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Wie 2025 war – und was es bedeutet

Wie 2025 war – und was es bedeutet
Anja Mosima, Sarah Lüthy, Michael Lünstroth – das Kernteam von thurgaukultur.ch. | © Reto Martin

Neue Strukturen, Rekordzahlen und ein klarer Blick nach vorne: thurgaukultur.ch berichtet in eigener Sache. (Lesedauer: ca. 4 Minuten)

2025 war für uns ein Jahr des Umbaus. Wir haben Strukturen professionalisiert, Verantwortlichkeiten geklärt, das Team erweitert – und nebenbei so viele Menschen erreicht wie noch nie zuvor. Kein schlechtes Ergebnis für ein Übergangsjahr.

Neues im Team und im Verwaltungsrat

Im Juni übernahm Bernhard Weber das Verwaltungsratspräsidium von Daniela Lutz. Weber bringt eine klare Überzeugung mit: «Kultur ermöglicht das Zusammenleben von Menschen in Gruppen und verschafft uns dadurch einen unschätzbaren Vorteil.» Eine Haltung, die gut zu uns passt.

Neu im Team ist auch Daniela Thielecke, die seit April unsere Social-Media-Kanäle verantwortet. Anja Mosima, die schon bisher als Agenda-Redaktorin für uns gearbeitet hat, hat zusätzlich die Aufgabe der operativen Finanzleiterin übernommen. In dieser Funktion sorgt sie dafür, dass die Abläufe im Hintergrund funktionieren. Die Co-Leitung von Michael Lünstroth und Sarah Lüthy – seit fast zehn Jahren bewährt – wurde nun auch formal verankert.

 

Seit Juni neuer Verwaltungsratspräsident der Thurgau Kultur AG: Bernhard Weber. Bild: Reto Martin

 

Zahlen, Daten, Fakten: So finanziert sich thurgaukultur.ch 

thurgaukultur.ch ist eine gemeinnützige Aktiengesellschaft. Der Kantonsbeitrag über die Leistungsvereinbarung mit dem Kanton Thurgau beträgt aktuell 230'000 Franken pro Jahr und deckt damit rund 64 Prozent unseres Gesamtbudgets. Weitere 25'000 Franken stammen von der Kulturstiftung des Kantons Thurgau. Den Rest erwirtschaften wir selbst: durch Werbung, Kulturpartnerschaften, Lizenzeinnahmen und Projektfinanzierungen wie den Recherchefonds.

Was bekommen die Nutzer:innen dafür? Ein Magazin mit 308 Beiträgen pro Jahr (so viele waren es zumindest 2025) und über einer halben Million Seitenansichten. Eine Veranstaltungsagenda mit laufend über 1'100 publizierten Einträgen und bis zu 190 Terminen pro Woche. Zwei analoge Dialogformate, die Kulturschaffende und Politik zusammenbringen. Eine IT-Infrastruktur, die inzwischen auch anderen Kantonen und Kulturplattformen als Rückgrat dient. Und eine Social-Media-Präsenz mit einer jährlichen Reichweite von rund einer halben Million allein auf Instagram. 

Kurz: einen funktionierenden kulturellen Service Public, der im digitalen Raum sichtbar macht, was im Thurgau kulturell passiert – zuverlässig, unabhängig, täglich.

Bildergalerie: Einblicke in «Kultur trifft Politik» #3

Kultur trifft Politik No. 3: Speeddating

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Was die Reichweite betrifft, gibt es gute Nachrichten: Unsere Webseite verzeichnete 2025 rund 260'000 Besuche, was einem Zuwachs von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Seitenansichten stiegen auf über 532'000, ein Plus von 19 Prozent. Besonders bemerkenswert: Die durchschnittliche Sitzungsdauer legte um 33 Prozent zu und liegt nun bei über vier Minuten. Die Leserinnen und Leser bleiben also länger – sie tauchen ein, statt zu überfliegen.

Noch deutlicher fällt das Wachstum im Magazin-Bereich aus: Dort stiegen die Seitenaufrufe gegenüber 2024 um satte 43 Prozent. Und das in einem Jahr, in dem die Marketingausgaben sogar reduziert wurden. Stattdessen setzte die Redaktion auf analoge Begegnungen, sowie eine konsequente inhaltliche Profilierung – und fuhr damit offenkundig sehr gut.

Auch in den sozialen Medien tut sich einiges: Auf Instagram stieg die Follower-Zahl von 2’015 auf 2'595. Die Interaktionen nahmen über alle Kanäle hinweg um 51 Prozent zu. Allein auf Instagram erreichte thurgaukultur.ch 2025 eine Reichweite von rund einer halben Million – ein Wert, der noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.

«Thurgaukultur beweist, dass trotz finanzieller Unterstützung aus dem Lotteriefonds eine unabhängige Berichterstattung möglich ist. Konventionelle Printmedien sind von Werbeanzeigen abhängig – daran haben wir uns alle gewöhnt.»

Ulrich E. Gut, ehemaliger Chefredaktor der Zürichsee-Zeitung und heutiger Herausgeber unter anderem des spendenfinanzierten Newsletters «cültür»

 

 

 

«Übrigens erzähle ich - nicht nur in der Schweiz - immer wieder von thurgaukultur! Gut, dass es Euch gibt, und die Leserzahlen sollen weiter zunehmen.»

Zsuzsanna Gahse, Schriftstellerin, Grand-Prix-Preisträgerin

Was hinter den Zahlen steckt

Reichweite ist kein Selbstzweck. Sie entsteht, weil Inhalte relevant sind. Das Magazin veröffentlichte 2025 rund 308 Beiträge – etwa sechs pro Woche – zu Themen, die weit über den klassischen Agenda-Journalismus hinausgehen. Kulturpolitik machte mit 20 Prozent den grössten Anteil aus, gefolgt von Kunst, Bühne, Musik und Literatur.

