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von Inka Grabowsky, 24.03.2025

Viel mehr als nur Bücherregale

Viel mehr als nur Bücherregale
Lukas Hefti ist nicht nur Bibliotheksbeauftragter des Kantons, sondern auch im Vorstand des nationalen Berufsverbands. Er freut sich also doppelt auf die Aktionstage Ende März. | © zVg

Die Bibliotheken in der Schweiz machen mit dem BiblioWeekend auf ihr grosses Angebot aufmerksam. Zwischen dem 28. und 30. März gibt es landesweit mehr als 700 Veranstaltungen, über fünfzig alleine im Thurgau. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

«Man soll Bibliotheken durch das BiblioWeekend in einem anderen Licht sehen» sagt Lukas Hefti. «Sie sind längst nicht mehr verstaubte Bücher-Magazine. Das merkt man schon daran, dass 15 Prozent der Ausleihen inzwischen rein digital laufen.» Hefti ist Bibliotheksbeauftragter im Kanton Thurgau und im Vorstand des nationalen Berufsverbands, der die Aktion am Wochenende organisiert. 

Das Ziel sei es, die Öffentlichkeit und die Politik für die Bedeutung von offenen Bibliotheken zu sensibilisieren und die Türen für alle Bevölkerungsgruppen weit zu öffnen. «Wir wollen besondere Momente schaffen, in denen Bibliotheken zeigen können, was sie draufhaben.» 

Mit Schokolade zu den Nutzern

Bibliotheken werden von zehn bis zwanzig Prozent der Bevölkerung genutzt. «Achtzig Prozent wissen, dass es sie gibt, gehören aber nicht zu den Stammgästen», so der Verbandsvertreter. «Deshalb präsentieren wir neue Themen, um neue Kundengruppen zu gewinnen.» 

Um für den Anlass zu werben, hat die Kommission für Schul- und Gemeindebibliotheken 280 Kilo Schoggi-Täfelchen für den Thurgau bestellt und mit Werbung versehen. «Die haben die Bibliotheken dankbar entgegengenommen, um sie weiter zu verteilen. Wir streuen das Thema wortwörtlich», grinst Hefti.

 

Süsse Erinnerungsstücke machen auf das BiblioWeekend aufmerksam. Bild: zVg

«Worte verbinden Welten»

Jedes Jahr gibt der Berufsverband ein Motto vor, das die teilnehmenden Bibliotheken zu Aktionen inspirieren soll. Dieses Jahr hat die Generalversammlung «Worte verbinden Welten» gewählt. Zu dem Thema fielen vielen Bibliothekaren offenbar sofort Ideen ein. 

Ermatingen beispielsweise hat für den Samstagvormittag ein Quiz und ein Kreuzworträtsel dazu organisiert, Eschlikon einen Wettbewerb zu Dialekten und Redewendungen, und Kreuzlingen hat für Freitagabend den Schauspieler Axel Fündeling eingeladen, der aus «Exgüsi - ein Knigge für Deutsche und Schweizer zur Vermeidung grober Missverständnisse» liest. 

«Durch das Motto macht man etwas, auf das man sonst nicht unbedingt kommt», erklärt Bettina Ritzmann, die Leiterin der Kreuzlinger Büecherbrugg

Offen für vieles

«Man muss sich nicht genau an das Motto halten», betont Hefti. «Der Anlass ist auch für etwas ganz anderes nutzbar. Bei uns in Frauenfeld gibt es zusätzlich MINT-Themen, weil wir Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik fördern wollen. Also organisieren wir ein Maker-Space – auch etwas ungewöhnlich für eine Bibliothek.» 

Andere Büchereien wie beispielsweise die Horner Bibliothek bieten vor allem ungewöhnliche Öffnungszeiten an. Eine Sonntagsausleihe mit Kaffee und Kuchen gibt es eben normalerweise nicht.

 

In der Kantonsbibliothek in Frauenfeld hat das Motto „Worte verbinden Welten“ viele Facetten. Bild: zVg

Gute Erfahrungen gemacht

Der Grossanlass findet bereits zum vierten Mal statt, insofern kann Lukas Hefti auf einige Erfahrungen zurückgreifen: «Aus den Durchführungen in den vergangenen Jahren wissen wir, dass in die Kantonsbibliothek in Frauenfeld von Freitag bis Sonntag rund tausend Besucher kommen – oft Leute, die man sonst nicht sieht. Viele gehen als Fans!» 

Da das Zentrum auch Menschen aus dem Umland anzieht, ist denkbar, dass einige der neuen «Bücherei-Fans» später einmal der Bibliothek ihrer Gemeinde eine Chance geben. Wie nachhaltig das Interesse ist, ist schwer zu messen.

Nicht jede Bibliothek kann den Aufwand stemmen

Die Kantonsbibliothek in Frauenfeld bildet mit 29 Veranstaltungen einen Schwerpunkt der Thurgauer Aktionen. Beteiligt sind aber genauso Bischofszell, Amriswil, Arbon, Weinfelden, Horn, Romanshorn, Münchwilen, Sirnach, Diessenhofen, Eschlikon, Ermatingen und Kreuzlingen. Hier in der «Büecherbrugg» gibt es am Freitag nicht nur die oben erwähnte Lesung, sondern auch am Samstag erst einen Handlettering-Workshop für Jugendliche und dann ein «Bilderbuchkino» für Kinder ab 5: «Wir wollen Menschen allen Alters einladen», sagt Bettina Ritzmann. «Das BiblioWeekend ist für uns eine Chance, in der Stadt präsenter zu werden – schon durch die Plakate, die wir im öffentlichen Raum aufgestellt haben.» 

Die Kreuzlinger Stadt- und Berufsfachschul-Bibliothek ist im Untergeschoss des Bildungszentrums für Bau und Mode untergebracht und liegt damit etwas versteckt. «Wir wünschen uns, dass wir auch von den offiziellen Vertretern der Stadt in Politik und Schule besser wahrgenommen werden», meint Ritzmann. 

 

Die Bibliothek im Untergeschoss muss auf sich aufmerksam machen. Büecherbrugg-Leiterin Bettina Ritzmann ist sich dessen bewusst. Bild: Inka Grabowsky

Hoffnung auf eine politische Wirkung

Die Schweizer Bibliothekarinnen und Bibliothekare betreiben den Aufwand nicht nur aus Spass an der Freude oder aus Sendungsbewusstsein. «Je mehr öffentliche Wahrnehmung sie generieren, desto eher wird den Bürgerinnen und Bürgern bewusst, dass in einer Bibliothek spezifisch ausgebildete Fachpersonen für sie da sind, und dass gut finanzierte Bibliotheken einen wichtigen Beitrag innerhalb jeder Gemeinde leisten», sagt Lukas Hefti. 

Öffentliche Bibliotheken sind steuerfinanziert. Man neige dazu, sie als Selbstverständlichkeit wahrzunehmen, so Hefti. «Doch gelegentlich gibt es in Gemeinden Versuche, den finanziellen Beitrag zu reduzieren. Dann brauchen wir einen Aufschrei in der Bevölkerung. Bisher konnten sich die Bibliotheken darauf verlassen, dass niemand ihre Nützlichkeit in Frage stellt.» Es braucht sie eben immer noch – als Vermittler, als Treffpunkt, als Schatzkammer. 

Das vollständige Programm des BiblioWeekends von 28. bis 30. März findet sich hier.

 

Das Plakat im öffentlichen Raum macht nicht nur auf das Wochenende, sondern auch auf die Büecherbrugg aufmerksam. Bild: Inka Grabowsky

 

 

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