Seite vorlesen

von Judith Schuck, 03.04.2025

Neuer Verein macht sich stark für Lesevergnügen

Neuer Verein macht sich stark für Lesevergnügen
Ihnen liegt das Buch am Herzen. Der erste Medienanlass des neuen Vereins Lesestadt Aadorf fand in der Bibliothek Aadorf statt. | © Judith Schuck

„Lesestadt Aadorf“ möchte Lesekompetenzen fördern sowie Gross und Klein für das Kulturgut Buch begeistern. Ein Vorhaben, dem eine Kabelnetzgenossenschaft aus Aadorf ordentlich Startkapital zuspeist. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

Die Hinterthurgauer lieben Bücher und Geschichten. Das beweist die Wiederauferstehung des buecherchorb.ch und ein neuer Verein, der sich im Herbst 2024 in Aadorf gegründet hat. Buecherchorb.ch ist eine Buchhandlung in Aadorf, die den Corona-Shutdown nicht überlebte. Im August 2020 musste sie schliessen.

Das liessen sich die lesebegeisterten Aadorfer:innen aber nicht gefallen. Sie sammelten mit Hilfe einer Projektgruppe in einer Rekordzeit von 14 Tagen Startkapital für eine Genossenschaftsgründung. Am 13. November 2020 konnte der neugestaltete buecherchorb.ch in der Hauptstrasse 4 wiedereröffnen.

Hoch gepokert und gewonnen

Als im Jahr 2023 die AGLA Kabelnetz Genossenschaft Aadorf ihre Kommunikationsnetze an eine andere Firma verkaufte, wollte sie ihr hohes Vermögen investieren, um Projekte im Dorf zu unterstützen. Da dachten sich Andri Rostetter und Paul Lüthi vom buecherchorb-Vorstand, dass sie neben der kommerziellen Buchhandlung weitere Leseformate in Aadorf realisieren möchten.

Paul Lüthi kam mit der Idee „Lesestadt“ auf das Team der genossenschaftlich betriebenen Buchhandlung zu: „Leseförderung rund ums Buch.“ Andri Rostetter aus dem Vorstand reichte einen Projektantrag bei der AGLA ein. „Darin habe ich einen relativ hohen Betrag von mehreren Tausend Franken gefordert“, sagt er verschmitzt, wissentlich, dass er damit hoch gepokert hatte.

 

Paul Lüthi, Andrea Zehnder, Vanessa Hofer, Andri Rostetter, Cornelia Hasler, Andi Gloor und Renate Flückiger aus dem Lesestadt-Vorstand. Bild: Judith Schuck

Konstruktiver Austausch mit Skeptiker:innen

Der Antrag schien die Kommunikationsnetzgenossenschaft AGLA zu überzeugt zu haben, denn sie sprachen dem Projekt „Lesestadt Aadorf“ eine Unterstützung von 25 000 Franken zu. „Jetzt müssen wir es durchziehen“, dachten sich Rostetter und Lüthi, und informierten im September 2024 bei einem ersten Anlass über ihr Vorhaben. „Es gab viele Besucher:innen, darunter auch Skeptiker:innen, die fanden, dass es in Aadorf schon ein breites Kulturangebot gebe“, erzählt Andri Rostetter. Die angeregte Diskussion half allerdings, die Projektidee zu schärfen.

„Wir wurden bekannter und hatten beim zweiten Anlass im November schon einige Leute beisammen, die mitmachen wollten“, so Rostetter aus dem Vorstandsteam von „Lesestadt Aadorf“. Sie gründeten einen Verein, den Cornelia Hasler-Roost präsidiert. Der siebenköpfige Vorstand hielt bereits mehrere Sitzungen ab.

Die Programmgruppe habe viele Ideen, sagt Renate Flückiger beim ersten Medienanlass am 26. März, konkret soll im November 2025 das erste „Lesestadt-Projekt“ stattfinden. Anlässlich der gesamtschweizerischen Erzählnacht, die immer am zweiten Novemberfreitag begangen wird, soll es ein Lesewochenende vom 14. bis 16. November in Aadorf geben.

Programm für breites Publikum

Vieles sei noch offen, erläutert Renate Flückiger aus der Programmgruppe. Aber da die Bibliothek Aadorf sich nicht mehr an der Erzählnacht beteilige, könnten sie sich eine Spoken-Word-Veranstaltung in der Bibliothek gut vorstellen. „Am Samtag dachten wir an eine klassische Lesung mit Autor:in und am Sonntag wollen wir mit ,Lesen, lismen, loseʼ noch ein anderes Format anbieten.“ Beim gemütlichen Beisammensitzen mit oder ohne Strickutensilien bei Kaffee und Kuchen liest ein:e Autor:in zwischendurch vor, so die Vorstellung. Dabei sollen sowohl regionale als überregionale Bücher gelesen werden, mit Schwerpunkt Schweiz. Lesestadt-Präsidentin

Cornelia Hasler betont: „Wir wollen mit dem Programm Jung und Alt ansprechen.“ Das Leitbild sei, mit „Lesestadt“ über Aadorf hinaus auszustrahlen, ergänzt Andri Rostetter.

