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Lesen oder lesen lassen?

Lesen oder lesen lassen?
Thomas Merz, Prorektor der PH Thurgau, erläutert die Idee des Lesefestival Kreuzlingen an einer Medienkonferenz. Ebenfalls auf dem Podium: Seraina Perini, Schulpräsidentin Kreuzlingen, Daniel Moos, Stadtrat Kreuzlingen und Caudia Thoma, Fachstelle für Kultur der Stadt Kreuzlingen. | © Lara de Pablo/PH Thurgau

Warum Lesen wichtig ist: Ein neues Festival in Kreuzlingen stellt ab 15. März die Kulturtechnik in den Mittelpunkt. Auch um ein Zeichen zu setzen in Zeiten unserer durchdigitalisierten Welt. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

Thomas Merz hält sich nicht lange mit Vorreden auf. Der Prorektor der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PHTG) geht direkt ins Volle. „Lesen ist zentral für unsere Demokratie. Ohne Informationen und die Fähigkeit, Informationen aufzunehmen, funktioniert Demokratie einfach nicht“, sagt Merz an einem Donnerstagmorgen während der Medienkonferenz zum neuen Lesefestival Kreuzlingen. Damit war der Ton für den weiteren Verlauf der Konferenz gesetzt. Merz und seine PHTG hatten die initiale Idee zu diesem neuen Festival. Das Ziel ist, Lesen als zentrale Kulturtechnik zu feiern. Quasi als Eingangstor, um an der Gesellschaft überhaupt teilhaben zu können.

Dafür hat sich die PHTG mit den Kreuzlinger Schulen und der Stadt Kreuzlingen zusammengeschlossen. Gemeinsam haben sie ein zweiwöchiges Programm auf die Beine gestellt, das Bücher und das Wissen aus Büchern aus den Regalen holt und in den öffentlichen Diskurs stellt. Zahlreiche Einrichtungen aus Bildung und Kultur beteiligen sich am ersten Kreuzlinger Lesefestival. Los geht es am Sonntag, 15. März, mit einer Lesung der Adolf-Dietrich-Förderpreisträgerin Lina Maria Sommer im Kunstraum Kreuzlingen (11 Uhr) sowie einem Saisonkonzert der Gesellschaft für Musik und Literatur (17 Uhr, Aula Pädagogische Maturitätsschule).

Viele Mitmach- und Erlebnisangebote im Programm

Beide Termine zeigen, wie wichtig den Veranstaltern der Blick über die einzelnen Disziplinen hinaus ist: Lina Maria Sommer schreibt nicht nur Gedichte, sie ist auch bildende Künstlerin. Und das Saisonkonzert der GML wird zwischen den Musikstücken auch Texte von Claude Debussy vorstellen. Die eigentliche Eröffnungsveranstaltung findet dann erst zwei Tage später, am Dienstag, 17. März, statt. Bei einer Podiumsdiskussion sprechen Gäste aus Literatur, Schule, Politik, Wissenschaft und Journalismus über die Bedeutung des Lesens. Beginn ist um 18.30 Uhr (Ort: PHTG, M-Gebäude, Raum M 107).

Neben klassischen Lesungen (unter anderem liest Brigitt Egli aus Texten von Rafik Schami am 19. März im Bodensee Planetarium) gibt es auch Mitmach- und Erlebnisangebote. Unter anderem kann man ein eigenes Hörspiel aufnehmen, sich als Synchronsprecher:in ausprobieren und bei einem sogenannten Story-Orientierungslauf Kreuzlingen auf einem Parcours erkunden. Unterwegs gilt es, Texte, Rätsel und Aufgaben zu lösen und so schliesslich das Lesen aktiv zu erleben (21. März, 9 bis 14 Uhr, Talent Campus Bodensee). Wer beim Story-OL teilnehmen will, sollte sich bis spätestens Sonntag, 15. März, anmelden. Das ist hier möglich.

Sofagespräch über Identität

Wer sich eher für soziale Aspekte unseres Zusammenlebens interessiert, sollte sich einen Termin am Freitag, 20. März, notieren. Ab 19.30 Uhr gibt es dann in der Offenen Jugendarbeit Kreuzlingen (Seestrasse 17) ein Sofagespräch über Identität und Aufwachsen mit internationaler Geschichte. Rita Arulkumaran liest dort aus ihrer Maturaarbeit, die 2023 den ersten Preis des Jugendwettbewerbs der Stiftung Think Tank Thurgau erhalten hat.

Video: Rita Arulkumaran über ihre Maturaarbeit

Ebenso beteiligt am Programm des Lesefestivals sind das Literaturhaus Thurgau und das Seemuseum Kreuzlingen mit einer gemeinsamen Veranstaltung (18. März) sowie die Kreuzlinger Performance-Künstlerin Micha Stuhlmann. „Zwischen Workshop, Schreibwerkstatt und Performance“, beschreibt Stuhlmann ihr Angebot unter dem Titel „Flüsterpost“ (18. März).

Schulpräsidentin Seraina Perini lobt das Programm

Für die Kreuzlinger Schulpräsidentin Seraina Perini liegt die Besonderheit des Festivals im Zusammenwirken aller Beteiligten: „Es gibt nicht viele Festivals, die eine Hochschule mit den Volksschulen in Kontakt bringen. Das Programm bringt Studierende sowie Schülerinnen und Schüler der Kreuzlinger Schulen aller Stufen zusammen. Auch für die Kindergärten gibt es Angebote. Das gefällt mir sehr an der ganzen Idee.“ Für Perini ist das Festival „Kulturvermittlung par excellence“.

Diese Vielzahl der Zielgruppen hebt auch der Kreuzlinger Stadtrat Daniel Moos hervor: „Es spricht Kinder, Studierende und Erwachsene gleichermassen an, damit zeigt sich unsere Stadt einmal mehr als Bildungs- und Kulturstandort“, sagte Moos an der Medienkonferenz. Das Festival leiste zudem einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung wichtiger Institutionen in der Stadt: „Wichtige Player kommen zusammen und bilden gemeinsam ein stadtweites Netzwerk. So fördert das Festival einerseits den Kooperationsgedanken, und gleichzeitig machen wir gemeinsam Kultur für alle zugänglich“, so Moos.

Wer verstehen will, muss schon selber lesen

Dass Lesen auch in Zeiten der Digitalisierung und unter dem Einfluss von Künstlicher Intelligenz wichtig bleibt, betonte Thomas Merz von der PHTG. „Wenn man nur von KI erstellte Zusammenfassungen von Büchern liest, dann lernt man nichts. Erst wenn man sich auch mal durch einen Text durchkämpfen musste, verändert das etwas in einem. Diese Arbeit kann KI einem nicht abnehmen“, so Merz. Die wichtigste App, die der Mensch besitzt, befinde sich noch immer zwischen seinen beiden Ohren.

Das ausführliche Programm des Lesefestivals gibt es hier.

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