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von Brigitta Hochuli, 30.08.2011

Heiss

Heiss
Einige wenige der kreativsten Köpfe des Kantons Thurgau in der Pfyner Trotte. Ganz links zu sehen Kurt Schmid. | © Brigitta Hochuli

Brigitta Hochuli

Claudia Rüegg, die Präsidentin der Kulturstiftung des Kantons Thurgau, schlägt an der Debatte N⁰ 5 in der Hauptstadt Pfyn eine Beteiligung der Thurgauer Kunstschaffenden an der Expo 2027 Ostschweiz-Bodensee vor – eine Idee übrigens, die auch Kulturpublizist Alex Bänninger schon geäussert hat.

„Völlig heiss“ findet den Vorschlag der Kreuzlinger Medienpädagoge Kurt Schmid und gibt zu bedenken, dass es um die Behauptung des eigenen Thurgauer Standpunkts gehen müsste. „Aber wenn es eine Idee gibt, wieso nicht?“

Es gebe Ideen, die schlummerten, sagt Claudia Rüegg. Was sie aber wunder nähme, sei der dynamische Prozess, der in Gang kommen könnte. Die Präsidentin interessiert im Moment weniger der Inhalt als vielmehr die Aktion.

Da kommt einer ins Schwärmen: Der Appenzeller Klaus Hersche, Stiftungsbeauftragter, hat im Thurgau fantastische kreative Leute ausgemacht, Köpfe zudem, die nicht politisch vereinnahmt seien. Die wünscht sich Hersche an einen Tisch, empfohlen von den 22, die brav um ihn herum in der Trotte sitzen. Man stelle sich vor: 1000 Köpfe springen an auf die Idee, dann ist es nicht nur um die Idee als solche geschehen, es könnte auch tatsächlich heiss werden.

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Kreative Köpfe bitte melden bei: klaus.hersche@kulturstiftung.ch

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10 Kommentare

Otto J. Bauer | 01.09.2011, 15.14 Uhr
Grüezi Zäme
Ich freue mich sehr auf die EXPO 2027 am Bodensee und hoffe sehr, dass die Kulturschaffenden etwas NACHHATLIGES für die Bewohner der grösseren Seeregion schaffen. Leider ist diesbezüglich ausser viel Lärm von der letzten EXPO nichts zurückgeblieben.
Beschti Grüess
Otto J. Bauer, Romishorn


pius kessler | 01.09.2011, 18.28 Uhr
Ein paar Gedanken dazu hören: http://www.drs.ch/www/de/drs/nachrichten/regional/ostschweiz/227414.expo-ostschweiz-2027-kreativ-andenken.html
Pius Kessler
Redaktor Schweizer Radio DRS, Regionalredaktion Ostschweiz


zora debrunner | 01.09.2011, 20.15 Uhr
2027 bin ich 50, entweder zu verblasst für die hehre kunst, zu faltig oder vielleicht sogar zu unschuldig? eine expo 2027 am bodensee wäre traumhaft. die bilder von den drei seen sind zumindest in meinem (noch nicht dementen) hirn nicht verblasst.


nggalai | 01.09.2011, 20.57 Uhr
Da kann man sicher etwas im Vorfeld aufgleisen, respektive an der Expo etwas präsentieren, das aufs jetzige JETZT Bezug nimmt. Also auf die Welt der frühen 201xer-Jahre. Aktuelle Stichworte wären vielleicht Bauaktivitäten, Migration (das meine ich nicht unbedingt international), Bodensee-Arena als Hort der Massenverblödung …
… und wie sich das dann 2013, 2018, 2026 weiterentwickelt.
Ich mein, vielleicht wird das 2027 total surreal wirken, was da beim Blitzkrieg der Chöre abging. Und wäre als Kontrast sicher interessant. Müsste aber jetzt eben: aufgegleist werden.
Auch wenn ich, noch viel mehr wie Zora, dann sehr, sehr schrumplig sein werde – darauf freuen kann ich mich schon heute. Also, auf die Expo. Auf die Lederhaut eher weniger.


pius kessler | 01.09.2011, 22.06 Uhr
Ich stelle den antrag heute:
die Expo 2027 muss schon heute garantieren, dass es dann – wie heute (jahr 2011) üblich – verbilligten AHV-eintritt gibt.
Eine solche garantie wäre zum heutigen zeitpunkt einmalig: denn alle anderen ahv- und renten- und pensionskassen-versprechen sind heute nicht mehr garantiert.
und eine letzte bitte: expo2027 – nur real nicht virtuell.


