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von Brigitta Hochuli, 12.04.2015

„Denkfabrik denkt nicht nur Neues“

„Denkfabrik denkt nicht nur Neues“
Matthias Mölleney, neuer Präsident des Think Tank Thurgau | © pd

Matthias Mölleney, VR-Präsident der Bodensee-Arena und Hochschulrat PHTG, ist neuer Präsident des Think Tank Thurgau (TTT). Er könne sich vorstellen, auch an bisherige Projekte anzuknüpfen und habe bezüglich Kultur ausbaufähige Grundkenntnisse, sagt er im Interview.

Brigitta Hochuli

Herr Mölleney, die Hälfte der abgeschlossenen Projekte des TTT waren kulturelle Vorstösse. Bis heute wirkt zum Beispiel der Kulturfahrplan aus dem Jahr 2004 in den Köpfen der Thurgauer Kulturszene nach. Wie beurteilen Sie das bisher Angedachte?

Matthias Mölleney: Das kann ich heute noch nicht konkret genug beantworten. Ich bin ja erst seit zwei Wochen im Amt. Was wir aber im Stiftungsrat bereits besprochen haben, ist, dass wir uns ein bisschen stärker auf unsere Zielgruppe, die Bevölkerung des Kantons Thurgau fokussieren wollen.

Wäre die Wiederaufnahme eines der bisherigen Projekte denkbar? Zum Beispiel schlug eine Studie im Jahr 2007 vor, die kantonale Kulturförderung neu zu strukturieren.

Matthias Mölleney: Ja, natürlich ist das denkbar. Auch eine Denkfabrik denkt ja nicht immer nur Neues, sondern auch bereits Bewährtes und versucht, das weiterzuentwickeln.

Sie sind heute Verwaltungsratspräsident der Kreuzlinger Bodensee-Arena und kommen beruflich ursprünglich aus dem Bereich des Personal-Managements, mithin aus der Wirtschaft. Blicken Sie in der doch recht vielschichtig organisierten Thurgauer Kulturförderung durch Kulturstiftung, Amt, Regierung, Kommission, Lotteriefonds und regionale Kulturpools überhaupt schon durch?

Matthias Mölleney: Ich bin ja dem Kanton Thurgau nicht nur durch mein Amt in der Bodensee-Arena verbunden, sondern ich bin auch seit seiner Gründung Mitglied des Hochschulrats der PH Thurgau. Anzunehmen, dass ich überall den Durchblick habe, wäre natürlich vermessen, aber ich denke, ich habe ausbaufähige Grundkenntnisse.

Sie erwähnen den Hochschulrat der PH Thurgau. Können Sie sich vorstellen, Ihr dortiges Netzwerk als Präsident des TTT zum Beispiel im Zusammenhang mit dem geplanten Kulturzentrum in Kreuzlingen zu nutzen? Das Projekt scheint ja zurzeit in einer Schublade abgelegt zu sein und bräuchte wohl einen Impuls.

Matthias Mölleney: Klar, im Kulturzentrum sollen ja auch die Bildungsinstitutionen der Stadt mitwirken, und die PH arbeitet schon heute mit dem Kunstraum im Schiesser Areal zusammen. Das ist eine ganz tolle, ausbaufähige Perspektive!

Wo sehen Sie für den TTT neues kulturelles Denk-Potenzial? Oder wird Ihr beruflicher Hintergrund künftige Strategien prägen?

Matthias Mölleney: Ich möchte weder mit meinem persönlichen Hintergrund noch mit meiner Rolle als Präsident des Stiftungsrats irgendwelche Denkvorgaben machen. Lieber ist mir, Dinge und Themen aufzugreifen und sie weiterzuentwickeln. Ich bin ja zum Glück auch nicht alleine im Stiftungsrat.

In einem Interview mit der Thurgauer Zeitung sprechen Sie von der regionalen Wirtschaft und den KMU als wichtige Adressaten; das wurde auf Twitter kritisiert. Man brauche keine weitere liberale Wirtschaftsorganisation. Was sagen Sie dazu?

Matthias Mölleney: Die regionale Wirtschaft besteht überwiegend aus KMU und dort ist ein grosser Teil der Thurgauer Bevölkerung beschäftigt. Insofern sind die KMU ein wichtiger, aber ganz sicher nicht der einzige Stakeholder des TTT. Die einzelne Kritik auf Twitter, übrigens die einzige negative Reaktion auf das TZ-Interview, bezieht sich auf eine Teilaussage, die aus dem Zusammenhang gerissen und dadurch ein bisschen falsch gewichtet wurde. Ich habe auf den Tweet geantwortet und ich denke, ich habe damit das Missverständnis aufklären können.

Ihr Vorgänger Toni Schönenberger hat immer wieder betont, dass der Think Tank naturgemäss Projekte zwar initiiere, aber nicht realisiere. Dieser praxisferne Stiftungszweck wurde in der Öffentlichkeit mitunter in Frage gestellt. Wird sich unter Ihrer Führung diesbezüglich etwas ändern?

Matthias Mölleney: Ich bin, wie gesagt, noch nicht lange im Amt, und der Strategieprozess hat gerade erst begonnen. Wir werden uns diesen Aspekt ganz sicher auch intensiv anschauen.

 

Neu im Stiftungsrat

Neu im Stiftungsrat sind ausser Stiftungsratspräsident Matthias Mölleney Thomas Merz (Prorektor an der Pädagogischen Hochschule Thurgau), Ann-Veruschka Jurisch (Geschäftsführerin der Ernst Schmidheiny Stiftung) und Roger Moser (Direktor des Asia Connect Center an der Universität St. Gallen). „Sie bringen sehr unterschiedliche, wertvolle Kenntnisse und Erfahrungen mit und tragen dazu bei, die Perspektiven des TTT noch mehr zu erweitern“, sagt Mölleney. (ho)

 

Abgeschlossene Projekte TTT

Kulturfahrplan TTT

Strategien Kulturförderung TTT

www.thinktankthurgau.ch

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