von Brigitta Hochuli, 07.08.2013
Nicht ohne seine Familie

Leopold Huber, Filmer, Autor, Regisseur und Produzent des See-Burgtheaters, erhält den Thurgauer Kulturpreis. Die Auszeichnung ist ihm wichtig. Noch wichtiger sind ihm Frau und Kinder: Die Schauspielerin und Ko-Theaterleiterin Astrid Keller mit Valentin, Silvan und Maria Huber.
Brigitta Hochuli
Manchmal macht Leopold Huber Witze. Zum Beispiel hat er von seiner Ehefrau Bilder in all ihren Rollen im See-Brugtheater seit 2007 malen lassen. Im Kunstmuseum Thurgau solle dereinst ein Astrid Keller-Zimmer zu sehen sein. Das Zimmer wird es wohl nie geben. Die Bilder sind Tatsache. Eines hat die Thurgauer Künstlerin Rahel Müller gemalt; es zeigt die Schauspielerin als Gelsomina im Stück „La strada“. Leopold Huber, 58, verehrt seine Frau. Kennengelernt hat er sie als junger Student in der Hochschule für Musik und darstellende Kunst - Max Reinhardt-Seminar in Wien. Er begehrte sie, „weil sie so schön war“. Schön ist die 57-Jährige immer noch; und so nestelt der Ehemann im kühlen Wohnzimmer in Altnau unentwegt an ihrem luftigen Sommerkleidchen.
„Das macht er ständig“, sagt Maria Huber. Die 20-jährige Tochter wohnt als einzige der drei Kinder noch zu Hause; gerade beendet sie zusammen mit ihrer Mutter die Bühnenpräsenz in Brechts „Dreigroschenoper“. Ab Frühling besucht sie wie ihre Eltern das Reinhardt-Seminar in Wien. Das See-Burgtheater ist eine Art Familienbetrieb geworden - auch Sohn Valentin hilft seit Jahren mit. Der angehende Sekundarlehrer managt die Theaterbeiz. Sein Bruder Silvan hingegen ist Gestalter beim ORF; wen wundert‘s, er arbeitet in Wien.
Die schönsten Tage
Vor 30 Jahren war der Familiensitz ein verwunschenes altes Häuschen, heute ist es mit einem modernen beschindelten Anbau versehen. Im grossen Garten zieht Leopold Huber Bio-Gemüse. Von einer Schilfmatte beschattet gedeiht der Nüssli-Salat. Zwischen den Beeten blühen die Malven. Sie künden vom Herbst - genau wie der trächtige Obstbaum. Huber, der Bergbauernsohn und studierte Textilingenieur, kocht auch gerne. Aber nicht nur Gemüse - als Österreicher liegen ihm Panaden. Oder Pilze, die er als diplomierter Kontrolleur natürlich selber sammelt. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Tochter Maria hat für die See-Burgtheater-Beiz eine kalte Zucchetti-Suppe zubereitet. Neben ihrer Rolle als Schauspielerin gehören die Suppe und das Saubermachen der Toiletten zu ihren Aufgaben.
Ein Familienidyll? „Wir hatten unsere Krisen“, sagt Leopold Huber. „Es war unser Glück, dass wir immer wieder zusammengefunden haben“, sagt Astrid Keller. Fest steht, ohne sie und die Kinder geht bei Huber gar nichts. „Ich bin ein totaler Familienmensch.“ Der Tag der Kulturpreisverleihung am 13. August ist für ihn eine schöner Tag, aber nicht der schönste. „Die schönsten Tage meines Lebens beschert mir die Astrid.“
Nie richtig schlecht
Die Spielzeit des See-Burgtheaters war dieses Jahr vom Wetterglück gesegnet, die Tribüne immer voll besetzt. Auch mit der Kritik war man zufrieden. „Eigentlich wie immer“, findet Astrid Keller. „Richtig schlecht haben wir es noch nie gemacht“, bestätigt Leopold Huber. Mit seinen stimmungsvollen, volksnahen und geistreichen Inszenierungen sorge er regelmässig für Gesprächsstoff und begeistere mit seiner unverkennbaren Regie-Handschrift ein breites Publikum, lobt die Thurgauer Regierung und begründet so die Wahl Hubers zum diesjährigen Kulturpreisträger. Ein besonderes Verdienst komme ihm mit der Leitung des See-Burgtheaters zu, das er seit 20 Jahren zusammen mit Astrid Keller zu einem wichtigen Kulturereignis im Thurgau entwickelt habe und mit dem er auch andern professionellen Theaterleuten die Möglichkeit biete, sich zu profilieren.
Jedes Stück ein neuer Kontinent
Dass er den Kulturpreis nach all den Jahren erst jetzt erhält, grämt ihn nicht. „Ich habe ein loses Maul und betupfe mit gewissen Szenen manche Zuschauer.“ Auch sei seine Art des Volkstheaters für einige „zu wenig Kunst“. Wobei - eigentlich hätte er den Preis schon früh für seine Kinofilme bekommen sollen. Denn mit „Hirnbrennen“ (1982) oder „Vater lieber Vater“ (1994) war er „nahe dran an einer internationelen Karriere“. Huber, der einst hatte Schriftsteller werden wollen, gibt aber nicht auf. Zu seiner Jugend im „letzten Tal Gottes“ und zur Tägerwilerin Elise Egloff, die Gottfried Keller zu „Regine“ und George Bernard Shaw zu „My Fair Lady“ angeregt hat, will er noch Drehbücher schreiben. Vom Filmen hat er viel gelernt fürs Theater. Schnitt, Überblendung, Zeitmanagement - die Filmtechniken ergäben eine andere Theaterregie. Und dafür hält die Begeisterung zum Glück an: „Denn jedes Stück ist wie ein neuer Kontinent!“
***
Preisverleihung am 13. August
Der Kulturpreis des Kantons Thurgau ist mit 20‘000 Franken dotiert. Verliehen wird er an Regisseur Leopold Huber am 13. August auf der Seebühne im Seeburgpark Kreuzlingen, 20.30 Uhr. Die Feier ist öffentlich; die Gäste werden von Regierungsrätin und Kulturchefin Monika Knill begrüsst. Die Laudatio hält die Autorin Edith Gloor. Für die musikalische Umrahmung des Anlasses sorgen die Dreigroschenoper-Band unter der Leitung von Volker Zöbelin und Mitglieder des Ensembles des See-Burgtheaters. Im Anschluss an die Feier wird ein Apéro offeriert.

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