Verena Herzog | 02.09.2011, 00.10 Uhr
Das Gütesiegel, die Einmaligkeit, hat die Ostschweiz schon vor langer Zeit erhalten. Sogar Adelshäuser wussten, wo es am schönsten ist in Europa. Aber die Ostschweiz heute ist selbst für viele Schweizerinnen und Schweizer eine noch zu wenig entdeckte Perle der Schweiz. Viele wissen nicht, dass der Bodensee der schönste See der Schweiz ist und welche kulturellen und traditionellen Schätze in der Ostschweiz verborgen sind. Eine Expo im Raum Bodensee-Ostschweiz soll der gesamten Region grosse und wertvolle Impulse hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung der Infrastruktur, der Wirtschaft und kultureller Aktivitäten bringen. Sie soll wie ein “Leuchtturm” das Bild der Ostschweiz positiv und nachhaltig nach innen und aussen ausstrahlen. Wagen wir gemeinsam mit der Jugend, der 2027 aktiven Generation, Visionen. Verbreiten wir den Expovirus! Nur wenn er von vielen, von “Tausenden Köpfen” aufgenommen, getragen und entwickelt wird, erreichen wir das Ziel.


Daniel Badraun | 06.09.2011, 16.45 Uhr
Erinnern Sie sich noch an die Euphorie, die Pipilotti Rist in den 90ern anlässlich der Expoplanung unter den Kulturschaffenden auslöste? Endlich gab es ein Projekt, das von der Kunst geprägt war. Es war ein (zu) grosser Anspruch, an dem sowohl Rist wie auch Heller gescheitert sind. Schlussendlich mussten die Macher um Franz Steinegger den Karren aus dem Dreck ziehen, das Budget und die Projekte wurden zusammengestrichen, um die Expo zu retten. Trotz der teilweise langen Wartezeiten auf den Arteplages waren viele der 10 Millionen Besucher zufrieden mit der Ausstellung.
Wenn wir aber ehrlich sind, so ist in der Region Dreiseenland nicht sehr viel zurückgeblieben, es gab kaum einen wirtschaftlichen Aufschwung. Nur wenige Kulturschaffende (meist nationale Schwergewichte) konnten sich in Szene setzen. Wenn wir also der Expo 2027 entgegenfiebern, sollten wir unsere Erwartungen auf eine realistische Ebene stellen. Es wird ein Spektakel geben, die Veranstaltungsorte werden während der Schau wohl überrannt, Nachhaltigkeit darf keine erwartet werden, sicher aber ein grandioses Fest.
Der Fall von Pipilotti Rist zeigt, dass sich Kunstschaffende nur bedingt als Speerspitze für einen solchen Event eignen. Allenfalls werden einige Brosamen für die regionale Kultur abfallen, mehr wohl nicht.


Alex Bänninger | 06.09.2011, 21.56 Uhr
Kulis in der KulThurbetrachtung 11 skizzierte Expo-Idee finde ich überzeugend schön. Sie gehört auf die Liste der weiter zu entwickelnden Vorschläge. Nicht ein Potemkinsches Dorf soll nach den Regeln des Eventmarketings aufgebaut, sondern die natürliche Arena des Bodensees einladend hergerichtet werden. Damit die Besucherinnen und Besucher nicht über “die” herausgeputzte Ostschweiz staunen müssen, sondern sich selber in der Ostschweiz begegnen können. Wer zur Expo fährt, reist zu sich. Die Grossartigkeit des Sees erleichtert es, ehrlich in den eigenen Spiegel zu schauen und dabei überraschend Faszinierendes zu entdecken. Das wäre nachhaltig. Ein höchst innovativer Ansatz!
***
Kulis Ansatz
Ute Klein | 08.09.2011, 11.43 Uhr
Wer an die Expo reist, der wird reisen, fragt sich auch womit.
Ich würde mir wünschen, dass die Ostschweiz die Verbindungen untereinander (auf allen Ebenen, aber auch ganz konkret) verbessert, dass die Begegnungen mit sich selbst, mit der Landschaft, mit Technik, Kunst, Kultur und Menschen sich in den Verbindungen, im Reisen ereignen können.
Die Ostschweiz könnte sich bahninfrastrukturmässig erneuern (vielleicht auch Stillgelegtes neudefinieren) und neu entdecken. Zusammen mit den Bereichen um Seestege, Wander- und Velowege entstünde so eine Expospielraum inmitten des Alltags, wo sich das Neue, Alte und Andere, Kunst und Virtuelles direkt einmischen könnten. So, dass dann nicht nur innovatives Rollmaterial aus dem Thurgau kommt, sondern ein Zug zu Kultur, “ein Kulturzug” vom Osten das Land erfasst.


Hanspeter Schär | 08.09.2011, 14.48 Uhr
Bravo Kuli!
So überzeugend und spontan hat mich noch selten eine Idee begeistert, wie diejenige vom Bodenseesteg aus Anlass der EXPO 2027. Er müsste ja nicht gerade den ganzen See umrunden, von Stein am Rhein bis Rorschach wäre auch schon ganz eindrücklich. Auch die Begründung finde ich einleuchtend und sehr bedenkenswert. Herzliche Gratulation an den Ideengeber und in froher Erwartung auf die innovative Weiterentwicklung dieser Superidee.

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