Seite vorlesen

von Brigitta Hochuli, 09.02.2011

Drei Fragen an...

Drei Fragen an...
Go West: Rauminstallation 2011 Äpfel, Holz, Glas, Honig, Fotos, Kinder Go-Kart, Decke, Plastik, Draht Mit Seife und Gabeln. Eine Ausstellung zum Glück. Kunstraum Kreuzlingen 16.1. - 27.2. 2011. | © ga

... die Zürcher Regisseurin und Performerin Sandra Knecht zur Umwandlung des Kreuzlinger Kunstraums in eine SCHNAPSEREI.

Brigitta Hochuli

„Mit Seife und Gabel“ heisst die aktuelle Ausstellung im Kunstraum Kreuzlingen. Die Apfel-Installation von Sandra Knecht verwandelt das Haus olfaktorisch in eine Schnapserei. Ein schlechtes Gewissen hat die Künstlerin deswegen nicht.

***

Frau Knecht, wie lange, dachten Sie bei der Installation ihres Werks Anfang Januar, würde es gehen, bis die Gläserkaskade unter der Apfeldecke ins Rutschen käme? Schliesslich ist es feucht im Tiefparterre des Kunstraums, was das Faulen begünstigt.

Sandra Knecht: Der Gläserturm ist ein klassischer Champagnerkelchturm, wie er für festliche Anlässe gebaut wird. Rutschen kann er nicht von selbst, die obersten Gläser sind bis über den Rand gefüllt mit Honig. Ich rechne jedoch damit, dass faulige Äpfel darauf fallen und der Turm in sich zusammen stürzt. Wann das sein wird oder sein könnte, bestimmen die Umstände.

Hat es für Sie eine künstlerische, übersinnliche, ästhetische Bedeutung, dass das Apfeldach so lange hält? Oder haben Sie es wie die Gläser speziell präpariert?

Sandra Knecht: Der Keller bietet fast ideale Bedingungen für das Lagern der Früchte. Durch das Perforieren der Äpfel mittels Draht wurde durch die Verletzung des Apfels der Faulungsprozess beschleunigt. Dazu kommt, dass es drei verschiedene Sorten sind, was das Faulungsverhalten mit beeinflusst. Da ich organische Materialien benutze, ist es sehr schwer zu sagen, was passieren wird mit der Apfeldecke. Es ist auch ein Experiment.

Im Haus riecht es nun wie in einer Schnapserei. Kein schlechtes Gewissen?

Sandra Knecht: Ich werte bei einem Werk inhaltliche und formale Überlegungen mehr als alles andere. Damit auch Befindlichkeiten von mir oder anderen Menschen. Am 27. Februar ist der Spuk ja sowieso vorbei und es kann wieder tief durchgeatmet werden.

*****

Go West

Rauminstallation 2011 Äpfel, Holz, Glas, Honig, Fotos, Kinder Go-Kart, Decke, Plastik, Draht. Mit Seife und Gabeln. Eine Ausstellung zum Glück. Kunstraum Kreuzlingen 16.1. - 27.2. 2011: Ich arbeitete mit den Begriffen Erwartung, Erkenntnis, Versprechen und Erlösung. Die Aussicht auf Erlösung wird in dem Ikonenbild sichtbar und auch in den Äpfeln. Aber was ist Erlösung? Ist es das Glück? Das weiß man ja nie so genau. Im Paradies war es die Erkenntnis, und nicht die Lust am Apfel, die Eva zur Sünde verführte. Die Erwartung zeigt sich in den Champagnergläsern, die pyramidenförmig aufgetürmt sind, die obersten Gläser bis über den Rand gefüllt mit Honig. Das Gokart als Versprechen, mit Federn und Swarovski-Steinen geschmückt.
Sandra Knecht

Werbung

Ähnliche Beiträge

Kunst

„Die Leidenschaft für Kunst verbindet uns!“

Miteinander statt gegeneinander: Der Kunstverein Frauenfeld zeigt, wie wertvoll es ist, wenn Jung und Alt zusammenarbeiten. Ein Gespräch über Generationenklischees, Wandel und die Kunst des Ehrenamts. mehr

Kunst

„Gute Vernetzung ist wichtig”

Im Februar übernimmt Martina Venanzoni die kuratorische Leitung der Kunsthalle Arbon. Mit welchen Ideen kommt sie ans Bodenseeufer? Ein Gespräch über Chancen und Herausforderungen in der Kunsthalle. mehr

Kunst

Raus aus der Gediegenheit

Seit vier Monaten ist Peter Stohler Direktor des Kunstmuseum Thurgau. Wie will er das Museum verändern? Ein Gespräch über neue Ideen und alte Hoffnungen. mehr