, was geht, mache es gerade spannend, meinen die Initiatoren. Im Juni etwa ist ein Namibia-Abend geplant mit Geschichten und Gerichten aus dem Land. Reinauer unterstützt dort seit acht Jahren in einem township in Windhoek unter anderem Kunstprojekte für Kinder.
Hauptberuflich arbeitet sie als Redaktorin bei einer Thurgauer Zeitung, Biebel bei einem Hersteller für Medizintechnik. Beide sind neugierig darauf, welche Ideen im „Freiraum“ bald als nächste Gestalt annehmen.

Von Manuela Ziegler
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