Seite vorlesen

von Inka Grabowsky, 27.04.2026

Im Oldtimer die Oberthurgauer Museumswelt entdecken

Im Oldtimer die Oberthurgauer Museumswelt entdecken
Ein Postauto von Saurer ist eine Attraktion für sich. Bei dem Oberthurgauer Museumstag können sich Besucher:innen mit solch einem Oldtimer von Museum zu Museum fahren lassen. | © Inka Grabowsky

Zum Museumstag am 3. Mai locken elf Institutionen mit halbem Eintritt und Gratis-Bustransfer – darunter auch Publikumslieblinge wie der Autobau, das MoMö oder das Locorama. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

«Wir sind seit den Anfängen 2022 dabei», sagt Yvonne Stütz, die Geschäftsführerin der Autobau Erlebniswelt in Romanshorn. «Wir wollen mit der Oberthurgauer Museumslandschaft gemeinsame Sache machen und vor allem der Bevölkerung den Zugang zu unserer Ausstellung erleichtern.» Familien zählten zum Stammpublikum – zum Museumstag kämen erfahrungsgemäss besonders viele. 

Ebenfalls auf vier Jahre Erfahrung zurückblicken kann die Stiftung Ar(t)bon. «Wir öffnen an dem Tag einfach unseren Garten und stehen für Auskünfte zur Verfügung», sagt Isabelle Künzler. Vierzig bis fünfzig Besuchende schauten üblicherweise vorbei, je nach Wetter. Die Sammlung selbst kann man weiterhin nur nach Anmeldung für eine Führung ansehen - konkret schon am Vortag, dem 2. Mai um 14 Uhr.  «Da wir im kommenden Jahr nach Sulgen umziehen, steht die Werbe-Wirkung für uns nicht im Vordergrund. Dass wir mitmachen, ist für uns eine Frage des Zusammenhalts unter den Museen.» 

Die Kooperation schätzt auch das MoMö Museum willkommen-im-momoe : «Wir sind überzeugt, dass dieser jährliche Aufruf die verschiedenen Häuser zu besuchen die Bevölkerung aufmerksam auf viele Angebote macht, die sie sonst übers Jahr nicht in ihrer Freizeitgestaltung präsent haben», sagt Geschäftsführer Paolo Spagnolo.

 

Der Garten der Sammlung Ar(t)bon. Bild: Michael Lünstroth

Kulturpolitische Lobbyarbeit

Ins Leben gerufen wurde der der Museumstag 2022 aus politischen Gründen, wie Initiator, der Vizepräsident des Historischen Museums im Schloss Arbon Peter Gubser einräumt. 

Er ist als ehemaliger Stadtrat in Arbon und Kantonsrat politisch geschult. «Damals entschied der Regierungsrat, dass das neue historische Museum nach Arbon kommen soll. Mir war aber klar, dass mit dem Zuschlag die Sache noch nicht ‹geritzt› ist, dass auf jeden Fall eine Volksabstimmung nötig wird. Und deshalb wollte ich gemeinsam mit den anderen Museen die vielfältige Museumslandschaft im Oberthurgau ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken, um eine positive Stimmung für ein Ja zum Museumskredit zu schaffen.»

 

Peter Gubser an einem Saurer-Velo von 1912 in der aktuellen Sonderausstellung des Historischen Museum Arbon. Bild: Michael Lünstroth

 

Durch die Finanzprobleme des Kantons ist die Realisierung des neuen Museums zwar in weite Ferne gerückt, aber der Plan ist trotzdem aufgegangen. «Den Museumstag soll es auch weiterhin geben. Er ist eine gute Werbung für die Museen – allein schon durch die Flyer, die wir verteilen lassen.» Das sei zwar einer der Hauptkostenposten im Budget von 15- 16.000 Franken – finanziert von den drei Städten Amriswil, Arbon und Romanshorn sowie dem Kulturpool Oberthurgau - führe aber auch zu viel Sichtbarkeit. 

