von Brigitta Hochuli, 07.01.2014
DREI FRAGEN AN...

... ANDREA GERSTER, Autorin des Theaterstücks „Der Zwerg in mir“, das ab 21. Februar vom See-Burgtheater gespielt wird.
Brigitta Hochuli
Ursprünglich hatte die Thurgauer Autorin Andrea Gerster aus dem Stoff „Der Zwerg in mir“ als Kurzgeschichte gedacht, aber dann habe sich ziemlich schnell ein Stück daraus entwickelt, das sie dem See-Brugtheater-Leiter Leopold Huber angeboten habe, sagt sie auf Anfrage. Kennengelernt haben sich die beiden an der Verleihung der Förderbeiträge des Kantons Thurgau, die sie beide im Jahr 2011 erhalten haben.
*
Frau Gerster, wie fühlt sich ein selbst geschriebener Text auf der Bühne an?
Andrea Gerster: Zwei andere Stücke von mir wurden in Theatern in Zürich und in Liechtenstein szenisch präsentiert. Beide Male hatte ich das Glück, dass die Figuren und die Geschichte meine blieben, also die Regisseure den Text ähnlich empfanden wie ich. Ich arbeite seit einiger Zeit mit Leopold Huber zusammen und bin überzeugt, dass das Stück genauso kommt, wie ich es mir vorstelle, wenn nicht besser.
Welche sind denn die spezifischen Eigenschaften Ihres Textes für die Spielbarkeit?
Andrea Gerster: Der Text lässt Spiel- und Denkraum zu, die Dialoge sind kurz und knapp. Das Thema ist kein einfaches, wird aber durch Sprachwitz und Musik aufgelockert.
Was bedeutet schliesslich der "Zwerg"? Woher kommt diese Metapher?
Andrea Gerster: Die Hauptperson Jelka ist eine junge Frau, die Schlimmes erlebt hat. Wenn sie darüber reden will, wird sie missverstanden. Sie denkt sich einen Zwerg in ihren Bauch. Er hört ihr zu, und sie ist nicht mehr allein. Das gibt ihr die Kraft, ihren Lebenstraum zu verwirklichen.
***
Die Geschichte
Eine junge Frau erlebt Krieg in Jugoslawien. Flieht in die Schweiz. Wird vergewaltigt. Und dabei schwanger. Verliert ihren Job. Hat eine Totgeburt. Seitdem ist sie überzeugt, dass sie einen Zwerg im Bauch hat. Zwerg Niemand. Er nimmt ihre Sorgen und Ängste auf. So fängt sie sich wieder und verwirklicht ihren Traum, nämlich Schauspielerin und Sängerin zu werden. Aber der Zwerg wächst... Jelkas Geschichte ist nicht die eines Opfers, es ist die einer Kämpferin. Die Aufarbeitung ihres Schicksals ersetzt sie durch die Fixierung auf das Erreichen ihres Lebenstraumes: Schauspielerin sein.

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