von Inka Grabowsky, 12.02.2020
Dinge, über die wir nie sprechen

In Zürich findet Mitte Februar zum ersten Mal das Jugendtheaterfestival „Grätsche“ statt. Mit dabei ist auch die Freie Bühne Thurgau, die Sara Webers Stück „Secrets you would never tell“ präsentiert.
Sara Weber aus Steckborn liebt das Theater. Seit sechs Jahren spielt sie beim „Jungen Theater Thurgau“. Im Herbst hat sie für ihre Maturaarbeit an der PMS Kreuzlingen ihr erstes Stück geschrieben und mit ihrer eigenen Truppe „Freie Bühne Thurgau“ aufgeführt. Wie die Lehrer ihre Arbeit bewerten, weiss sie noch nicht. Das Publikum aber hat den praktischen Teil bei den beiden Vorstellungen im Eisenwerk in Frauenfeld begeistert aufgenommen.
„In Secrets you would never tell“ geht es um Probleme, die viele Jugendliche haben: Essstörungen, sexueller Missbrauch, Konflikte mit überbesorgten Eltern, zu hohe Erwartungen, Isolation und mangelndes Selbstbewusstsein. „Wir zeigen, dass es hilft, mit Freunden über seine Sorgen zu reden“, beschreibt die junge Autorin und Regisseurin.

Ein eingespieltes Team
Die Freie Bühne Thurgau hat Sara Weber gemeinsam mit Eric Scherrer, Aleena Krähemann, Corine Fischer, Sarina Hess, Jane Demeulemeester, Lily Demeulemeester und Alena Weber gegründet. Alle sind langjährige Mitstreiter im „Jungen Theater“. „Das Angebot vom Eisenwerk richtet sich explizit an Zwölf- bis Zwanzigjährige“, so Sara. „Einige unserer Gruppe überschreiten langsam die Altersgrenze, wollen deshalb aber nicht mit dem Spielen aufhören.“
Da sie gleichzeitig ihre Maturaarbeit ihrer Leidenschaft widmen wollte, trafen sich zwei Bedürfnisse. Das Eisenwerk stellte dafür weiter einen Probenraum und die Bühne zur Verfügung. Nun ist bereits das nächste Projekt angedacht. Aleena Krähemann will ihrerseits eine Maturaarbeit zu Kostümbildnerei machen. Die freie Bühne Thurgau bleibt dem Publikum also bis auf Weiteres erhalten. „Einige sind demnächst fertig mit der Schule. Mal sehen, wohin es uns dann verschlägt.“
Arbeit vor und hinter den Kulissen
Beim neuen Stück wird Sara Weber wieder selbst auf der Bühne stehen. In „Secrets you would never tell“ ist sie für Produktionsleitung, Regie und die Bühnenmusik zuständig. „Es ist auch schön, die Leitung zu übernehmen“, sagt sie. Sie überlege sogar, nach der Matura und einem Praktikum bei einer professionellen Schauspieltruppe Theaterpädagogik zu studieren.
„Natürlich gab es gelegentlich Komplikationen, aber wir sind Freunde und konnten das Projekt auf Augenhöhe diskutieren.“ Ein Jahr hatte sie in das Stück investiert. Das Schreiben der Texte habe noch am wenigsten Mühe gemacht: „Einiges entstand durch Improvisationen bei den Proben. Ich musste es dann nur in Form bringen. Die Organisation braucht dagegen mehr Zeit.“

Austausch und Vernetzung
Die Jugendlichen hatten als Teil des „Jungen Theaters“ schon ein paar Mal an Spiilplätz teilgenommen, bei dem sich alle zwei Jahre Schweizer Tanz- und Theaterjugendclubs von freien Bühnen und institutionellen Theatern treffen. Mit der Produktion „Annas Briefe“ waren sie 2017 sogar bereits im aktuellen Spielort Dynamo
„Die Treffen haben uns mega gefallen. Man sieht sich drei oder vier andere Gruppen pro Tag an und zeigt selbst etwas. Dann bin ich auf das neue Festival Grätsche gestossen, und weil wir schon so viel Arbeit in unser Stück gesteckt hatten, habe ich uns angemeldet – natürlich erst, nachdem ich die anderen gefragt hatte.“
Drei Tage volles Programm
Das Grätsche-Festival im Zürcher Jugendkulturhaus Dynamo soll der Auftakt einer Reihe werden, die alternierend zum etablierten Treffen Spiilplätz stattfindet. Initiiert wurde es von Aktiven aus drei Zürcher Theatervereinen. Vom 14. bis 16. Februar spielen 13 Theatergruppen, die alle selbstorganisiert sind – also keinen Bezug zu institutionellen Bühnen haben.
Das Programm ist nicht kuratiert. Jeder durfte sich anmelden, solange zwei Drittel des Teams im Alter zwischen 16 und 29 sind. Das fünfzigminütige „Secrets you would never tell“ läuft am Samstag um 18 Uhr und am Sonntag um 17.45 Uhr. Tagespässe ab 40 Franken (ermässigt 25) gibt es hier.

Von Inka Grabowsky
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