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Von Musse, Moneten und Möglichkeiten 

Von Musse, Moneten und Möglichkeiten 
Steckt viel drin: Der aktuelle Jahresbericht der Kulturstiftung des Kantons Thurgau liegt jetzt vor und kann heruntergeladen werden. | © Michael Lünstroth

Der aktuelle Jahresbericht der Kulturstiftung macht deutlich: Ohne die Stiftung wäre das kulturelle Leben im Thurgau deutlich ärmer.

Zum Einstieg ein paar Zahlen: Die Kulturstiftung des Kantons Thurgau verfügt über ein Budget von 1,1 Millionen Franken im Jahr. Dieses Geld stammt aus dem Lotteriefonds. 2017 flossen fast drei Viertel dieses Gesamtbetrages (also 853’589 Franken) direkt in kulturelle Projekte, der Rest wurde für Betriebs- und Personalkosten benötigt. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht der Stiftung (Gestaltung: Susanna Entress & Urs Stuber) hervor, der nun vorliegt. Daraus wird auch ersichtlich, welche Projekte im Einzelnen unterstützt wurden. Die grösste Summe ging an das Tanzfestival „tanz:now“ (66’000 Franken), das die Stiftung selbst initiiert hat. Weitere grosse Beiträge erhielten die Theaterwerkstatt Gleis 5 (50’000), die Werkschau Thurgau 2019 (50’000 Franken), das Haus zur Glocke in Steckborn (42’000 Franken). Auch thurgaukultur.ch wird übrigens aus diesem Topf gespeist - mit 40’000 Franken im Jahr unterstützt die Kulturstiftung unser Portal. 

Daneben gibt es auch zahlreiche kleinere Projekte, die erst durch die Unterstützung der Stiftung möglich wurden. Von den 2017 insgesamt 126 eingereichten Gesuchen wurden 75 nach der Prüfung durch Stiftung und Stiftungsrat am Ende auch unterstützt. Das beutetet: Fast zwei Drittel aller Gesuche wurden positiv beschieden. Die Aufgabe der Kulturstiftung ist dabei klar umrissen: Sie soll das professionelle zeitgenössische Kulturschaffen fördern. Zudem kann die Stiftung auch eigene Projekte initiieren, entwickeln und durchführen. Die Festivals „tanz:now“, Lyriktage und Werkschau Thurgau sind Beispiele dafür.

Das meiste Geld fliesst in die Bildende Kunst

Aufschlussreich ist auch ein Blick auf die Verteilung der Gelder nach Sparten. Von den insgesamt 75 unterstützen Projekten stammten zum Beispiel alleine 30 aus dem Bereich der Bildenden Kunst. Entsprechend fliesst in diese Sparte auch das meiste Geld: 2017 waren es nach Zahlen der Stiftung 205’400 Franken. Am anderen Ende der Tabelle liegt die Fotografie: Hier wurden 2017 insgesamt vier Projekte mit 29’500 Franken gefördert. Dass die Anzahl der geförderten Projekte freilich nichts über die Fördersumme alleine aussagt, sieht man aber an einem anderen Beispiel: In der Sparte Tanz wurden lediglich zwei Projekte („tanz:now 2017& 2018“) unterstützt, es flossen aber 133’000 Franken in diesen Bereich. Wollte man eine Rangfolge der am meisten subventionierten Sparten aufstellen, sie läse sich so: 1. Bildende Kunst 2. Tanz/Performance 3.Interdisziplinäre Projekte 4. Theater 5. Musik 6. Literatur 7. Fotografie

Künstlerischer Beitrag von Lika Nüssli und Herbert Weber

Allerdings besteht der Jahresbericht der Kulturstiftung nicht nur aus statistischem Material. Wie es seit Jahren üblich ist, enthält der Bericht auch in diesem Jahr wieder einen künstlerischen Beitrag. Lika Nüssli und Herbert Weber haben das in diesem Jahr übernommen. Sie haben über das Jahr verteilt Postkarten an die Kulturstiftung geschrieben. Diese sind gefertigt aus eigenen Fotografien, Zeichnungen oder aus gekauften und dann übermalten oder auf andere Weise bearbeiten Karten. „Fotografierte Bildschirme oder Screenshots von WhatsApp-Nachrichten erinnern uns daran, dass die Postkarte in der Gegenwart der digitalen Kommunikation anachronistisch anmutet“, heisst es in dem Bericht zu dem künstlerischen Ansatz. Und, so geht die Erläuterung weiter: „Die im Bericht der Kulturstiftung des Kantons Thurgau abgebildeten Postkarten sind auch ein Kommentar auf die (mitunter vermeintliche) Freiheit und Unabhängigkeit künstlerischer Tätigkeit, die eben nicht Musse oder leidenschaftliches Hobby ist, sondern Arbeit, die einen mehr als relevanten Beitrag zum Verständnis unserer komplexen Gegenwart leistet.“

Der Bericht 2017 der Kulturstiftung kann von der Homepage der Kulturstiftung heruntergeladen werden. Wer ein Exemplar per Post erhalten möchte, kann sich per E-Mail unter info@kulturstiftung.ch  melden. Alle Postkarten, die Lika Nüssli und Herbert Weber zwischen März und Mai 2018 an die Kulturstiftung geschickt haben, sind online zu sehen auf www.likanuessli.ch  bzw. www.herweber.ch  

 

Zukunftsfragen: Ergebnisse der stiftungsinternen Diskussionen 

Die Jahre 2016 und 2017 waren keine einfachen Jahre für die Kulturstiftung. Es gab vor allem Ende 2016 und Anfang 2017 eine intensive Debatte um die Fördermittelvergabe-Praxis der Stiftung, die auch die Politik beschäftigt hat. Der aktuelle Jahresbericht geht darauf nicht explizit ein, darin heisst es aber, dass das Jahr 2017 auch geprägt gewesen sei „von einem intensiven Nachdenken nicht nur über die stiftungseigenen Projekte, sondern auch über die künftigen Ziele und Strategien der Förderung“.

 

Als Resultate daraus werden im Bericht genannt: Eine Neukonzipierung der stiftungseigenen Publikationsreihe „Facetten“. Die mit dem Künstler Daniel V. Keller entwickelte 18. Ausgabe soll demnach schon bald vorliegen. Die Werkschau Thurgau kehrt 2019 mit einem neuen Konzept zurück. Die Lyriktage Frauenfeld, die 2019 erneut stattfinden, bekommen eine eigene Internetseite. Zudem will die Stiftung mitarbeiten bei der von der Politik geplanten Überarbeitung der Stiftungsurkunde. In der Urkunde werden Förderauftrag und die Förderstrategien der Kulturstiftung formuliert. Die neue Version soll zum 1. Januar 2019 in Kraft treten.

 

Über weitere Lehren aus der Debatte hatte Stiftungsrat-Präsidentin Renate Bruggmann bereits im April 2018 ausführlich gesprochen. Unseren Bericht dazu finden Sie hier

 

Zum Nachlesen: Alle Texte rund um die Debatte um die Kulturstiftung finden Sie gebündelt auch in unserem Dossier über den Kulturstiftungs-Streit.

 

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