von Brigitta Hochuli, 28.02.2013
Dreimal 100‘000 Franken für Netzwerk Schule und Kultur - Kulturamtchef René Munz erklärt die Gründe

Der Kanton Thurgau schafft neu ein „Netzwerk Schule und Kultur“. Der Regierungsrat hat dafür dreimal jährlich 100‘000 Franken gesprochen.
Der Regierungsrat des Kantons Thurgau unterstützt das Projekt «Netzwerk Schule und Kultur». Ziel ist es, die Kulturvermittlung in den Schulen zu stärken und damit Kindern und Jugendlichen aller Schulstufen einen erleichterten Zugang zur Kunst und Kultur zu ermöglichen. Das Projekt an der Schnittstelle von Bildung und Kultur entspricht damit sowohl den Regierungsrichtlinien wie auch den Entwicklungsschwerpunkten des kantonalen Kulturkonzeptes. Es ist auf drei Jahre angesetzt. Der Regierungsrat hat dafür jährlich 100‘000 Franken aus dem Lotteriefonds bewilligt.
Kultur für alle Kinder und Jugendlichen
Kulturvermittlung in der Schule hat zum Ziel, den Zugang zu professionellen künstlerischen Produktionen zu ermöglichen und zu vereinfachen. Dabei geht es nicht nur darum, ein künftiges Publikum für das kulturelle Angebot zu gewinnen. Vielmehr soll Kulturvermittlung allen Kindern und Jugendlichen den Zugang zu kulturellen Werken ermöglichen und ihnen die Gelegenheit bieten, sich aktiv am kulturellen Leben zu beteiligen.
thurgaukultur.ch angegliedert
Im Thurgau müssen Lehrpersonen einen persönlichen Effort leisten, um mit ihren Klassen Kulturvermittlungsangebote passend zum Unterricht zu finden. Sie sollen nun eine Unterstützung und Dienstleistung in Form einer Koordinations- und Informationsstelle erhalten. Diese Stelle hat die Aufgabe, eine Online-Datenbank aufzubauen, die alle Kulturvermittlungsangebote im Thurgau und in seinem Einzugsgebiet auflistet. Das Angebot soll der bereits bestehenden Kulturagenda «thurgaukultur.ch» angegliedert und mit der geplanten Datenbank weiterer Ostschweizer Kantone vernetzt werden. Eine zweite Aufgabe der neuen Stelle besteht darin, an den Schulen ein Netzwerk von Kontaktpersonen aufzubauen, welche sich besonders um Belange der Kulturvermittlung kümmern.
Projektleitung bei Adrian Bleisch
Die Koordinations- und Informationsstelle soll der Kulturvermittlung im Kanton Thurgau ein Gesicht geben sowie den Lehrpersonen und kulturellen Institutionen einen Ansprechpartner sein. So kann langfristig gesichert werden, dass ein grosser Teil der Schülerinnen und Schüler im Thurgau die kulturellen Institutionen des Kantons kennenlernen. Für die Dauer der dreijährigen Aufbauphase dieser neue Stelle wird eine Projektgruppe unter der Leitung von René Munz, Leiter Kulturamt, eingesetzt. Für die Projektleitung wird der ausgebildete Primarlehrer und Museumspädagoge Adrian Bleisch aus Egnach im Auftragsverhältnis eingesetzt. (id)
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Kulturamtchef René Munz: gleichzeitig bereichernd und entlastend
Herr Munz, warum genau wurde die Schaffung eines Netzwerkes Schule und Kultur notwendig?
René Munz: Obschon die Kulturvermittlung als schulischer Auftrag sowohl im Lehrplan wie auch im kantonalen Kulturgesetz (§ 1, Abs.2: "Kanton und Schulgemeinden widmen der Förderung und Pflege der Kultur in der Schule besondere Aufmerksamkeit") festgehalten ist, wird dieser Auftrag vielfach nur sehr rudimentär oder gar nicht erfüllt. Es gibt inzwischen eine breite Palette an professionellen Kulturvermittlungsangeboten, die den Lehrpersonen sowie den Kindern und Jugendlichen den Zugang zu diesen Bereichen öffnen und erleichtern können. Die Angebote werden aber oft nur von verhältnismässig wenigen Lehrpersonen für ihre Klassen in Anspruch genommen.
Und welche Schlüsse hat man aus dieser Tatsache gezogen?
René Munz: Es zeigt sich sowohl in der Praxis wie auch in entsprechenden Studien, dass die Angebote nur dann vermehrt genutzt werden, wenn die Informationen darüber möglichst in persönlicher Form sowie in übersichtlicher Darstellung kommuniziert werden. Daher gibt es schon seit den 90er-Jahren seitens der Lehrerschaft wie auch seitens der Kulturförderer und Kulturveranstalter den Wunsch, eine entsprechende Anlauf- und Informationsstelle einzurichten, welche sowohl die Informationen über die bestehenden Angebote sammelt und sortiert und gleichzeitig persönliche Kontakte knüpft zu den Lehrpersonen. Es wird wichtig sein, die Lehrerinnen und Lehrer davon zu überzeugen, dass die ausserschulischen Kulturvermittlungsangebote nicht eine zusätzliche Belastung sein sollten, sondern im Gegenteil etwas bieten können, das den Schulunterricht gleichzeitig bereichert und entlastet.
Welche Arbeiten stehen nun für das Netzwerk als erste an?
René Munz: Es sind zwei Bereiche, die Projektleiter Adrian Bleisch jetzt umsetzen wird: zum einen muss eine Internet-Datenbank aufgebaut werden, wo alle wichtigen Informationen über bestehende Kulturvermittlungsangebote für Schulen aller Stufen abgerufen werden können - von den vielen Museumsworkshops über theater-, kunst- und musikpädagogische Angebote verschiedenster Institutionen bis zu Autorenlesungen oder Schreibwerkstätten. Es sollen dort zum Beispiel auch Informationen zu organisatorischen Fragen oder zu Finanzierungsmöglichkeiten gegeben werden. Zum anderen hat sich gezeigt, dass die Informationsweitergabe nur dann gelingt, wenn sie auf persönlicher Kommunikation beruht. Dazu ist es notwendig, ein Netzwerk von interessierten Lehrpersonen in den Schulen aufzubauen und sie bei der Nutzung der Angebote zu unterstützen. Das braucht viel Zeit.
Das Angebot soll auf der Plattform thurgaukultur.ch angegliedert werden. Wie wird diese Angliederung konkret aussehen?
René Munz: Es ist Teil des Projektes, Antworten auf genau diese Frage zu finden und schliesslich eine gute Lösung umzusetzen. Ziel ist es, dass alle wichtigen Informationen über Kulturvermittlungsangebote im Kanton und in den umliegenden Städten bedarfsgerecht abgerufen werden können, das heisst nach Schulstufe, nach Themen oder Sparten, nach Datum oder auch nach Ort oder Region. Und weil in den Kantonen St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden vergleichbare Projekte geplant sind, wollen wir natürlich durch eine möglichst enge Kooperation unter den Kantonen unnötige Doppelspurigkeiten vermeiden und Kosten vermindern. (ho)
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