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von Niculin Janett, 20.09.2016

Das Frauenfelder Manhattan

Das Frauenfelder Manhattan
Der berühmteste Musiker im Programm des generations16: Mark Turner | © Paolo Soriani/ECM Records

Vom 1. bis 8. Oktober findet das 10. Jazzfestival Generations in Frauenfeld statt. Eine Vorschau in Vorfreude.

Niculin Janett

„Don't call it jazz, man, that's a made up word. It's social music..."

Worte vom wohl prägendsten Jazzmusiker der Geschichte, Trompeter und Komponist Miles Davis. Social music. Grundsätzlich hat Musizieren ja meist etwas Soziales an sich. Man tut es mit und für Menschen. Beim Jazz gewinnt der Begriff „social" aber noch zusätzlich an Gewicht. Denn wie kaum in einem anderen Musikstil spielt die Interaktion zwischen den Musikern eine solch tragende Rolle. Das konstante aufeinander Reagieren lässt ein feinmaschiges Netz an sozialem Austausch entstehen, ohne das die Musik einen Grossteil seiner Attraktivität einbüssen würde.

Dieses Bedürfnis nach einem sozialen Umfeld äussert sich so auch geografisch, zum Beispiel in New Orleans, wo der Jazz aus allen Gassen schallt. Oder das Greenwich Village in New York City, wo sich die Jazzclubs beinahe aneinander reihen. Und so spielen die Musiker einen Gig, spazieren danach zwei Häuser weiter, um sich dort dann an der Jamsession, manchmal wortwörtlich, den Rest zu geben.

Soziale Spielwiese

Nach diesem Vorbild ist auch das Generations-Festival aufgebaut. Die Frauenfelder Innenstadt verwandelt sich so für acht Tage in eine kleine Manhattaner Lower West Side. Lokale wie das Dreiegg, Kaff oder die Eisenbeiz dienen als Jazzclubs und soziale Spielwiese für dudelhungrige Jazzmusiker.

 



Das Programm ist stark geprägt vom „Modern Straight Ahead" - der Weiterentwicklung des Bebop der 1940er-/1950er-Jahre und des Hardbop der 1960er-Jahre - der Stil, mit dem sich der künstlerische Leiter und Tenorsaxophonist Roman Schwaller seinen Namen gemacht hat. Schwaller schart denn auch viele Musiker um sich, die sich in diesem Stil bestens auskennen.

 


 

Ganz in der Tradition von sogenannten „Steady Gigs" spielen Formationen wie die Pat Bianchi Organ Band im Jazzclub Dreiegg oder Sandy Patton & Band im Jazzclub Terrasse mehrere Abende hintereinander. So, wie es auch heute noch in einem New Yorker Village Vanguard gehandhabt wird.

Angereichert werden diese Fixpunkte im Programm gegen Ende der Woche ebenfalls im Dreiegg mit Konzerten der Thomas Gansch All Star Big Band.

 



Dort, im Dreiegg, mischen dann, nebst dem österreichischen Ausnahmetrompeter Gansch, auch die New Yorker Grössen Mark Turner und Alex Sipiagin mit.


 

Workshop mit Konzert im Rathaus

Turner, seit nun etwa zwei Jahrzehnten eine der wohl einflussreichsten Stimmen auf dem Tenorsaxophon, wird zusammen mit Trompeter Sipiagin, Posaunist Adrian Mears und Schlagzeuger Mario Gonzi den Masterclass-Workshop dozieren. 25 junge Talente aus verschiedensten Ländern werden dort eine Woche in kleinen Bandkonstellationen unterrichtet, ein Erlebnis, in dessen Genuss ich selbst im Jahre 2012 kam. Eine ausgewählte Gruppe von zehn Jungjazzern wird am Ende der Woche ein einstudiertes Programm im Rathaus präsentieren und im darauffolgenden Jahr auf eine zehntägige Tournee gehen.

Jamsessions im Kaff

Wer sich insbesondere für diese jungen Hot Shots interessiert, sollte denn auch unbedingt die Jamsessions im Kaff besuchen. Bis zur späten Stunde wird dort dem Kerngeschäft des Jazz gefrönt und über alle möglichen und unmöglichen Songs gejamt und improvisiert. Gerne findet sich dort auch immer wieder eine der oben genannten, noch nicht schlafwilligen Musikergrössen ein. Oder auch ich selbst. Immer wieder ein erfrischendes Erlebnis. Social music, eben.

 

www.generations.ch

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