von Brigitta Hochuli, 18.05.2014
Kantonsbibliothek abgebremst

Von den Folgen der kantonalen Leistungsüberprüfungsaktion (Lüp) ist auch die Thurgauer Kantonsbibliothek betroffen. Deren Leiter Bernhard Bertelmann sagt im Interview, wo die Sparmassnahmen besonders schmerzen und was sie für die Entwicklung des Angebots bedeuten.
Brigitta Hochuli
Herr Bertelmann, die Betriebsbeiträge der Stadt Frauenfeld und der Regionalgemeinden für die Kantonsbibliothek werden sukzessive angehoben - das ergibt dann 100‘000 Franken per Budget 2015 sowie per Finanzplan 200‘000 Franken und 300‘000 Franken in den Jahren 2016 und 2017. Wieviele Gemeinden sind davon betroffen und wie reagieren sie darauf?
Die Betriebsbeiträge der Gemeinden der Regio Frauenfeld an die Kantonsbibliothek sollen bis ins Jahr 2017 um 300'000 Franken auf insgesamt 500'000 Franken angehoben werden. Die Zahlen sind nicht zu kumulieren, sondern erhöhen sich jährlich um 100'000 Franken. Die Verhandlungen mit den Gemeinden werden demnächst beginnen, weshalb ich dazu noch nicht mehr sagen kann.
Trotzdem, die Mehrausgaben der Gemeinden werden Auswirkungen auf das Verhältnis zur Kantonsbibliothek oder die Zusammenarbeit mir ihr haben.
Ja. Wer bezahlt, möchte natürlich auch wissen, wohin das Geld fliesst. So ist eine Leistungsvereinbarung vorgesehen, in welcher unsere zu erbringenden Leistungen gegenüber den Gemeinden festgehalten werden.
Direkt von den Sparmassnahmen des Kantons betroffen ist die Kantonsbibliothek mit 75‘000 Franken, abgestuft bis 2017. Gespart werden soll unter anderem bei elektronischen Medien, der Informatik und der Weiterbildung. Ist das angesichts der Tatsache, dass gerade diese Bereiche für die Zukunft von Bibliotheken wesentlich sind, leicht zu verschmerzen?
Der Betrag schmerzt uns sehr, zumal wir im interkantonalen Vergleich sehr kostengünstig und - ich würde behaupten - auch sehr effizient sind. Im Bibliothekskonzept, das vor einem halben Jahr von der Regierung zur Kenntnis genommen worden ist, habe ich aufgezeigt, dass wir einen Nachholbedarf in verschiedenen Bereichen haben, zum Beispiel im Angebot an E-Medien oder in der Vernetzung mit dem wissenschaftlichen Bibliothekswesen. So sind die Bestände der Kantonsbibliothek Thurgau nach wie vor nicht im Schweizer Metakatalog "swisbib" abfragbar. Die Sparmassnahmen haben zur Konsequenz, dass dieser Nachholbedarf wohl bestehen bleibt.
Sie wollen auch bei den Einrichtungen und Drucksachen sparen - was genau ist davon betroffen?
Die Bibliothek ist vor zehn Jahren eingerichtet worden. Es gibt nun immer wieder Einrichtungsgegenstände, die ersetzt oder geflickt werden müssen, wozu wir natürlich Geld benötigen. Unserer Ausleihtheke beispielsweise sieht man an, dass wohl schon eine Million Medien über sie ausgeliehen worden sind. Die Einsparungen bei den Drucksachen verursachen uns im Moment keine grösseren Probleme. Sollten wir jedoch eine neue Gebührenordnung drucken müssen, würde das Geld nicht mehr reichen.
Die den Sparmassnahmen vorausgegangene Leistungsüberprüfung mit der lustig klingenden Abkürzung Lüp haben die betroffenen Institutionen selber vorgenommen. Haben Sie bis jetzt einfach zu viel Geld ausgegeben?
Natürlich nicht. Und durch die Sparmassnahmen kann sich die Kantonsbibliothek nun nicht wie gewünscht weiterentwickeln. Wir versuchen dies wett zu machen mit motiviertem, engagiertem und gut ausgebildetem Personal. Kommt hinzu, dass wir Unterhaltsarbeiten aufschieben. Bei der Ausleihtheke mag dies ja noch gehen. Wenn es aber um die historischen Bestände geht, wird es schwierig.
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