von Brigitta Hochuli, 23.11.2011
Die Jungen kommen

Brigitta Hochuli
Eine 24-Jährige erhält den Kulturpreis des Kantons Thurgau, ein junger Schauspieler erfindet mit der Theaterwerkstatt Gleis 5 in Frauenfeld eine neue Form, junge Frauen arbeiten aktiv an den Programmen der Genossenschaft Frohsinn und der Theater- und Konzert-Gesellschaft Mittelthurgau in Weinfelden mit, ein junger Reporter schreibt ein Buch über die alten “Yello” – und es wird erst noch auf Russisch übersetzt. Studentinnen und Studenten, Schülerinnen und Schüler des Campus Kreuzlingen könnten im Schiesser-Areal eine kulturelle Plattform finden, das Bodman-Haus in Gottlieben soll eine Literaturstätte auch für Junge werden.
Derweil wird auf unserer Facebook-Seite die Frage gestellt, ob eine Kulturpreisträgerin, die, zwar begabt, aber am Anfang ihres Schaffens stehe, dem Sinn der Auszeichnung gerecht werde. Ich habe darüber nachgedacht. Es mag für eine Slam-Poetin schlagendere Formen der heimischen Anerkennung geben. Aber ich freue mich, dass jetzt die Jungen kommen. Und Sie?
***
5 Kommentare
zora debrunner | 24.11.2011, 07.18 Uhr
Ich freue mich, dass jemand meiner Generation einen solchen Preis bekommt. Es ist Anerkennung für ihre Kunst. Manchmal scheint mir, der Kunstbetrieb verteilt seine Preise unter seinesgleichen (alt bis älter) und Junge dürfen sich erst mal 30 Jahre lang bewähren. Dass ausgerechnet der etwas konservative Thurgau derart zukunftsorientiert daher kommt, freut mich und macht mich stolz.
Daniel Badraun | 25.11.2011, 17.02 Uhr
Die Jungen kommen! Wunderbar! Natürlich darf eine Künstlerin wie Lara Stoll froh sein, wenn sie bereits in jungen Jahren einen Preis erhält. Die Förderer müssen nicht unbedingt warten, bis die Geförderten mit dem Rollator an die Feier kommen.
Aber!
Für mich ist ein Kulturpreis die Anerkennung für längeres, kontinuierliches Schaffen. Junge und Wilde sollte man meiner Meinung nach mit Förderpreisen nach Rom, New York, Delhi oder Timbuktu schicken, damit sie ihr Potential weiter ausloten können. Kantonale Kulturpreise sind eher für gesetztere Herrschaften, die den Preis aber immer noch gut gebrauchen können.
Die Gefahr eines frühen Preises ist (man sieht es leider bei Obama mit dem Friedensnobelpreis), dass man krampfhaft versucht, sich des Preises würdig zu erweisen.
Darum wünsche ich dir, liebe Lara, dass du weiterhin mit Bocksprüngen durch die Kunst eilst, und die Förderer mit deinen Texten gehörig und respektlos ärgerst!
Katharina Alder | 25.11.2011, 20.22 Uhr
Dem Sinn einer Auszeichnung gerecht werden… das klingt nach harter Arbeit für Lara Stoll und nach einer etwas seltsamen Frage seitens des Facebook-Users. Lara Stoll hat einen Kulturpreis gekriegt, der jedes Jahr an einen Künstler vergeben wird, es ist keine Ehrung für das Lebenswerk. Daher sehe ich keinen Grund, warum sie nicht geehrt werden sollte. Sie war in letzter Zeit enorm präsent, engagiert und hat dazu tolle Texte geschrieben. Menschen wir Georg Büchner oder auch Mozart zeigen, dass man nicht erst 50 werden muss, um Grossartiges leisten zu können. Wobei wir nun auf der Ebene der absurden Vergleiche angekommen wären. Nundenn, zum Jungsein kann ich soviel sagen, dass ich mich sehr freue, dass es anscheinend einige junge Kulturinteressierte gibt, die einen Nachwuchs im Thurgau bilden. Für mich heisst aber, “die Jungen kommen” nicht zeitgleich auch, dass die Alten ausgedient haben, im Gegenteil. Ich spüre die Tendenz – und hoffe, dass aus dieser mehr werden wird -, dass vermehrt ein Bedürfnis nach Austausch aufkommt. Das ist meine Hoffnung bezüglich der künftigen Kulturlandschaft im Thurgau: ein künstlerischer Austausch, eine Plattform für Dialoge und Ideen.
orlando vom andern stern | 29.11.2011, 00.54 Uhr
die jungen waren schon immer da, nur bekamen diese nicht immer die aufmerksamkeit der üblichen elitären verstaubten kunstkritikergilde, respektive der thurgauer kulturbeauftragten mit anstellung auf lebenszeit (frisches blut tut gut finde ich, wäre auch hier angebracht…) so einfach ist das.
Brenda Mäder | 30.11.2011, 11.19 Uhr
Interessante Diskussion – ich bin auch der Meinung, dass “die Jungen kommen” überhaupt nicht heisst: “die Alten müssen gehen!”… Ich freue mich jedenfalls für Lara Stoll! Ihr zuzuhören ist eine echte Freude und ich traue ihr völlig zu, dass sie trotz eines “frühen” Preises sich selbst bleibt und wir uns auf weitere freche Texte freuen können.

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