Ermöglicht wurde die vertiefte Berichterstattung auch durch den Recherchefonds, der mit Unterstützung der Stiftung für Medienvielfalt und der Crescere Stiftung Thurgau fortgeführt wurde. Daraus entstanden neue Beitragsreihen wie «Die Spur der Thur» oder «Geheimnisse von Reliquien» – Formate, die zeigen, was Kulturjournalismus leisten kann, wenn er Zeit und Raum bekommt.

Neu eingeführt wurde ausserdem die Fotokolumne «Augenblicke» mit dem Thurgauer Fotografen Urs Oskar Keller. Er zeigt darin besondere Momente aus Jahrzehnten als Foto-Reporter in der Region – eine visuelle Erweiterung, die dem Magazin eine eigenständige
bildjournalistische Handschrift verleiht.

 

Raus aus dem Digitalen, rein in die Begegnung

Zwei Veranstaltungsformate prägten das Jahr besonders. «Kultur trifft Politik» brachte Kulturschaffende und Politikerinnen und Politiker an einen Tisch – im Mai ging es um die Rolle der Kultur in der Stadtentwicklung, im November um Basis-Beziehungsarbeit zwischen Politiker:innen und Kulturschaffenden. Die Ausgaben fanden in Kreuzlingen und Frauenfeld statt, jeweils mit 50 bis 60 Gästen und viel Diskussionslust.

Daneben engagierte sich thurgaukultur.ch als Content- und Veranstaltungspartnerin beim «Kulturstammtisch», einem Podcast- und Live-Format des ehemaligen SRF-Kulturredaktors Eric Facon. Themen wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Künstlerinnen- und Künstlerberuf oder die Bedeutung von Kultur für die Gemeindeentwicklung zogen ein engagiertes Publikum an.

Diese Formate kosten Zeit. Für die Geschäfts- und Redaktionsleitung sind sie arbeitsintensiv, und die Projektfinanzierung deckt den Aufwand nicht vollständig. Dennoch tragen sie wesentlich zur Markenbildung bei. Sie machen sichtbar, dass thurgaukultur.ch nicht nur über Kultur berichtet, sondern sie auch aktiv mitgestaltet.

Bildergalerie: Einblicke in «Kultur trifft Politik» #2

Kultur trifft Politik No. 2: Stadtentwicklung und Kultur

Die Agenda wächst – und mit ihr die Komplexität

Weniger sichtbar, aber ebenso bedeutsam: der Ausbau der Agenda und der dahinterliegenden Minasa-IT-Infrastruktur. 2025 wurden auch Veranstaltungen aus der kantonsübergreifenden Region thurkultur sowie selektiv Termine aus dem Kanton St. Gallen integriert. Je nach Saison sind zwischen 120 und 190 Termine pro Woche online, insgesamt über 1'100 Einträge publiziert.

 

In einem Pilotprojekt mit Saiten und appenzellkulturell wurde ein Widget entwickelt, das Agenda-Daten auf externen Webseiten einbindbar macht. Der Pilot ist seit Herbst 2025 online – und zeigt, welches Potenzial die Infrastruktur über den Kanton Thurgau hinaus hat.

Finanziell ausgeglichen – aber mit Blick auf die Herausforderungen

Das Jahr 2025 schloss finanziell ausgeglichen ab. Kein kleines Kunststück, wenn man bedenkt, dass gleichzeitig neue Stellen geschaffen, Strukturen professionalisiert und strategische Prozesse eingeleitet wurden – alles ohne zusätzliche Mittel, durch interne Umschichtungen und Priorisierungen.

Parallel haben wir die Grundlagen für die Leistungsvereinbarung 2027 bis 2030 erarbeitet. Das Programm «7/30 – Sieben Ziele für die Thurgauer Kultur bis 2030» bildet die strategische Basis dafür. Wir beantragen eine Erhöhung des jährlichen Kantonsbeitrags um 68'000 Franken auf 298'000 Franken – um Digitalisierung, journalistische Qualität und Reichweite langfristig zu sichern. 

Ohne diese Mittel müssten Leistungen reduziert werden. Mit ihnen kann thurgaukultur.ch das bleiben, was es ist: eine unabhängige, verlässliche Plattform für die Thurgauer Kultur – und weit darüber hinaus.

 

«Vielen Dank liebes Team von thurgaukultur für eure wertvolle und wichtige Arbeit. Eure Beiträge und Initiativen bereichern die Kultur. thurgaukultur ist deshalb nicht nur ein bedeutender kultureller Leuchtturm im Thurgau sondern auch für die Medienlandschaft der Schweiz.» 

Stefan Wagner, Kulturstiftung des Kantons Thurgau

 

Was andere über unsere Arbeit sagen

Stefan Wagner von der Kulturstiftung des Kantons Thurgau bringt es auf den Punkt: thurgaukultur.ch sei nicht nur ein kultureller Leuchtturm im Thurgau, sondern auch für die Medienlandschaft der Schweiz bedeutsam. Und Roger Berhalter vom Amt für Kultur St. Gallen schreibt, die Plattform liefere «viele spannende kulturpolitische Hintergründe und Interviews» – auch für jemanden, der kaum in der Thurgauer Kulturszene unterwegs ist.

Das ist vielleicht das Schönste an diesem Jahresbericht: Er zeigt, dass guter lokaler Kulturjournalismus nicht nur lokal wirkt.

Den vollständigen Geschäftsbericht kann man hier herunterladen.

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