Jahr für Jahr gäbe es beim Aktionstag mehr Besucher, so Gubser. «Er ist zum festen Bestandteil des Kulturlebens geworden. Elf Museen schafft trotzt unserer Busse keiner. Also nimmt man sich nach zwei oder drei Stationen vor, beim nächsten Mal die anderen anzusehen.»

 

Diese Museen beteiligen sich am Oberthurgauer Museumstag am 3. Mai 2026. Hier gibt es ganze Programm im PDF-Flyer: (Obertg. Museumstag 2026 Flyer.pdf)

 

Der Fahrdienst ist eine Attraktion für sich. Drei Busse pendeln am 3. Mai von 10 bis 17 Uhr im Halbstundentakt von Museum zu Museum. Mit dabei ist ein altes Saurer Postauto. «Die Gratisfahrten werden vor allem von den Einheimischen genutzt, nicht von Touristen», so Gubser. «Wobei das bedeutet, dass die Romanshorner für einmal nach Amriswil fahren oder die Arboner nach Romanshorn.» Bei gutem Wetter verbänden viele die Besuche auch mit einer Velo-Tour von Haus zu Haus. 

 

Im MoMö kann man viel entdecken - und lernen. Bild: Archiv

Günstiger geht es kaum in Ausstellungen

Jugendliche bis 16 Jahre kommen gratis in alle Museen, Erwachsene bezahlen den halben Eintrittspreis. Das ist nach Einschätzung der Organisatoren ein grosses Zugpferd. «Einen Museumspass wollten wir nicht einführen, weil die Preisgestaltung der teilnehmenden Häuser so unterschiedlich ist», begründet Organisator Gubser. «Das Bohlenständerhaus oder das Schulmuseum in Amriswil sind ohnehin gratis, MoMö und Autobau als Privatunternehmen nicht. Das wollte ich nicht in einer Abrechnung auseinanderdividieren. Also haben wir uns auf den halben Preis geeinigt. So ist jeder selbst für seine Einnahmen zuständig.» 

Jenseits der gesteigerten Bekanntheitswerte kann sich das rechnen. In der Autobau Erlebniswelt etwa gab es nach Angaben der Geschäftsführung vergangenes Jahr über 400 Eintritte, mehr als doppelt so viele wie an einem durchschnittlichen Tag. Damit geht die Kalkulation mit dem von 24 auf 12 Franken reduzierte Ticketpreis auf. 

Auch im MoMö kamen in den vergangenen Jahren einige Gäste mehr als für gewöhnlich vorbei, wie Geschäftsführer Spagnolo sagt: «Für die teilnehmenden Museen muss die Ermässigung als Investition in die Zukunft betrachtet werden – denn genau an solchen Tagen erkennt man, dass Familien über mehrere Generationen unterwegs sind und Ausflüge zu den verschiedenen Häusern unternehmen.»

 

Vergangenheit und Gegenwart: Im Eisenbahnmuseum Locorama Romanshorn kommt beides zusammen. Bild: Roland Parigger/Verein Locorama

Aktionen locken zusätzlich

Einige Museen führen am Sonntag besondere Führungen durch, wie zum Beispiel das Kutschenmuseum in Amriswil, das Saurer- und das Mosterei-Museum MoMö in Arbon oder das Museum am Hafen Romanshorn. Im Locorama gibt es unter anderem Bahnhofsrundfahrten. Das Ortmuseum Amriswil lädt zu einem Vortrag über den Sozialbetrieb ABA. Im Bohlenständerhaus in Amriswil sind ein Tüchelbohrer und ein Seiler zu Gast. 

Im Schulmuseum Thurgau in Amriswil können Mutter- und Vatertagsgeschenke gebastelt werden: «Wir sind ohnehin ein Museum, in dem man viel ausprobieren kann», sagt Yvonne Joos, «aber weil wir zum Museumstag meist mehr Besuchende haben, organisieren wir eben auch mehr Ansprechpersonen, die die Exponate erklären. Und natürlich haben wir unsere Öffnungszeiten angepasst. Statt wie sonst nur am Nachmittag haben wir schon ab 10 Uhr geöffnet.» 

