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von Brigitta Hochuli, 09.11.2011

Jetzt geht‘s um die Lobby

Jetzt geht‘s um die Lobby
MET: Kulturlobby in New York. | © ho

In der Debatte Nº 6 der Kulturstiftung soll erörtert werden, wie der Kunst mehr Gehör verschafft werden kann. Kompetente Personen mit Einfluss sollen es richten.

Brigitta Hochuli

Seit bald einem Jahr treffen sich Thurgauer Kulturschaffende und Freunde zu den Debatten der Kulturstiftung des Kantons Thurgau. Gross war der Aufmarsch zu Beginn, intimer wurde der Rahmen im Lauf des Jahres. Gross geblieben ist der Aufwand, den der Stiftungsbeauftragte Klaus Hersche und Präsidentin Claudia Rüegg betreiben. Allein das Protokollieren dürfte unbezahlbar sein.

Initiativen sterben ab

Im Thurgau werde Kulturförderung zugunsten der Kulturpflege vernachlässigt, hiess es in der ersten Debatte im Salon Précaire in Frauenfeld. Aufwendungen für Staatsarchiv, Denkmalpflege und Museen seien staatliche Aufgaben, die politisch kaum in Frage gestellt würden. Dagegen müssten sich Projekte des kulturellen Lebens und des künstlerischen Schaffens immer wieder behaupten und rechtfertigen, um an ohnehin eher bescheidene Mittel zu kommen. Vielversprechende Initiativen stürben frühzeitig ab, weil es an klaren Strukturen fehle. „Um aber Strukturen zu schaffen, braucht es politischen Willen und jemanden, der diesen Willen durchsetzt“, protokollierte Klaus Hersche. Es fehle der Kultur im Thurgau an einer starken politischen Lobby. Die Initiative und die nötige Überzeugungsarbeit zur Gewinnung der Entscheidungsträger (eben Lobbying), müssten aber von den Kulturschaffenden und von den an der Kultur Interessierten ausgehen, lautete das Fazit. Wer diese Überzeugungsarbeit konkret leisten sollte, blieb jedoch ungesagt. Auch in sechs Kommentaren kamen keine Lobbyisten zum Vorschein.

Internet-Modul war schuld

In der zweiten Debatte wies der Kreuzlinger Medienprofessor Kurt Schmid auf das Projekt einer «Medialen Kunsthalle» in Kreuzlingen hin. Ein Projekt dieser Grössenordnung könne nur durch das Engagement einer Gruppe getragen und zur Realisierung gebracht werden. Kurt Schmid hat auf thurgaukultur.ch im Frühling 2010 die „Lobby“ oder „Landsgemeinde“ Namens Kulturpfeffer initiiert. Es sei ein Leichtes, 1000 Lobbyisten zusammentrommeln, sagte er. Gescheitert ist das Vohaben angeblich an der Nutzer-Unfreundlichkeit eines Internetcommunity-Moduls.

Unkonventionell Denkende gesucht

Schliesslich die fünfte Debatte in der Kulturhauptstadt Pfyn. Da wurde die Idee einer frühzeitigen künstlerischen Einmischung in die Planung der Expo 27 diskutiert. „Die Realisierung der Idee Landesausstellung-Ost braucht unbedingt die Bildung einer starken Kulturlobby“, protokolliert Klaus Hersche und lädt die Debattierenden ein, ihr Interesse für eine aktive Mitarbeit an der Entwicklung des Projekts anzumelden und weitere „spannende, unabhängige und unkonventionell denkende Persönlichkeiten“ aus dem Raum Ostschweiz und dem angrenzenden Ausland vorzuschlagen. Denn die gebe es. Ob „Beteiligungswillige“ zum angekündigten Arbeitstreffen aufgeboten worden sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Eine Antwort auf diese Frage steht aus.

Bürger vermisst

A propos Pfyn: Das Gespräch plätscherte dahin. Die Idee einer Teilnahme an der Expo gefiel, riess aber niemanden von den Stühlen. An die Existenz vieler „spannender, unabhängiger und unkonventionell denkender Persönlichkeiten“ mochte man nicht so recht glauben. Es klang vielleicht auch etwas elitär. Man vermisste plötzlich, dass ausser Frau Gemeindeammann Jacqueline Müller kein einziger Bürger der Kulturhauptstadt in der Trotte sass.

The Platform for Development

Die Pfyner sind übrigens nicht schuld daran, dass es den Debatten bisher am Debattösen fehlte, an der provozierenden These, dem Widerspruch, dem Aufschrei und daraus resultierend der Begeisterung. Aber das kann ja noch kommen. Denn das nächste Treffen findet im Konferenzzentrum Wolfsberg der UBS statt, das sich offiziell „The Platform for Executive & Business Development“ nennt. Nichts anderes als eine Lobby also, die, wie es in der Einladung zum 16. November heisst, „die notwendigen kulturpolitischen Entscheidungen beeinflussen“ kann.

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