von Jürg Schoop (1934 - 2024), 11.01.2015
Tage am See (Video)

Valentin Magaro verbrachte im Sommer 2014 Zeit in einem Kreuzlinger Badehaus. Für die aktuelle Ausstellung im Museum Rosenegg fertigte er bewusst Skizzen an. Korrespondent Jürg Schoop besuchte die Vernissage.
Jürg Schoop
Eine zahlreiche Gästeschar - statistisch gesehen an der Obergrenze gut besuchter Vernissagen - fand sich am 9. Januar 2015 zur Eröffnung der Ausstellung von Valentin Magaro ein.
Direktorin Heidi Hofstetter begrüsste die Anwesenden zum Beginn des neuen Jahreszyklus' und freute sich, einen so hochgeschätzen Vertreter zeitgenössischer Kunst vorstellen zu dürfen. Magaro ist mit Preisen überhäuft worden, ein Senkrechtstarter sozusagen.
Er hat unter anderem 2007 den Adolf-Dietrich-Förderpreis der Thurgauischen Kunstgesellschaft und 2010 und 2012 Förderpreise der Internationalen Bodensee Konferenz und des Kantons Thurgau erhalten.
Entwicklungsprozess im Zentrum
Im Zentrum der Ausstellung im Museum Rosenegg steht eine speziell konzipierte Arbeit von Valentin Magaro mit Bezug auf Kreuzlingen. Seit Jahren verbringt der Maler in den Sommerferien Zeit in einem kleinen Badehaus beim Bootshafen der Stadt. Für die Ausstellung hat er bewusst Skizzen mit Blick auf den See, die Boote und Enten angefertigt. Ausgehend von den Skizzen entstanden im Atelier Kompositionsstudien, die er wiederum in einem grossen Acrylbild (140 x 200 cm) umsetzte. Gezeigt wird der ganze Entstehungsprozess bis zum fertigen Bild. (rom)
Man fragt sich ja gelegentlich, ob es auch den Richtigen getroffen hat. Bei Valentin Magaro, dem 42-jährigen Thurgauer Künstler, der in Winterthur lebt, entschwindet diese Frage in den Hintergrund. Er ist nicht nur ein akribischer und gründlicher Planer und Schaffer, was vielleicht auch etwas mit seiner Ausbildung als wissenschaftlicher Zeichner zu tun hat, er verfügt auch über Einfälle und haufenweise kompositorisches Geschick, auch die Farbe betreffend. Eine Augenweide, seinen Blick über die vom Kreuzlinger Hafen inspirierten Formen gleiten zu lassen, eine perfekte Aussage.
Das Hauptbild oben zeigt das Resultat, die Skizzen eins...

... und zwei die Vorstudien des Künstlers. (Bilder: Jürg Schoop).

Dazu kommt ein narratives Element, das manchen Betrachtern den Einstieg in Magaros Kunst erleichtert und - zum Teil wenigstens – die verbreitete Wertschätzung seiner bildnerischen Tätigkeit verständlich macht.
Die Kunsthistorikerin Lucia Angela Cavegn hat eine in ihrer Kürze und Essenz gerühmten Einführungen zu Magaros Schaffen abgegeben. Schön, dass nicht alle demselben Markenzeichen nachrennen, nicht alle Kuratoren unsern Geist vernebeln wollen. Einen Ausschnitt davon zeigt das Video.
Video: Jürg Schoop.
***
Weitere Informationen:
Am 21. Januar findet um 18.00 Uhr eine Führung mit Valentin Magaro statt.
Am 27. Februar (17 bis 18 Uhr) Finissage mit dem Künstler.
Die Ausstellung dauert bis 1. März 2015.

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