Nachfolge gesichert

Nach fünf Jahren organisiert Peter Gubser dieses Jahr zum letzten Mal den Museumstag. «Es macht viel Arbeit. Ich habe von der ersten Idee, über die Finanzierungsgesuche, die Plakate und die Abrechnung alles gemacht. Als ich ankündigte, ich würde aufhören, dachte ich erst, der Museumstag würde sterben, aber im Februar haben sich mit Yvonne Stütz vom Autobau und Werner Fritschi, dem Präsidenten des Locorama, doch Nachfolger gefunden. Sie werden wohl mehr Hilfe einfordern als ich es getan habe.» 

 

Kraftprotz: Die Autobau Erlebniswelt Romanshorn feiert das Automobil als Wunder des Designs und der Technik. Bild: autobau Erlebniswelt

Es gibt auch Kunst:  «Bild und Skulptur im Dialog»

Nicht Teil des Museumstags, aber vielleicht trotzdem einen Abstecher wert, ist die Ausstellung «Bild und Skulptur im Dialog» am Samstag und Sonntag, 2. und 3. Mai, jeweils von 11 bis 16 Uhr im Kappeli in Arbon.  Auf halben Weg zwischen Saurer und dem historischen Museum im Schloss könnte man in der Kapellgasse 1 vorbeischauen, wo die Kuratorin Diana Rausch Werke von Karin Wetter und Sandra Giger in einen Dialog bringt. Von 13.30 bis 14.00 Uhr geben die Künstlerinnen Einblick in ihr Schaffen und ihre Arbeitsweisen.

Hier gibt es ganze Programm im PDF-Flyer: (Obertg. Museumstag 2026 Flyer.pdf)

 

 

 

Kommentare werden geladen...

Kommt vor in diesen Ressorts

  • Wissen

Kommt vor in diesen Interessen

  • Vorschau
  • Archäologie
  • Familien
  • Natur
  • Technik

Werbung

Literaturwettbewerb «Das zweite Buch» 2026

Die Marianne und Curt Dienemann Stiftung Luzern schreibt zum achten Mal den Dienemann-Literaturpreis für deutschsprachige Autorinnen und Autoren in der Schweiz aus. Eingabefrist: 15. Juni 2026

Dazugehörende Veranstaltungen

Wissen

Oberthurgauer Museumstag

Romanshorn, Museen in Amriswil

Kulturplatz-Einträge

Kulturorte, Veranstaltende

autobau erlebniswelt

8590 Romanshorn

Kulturorte

Bohlenständerhaus Amriswil-Schrofen

8580 Amriswil

Kulturorte, Veranstaltende

Locorama

8590 Romanshorn

Ähnliche Beiträge

Wissen

Millionenprojekt für Vermittlung: Seemuseum hofft auf Bewilligung

Ein Steg in den Bodensee, eine erneuerte Ausstellung und mehr Geld: Das Seemuseum Kreuzlingen steht vor richtungsweisenden Entscheiden – doch vieles hängt an Bewilligungen und Finanzierung. mehr

Wissen

Jahrtausende im Schlick: Pfahlbauer-Axt aus Steckborner Hafen geborgen

Eine Baggeraktion im Steckborner Hafenbecken hat einen archäologischen Schatz ans Licht gebracht: eine fast vollständige Steinzeitaxt, die rund 4800 Jahre im Seegrund überdauert hat. mehr

Wissen

Veränderte Landschaften

Wie sah die Bodenseeregion aus, als Napoleon III. 1865 seine Jugendheimat besuchte? Historische Fotografien geben in einer neuen Ausstellung im Napoleonmuseum Arenenberg überraschende Antworten. mehr