von Brigitta Hochuli, 07.07.2013
Dr. Faust macht Station in Weinfelden

Noch probt er, macht mit seiner Entourage Halt im Theaterhaus, im Keller des „Trauben“, am Brunnen vor dem Rathaus, vor dem „Eigenhof“. Aber am 17. August haben Theagovia und Friedheimer Spatzen Premiere. Dann heisst es mit Goethe: „Habe nun, ach...“. Ja, was?
Brigitta Hochuli
Es ist heiss am Samstagnachmittag vor den grossen Schul- und Theaterferien. Weinfelden ist etwas ausgestorben. Doch im Theaterhaus Thurgau geht die Post ab. Zum ersten Mal sehen die Mitglieder der Band Friedheimer Spatzen im Saal, wie sich das Stück, das sie musikalisch begleiten, einmal anfühlen wird. Sie sind mucksmäuschenstill, als Schauspieler Hans Gysi den Beginn von Goethes Faust probt und erfindet. „Habe nun, ach...“ diktiert er ins Handy und hackt das Erdichtete ins MacBook.
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Dann treten drei Mephistos auf. Brigitte Krauss, Christoph Ullmann und Peter Wenk bezirzen und entführen den geistig Frustrierten in Auerbachs Hexenkeller. Dort, im Weinfelder „Trauben“, rocken die Spatzen unter Leitung von Lukas Gallati und Mara Lüthi-Fröschlin und bringen Schwung in die Beine des immer lüsterner werdenden Faust. Nun scheint er bereit für die Liebe. Am Rathausbrunnen lernt er Gretchen (Evelyne Kübler) kennen, das ihm eine Abfuhr erteilt. „Bin weder Fräulein, weder schön“, beschert es ihm, „kann ungeleitet kann nach Hause gehn“.

Weiter zieht die Truppe, die Zuschauer im Schlepptau, zum „Eigenhof“. Dort stockt nach diesen starken Szenen der Regisseurin Marie Luise Hinterberger der Ablauf der Probe. Erst muss der Schlüssel für Gretchens Kämmerlein gefunden werden. Doch dann erklingt aus dem Off Franziska Bollis Stimme und das Lied von der Buhle. An einem Fenster vergnügt sich lasziv die Nachbarin (Christine Steiger) mit Mephisto, Gretchen schüttelt vom Balkon publikumswirksam eine Decke aus, dann bekommt es endlich weiche Knie.
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Dr. Faust ist jetzt geschafft. Das Spiel mache Spass, sei aber streng, und es gebe noch viel zu arbeiten, sagt Hans Gysi auf dem Rückweg zum Ausgangsspielort beim Bahnhof. Dort haben auch die Mitläufer dieses Stationentheaters eine Pause verdient. Sie würden während der Spielzeit vor der Schlussszene Verpflegung kaufen können, sagt Produktionsleiterin Ambrosia Weisser. Das werden sie brauchen können sowie Zeit, sich über Faust und die Geister, die er rief, zu unterhalten. Denn die Tragödie, wie sie Peter Wenk zusammen mit der Regisseurin bearbeitet hat, wird in ihrer Weinfelder Fassung bestimmt zu reden geben.
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„Habe nun, ach… Faust in Weinfelden“, Premiere Theaterhaus Thurgau Weinfelden, Samstag 17. August

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