Frauenfeld liegt nicht weit weg. Dort gibt es den Verein „Lesefeld“. Auch dieser Verein hat eine Verbindung zur Pandemiezeit, denn er entstand aus den von der Buchhandlung SaxBooks organsierten Reihe: „Literatur auf der Terrasse“. „Lesefeld“ kooperiert mit der Kantonsbibliothek, der Theaterwerkstatt Gleis 5, dem Eisenwerk oder der Bibliothek der Kulturen, um mehrmals jährlich hochkarätige Autor:innen in die Kantonshauptstadt zu holen.

 

Bibliothek Aadorf: Hier gibt's Zeit zum Blättern und Schmökern. Bild: Judith Schuck

Interesse zeigt Bedarf

Dass „Lesestadt Aadorf“ derart schnell so viele interessierte Mitglieder im Boot hatte, zeige aber, dass es in Aadorf einen Bedarf nach weiteren Literaturangeboten gebe, findet Paul Lüthi. „Während Vereinsgründungen sonst oft harzig verlaufen, ging bei uns alles sehr schnell“, findet auch Andri Rostetter. Ob das Projekt verhebt, würden sie dann im November sehen, so Lüthi.

Zu Lesefeld, den Lesungen in der Bibliothek Aadorf oder im buecherchorb.ch wollen sie keinesfalles in Konkurrenz treten, sondern ergänzen oder zusammenarbeiten. „Wir können vom Austausch nur profitieren.“ Aber Aadorf habe eine regionale Zentrumsfunktion und das Projekt stosse auch in umliegenden Gemeinden auf Zustimmung.

Ein (Aa)Dorf liest ein Buch

Ziel des Vereins soll es sein, schon bei Kindern das Kulturgut Buch bewusst zu machen und das Lesen zu fördern. Bei Erwachsenen möchten sie die Freude am Lesen wachhalten und Leseanimation bieten. Lesen müsse nicht zwingend allein stattfinden, so Rostetter.

Für die angedachte Autor:innenlesung im Herbst soll der Buchtitel frühzeitig bekannt gegeben werden, damit die Bürger:innen die Möglichkeit haben, sich vorzubereiten. Angedacht ist anschliessend an die Lesung ins Gespräch zu kommen, wie in einem Lesekreis, nach dem Mott: Das Dorf liest ein Buch. „Es gibt Leute, die gerne diskutieren“, weiss Andri Rostetter.

 

Ziel des Vereins soll es sein, schon bei Kindern das Kulturgut Buch bewusst zu machen und das Lesen zu fördern. Bild: Judith Schuck

Kooperationen mit Schulen sind denkbar

Andi Gloor, der im Vorstand für die Infrstruktur zuständig ist, betont, dass die Veranstaltungen nicht an bestimmte Orte gebunden seien. Auch andere Gebäude wie die Bibliothek kämen in Frage oder Ausflüge in die Natur. Kooperationen mit Schulen seien ebenfalls angedacht, ergänzend zum Novemberanlass.

Dabei ist dem Verein wichtig, niederschwellig und mit erschwinglichen Eintritten zu arbeiten, um möglichst viele Menschen für Literatur zu begeistern. Auch wenn der Vorstand gut aufgestellt ist, freut sich der Verein um weitere Mitstreiter:innen, die ihre Ideen einbringen möchten.

Ein Logo ist bereits gestaltet und in den kommenden Wochen wird die neue Homepage aufgeschalten unter www.lesestadt-aadorf.ch
 

Kommentare werden geladen...

Kommt vor in diesen Ressorts

  • Literatur

Kommt vor in diesen Interessen

  • Belletristik
  • Sachbuch
  • Lyrik
  • Spoken Word

Werbung

Der Kulturpool: Highlights aus den Regionen

Kuratierte Agenda-Tipps aus dem Kulturpool Schweiz.

Kultur für Klein und Gross #24

Unser Newsletter mit den kulturellen Angeboten für Kinder und Familien im Thurgau und den angrenzenden Regionen bis Ende Mai 2025.

Ähnliche Beiträge

Literatur

Was wir von Ameisen lernen können

Die Autorin Tabea Steiner stellt am Samstag mit ihren Kolleg:innen des HOT Kollektivs ein neues Buch im Kunstraum Kreuzlingen vor. Zur Einstimmung – ein Text über das Zusammenhalten. mehr

Literatur

Wie ein Unfall ihr Leben veränderte

Das alte Haus verkraftet die Technik nicht, doch der ausverkaufte Saal ist dennoch gut unterhalten: Wie die Lesung der Schweizer Buchpreisträgerin Zora del Buono im Literaturhaus zum Erlebnis wurde. mehr

Literatur

Die Sorgen der Nachkriegskinder

Die Autorin Margit Koemeda setzt sich in «Die fehlenden Sprossen in meiner Leiter» mit ihren Eltern auseinander, die kaum über die Kriegsjahre gesprochen haben. Aber doch davon geprägt wurden. mehr