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von Elke Reinauer, 14.10.2026

Wenn Musik hilft, ins Leben zurückzufinden

Wenn Musik hilft, ins Leben zurückzufinden
Nicole mit ihrer Band Henry: Nicole Johänntgen (Saxofon), Jon Ramm (trombone), Steven Glenn (sousaphone), Paul Thibodeaux (drums) Bild: Daniel Bernet. | © Daniel Bernet.

Die Saxofonistin Nicole Johänntgen hat nach dem Verlust ihres Kindes durch die Musik zurück ins Leben gefunden. Mit ihrer Band Henry spielt sie am 17. Oktober in Weinfelden ein Benefizkonzert zugunsten des Vereins Stärnechind. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

Das Konzert der Saxofonistin Nicole Johänntgen und ihrer Band Henry am 17. Oktober im Goldenen Dachs in Weinfelden steht unter einem besonderen Stern. Der Eintritt ist frei, die Kollekte geht an den Verein Stärnechind. 

Der Verein näht Kleidchen, Mützchen und Körbchen für Sternenkinder, also für Kinder, die während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz danach sterben. Das liegt Nicole Johänntgen sehr am Herzen, denn sie ist selbst Sternenmami. «Der Verein hat mir selbst sehr geholfen», sagt sie. «Ich habe mich entschieden, offen zu sagen, dass ich selbst Sternenmami bin.»

 

Nicole Johänntgen im Goldenen Dachs in Weinfelden. Bild: Elke Reinauer

Ein Kraftort in Weinfelden

Ich treffe Nicole Johänntgen im Goldenen Dachs. «Das ist mein Kraftort», sagt sie, als sie sich auf das grüne Sofa setzt: ihr spezieller Platz. Genau an diesem  fand sie Inspiration und schrieb einige Songs, als sie mit den Frauen ihres Projekts SOFIA hier war. SOFIA steht für «Support of Female Improvising Artists»: Alle zwei Jahre gibt es Workshops und Konzerte für Musikerinnen und Musikstudentinnen. Johänntgen lebt mit ihrer Familie in Bern, doch der Goldene Dachs ist für sie ein ganz besonderer Ort. 

Video: SOFIA (Support Of Female Improvising Artists)

Heilende Musik

2019 verlor Nicole Johänntgen ihr Kind. In dieser schweren Zeit konnte sie keine Musik mit ihrer Band mehr machen und sagte Konzerte ab. Dann fand sie zurück, zuerst ganz allein: Sie spielte Saxophon solo, nur für sich, in Kirchen und an sakralen Orten. Das Solospiel hatte eine heilende Wirkung und brachte sie zurück ins Leben. «Man vergisst manchmal, welchen Stellenwert Musik hat und was es bedeutet, Musik zu machen», sagt sie. Durch die Musik fand sie wieder zu sich selbst.

Aus dieser Zeit entstand ihr erstes Soloalbum, inzwischen sind es drei. Danach machte sie auch mit ihrer Band weiter. Heute hat sie einen sechsjährigen Sohn. Sieben Jahre später kann sie öffentlich darüber sprechen. Weil Musik heilen und einen zu sich selbst zurückbringen kann, möchte sie auch Kinder und Jugendliche in der Musik fördern.

Video: So klingt die Band

Vom Saarland nach New Orleans

Zum Saxophon kam Johänntgen mit 13 Jahren im Saarland, wo sie herkommt. Später spielte sie im Jugendjazzorchester des Saarlandes. Die ganze Familie ist musikalisch. Ihr Vater machte zwar nie beruflich Musik, spielte aber Instrumente und war ein geborener Entertainer. Nach ihm, Heinrich, ist die Band Henry benannt.

2005 kam sie in die Schweiz. 2016 gewann sie das Atelierstipendium der Stadt Zürich und verbrachte sechs Monate in New York. Dort spielte sie mit ihrer Band Robin und nahm eine CD auf. In New York praktizierte sie auch Selbstverteidigung. Inspiriert hat sie Miles Davis, der boxte. Das Boxen habe ihm für seine Präsenz auf der Bühne geholfen, für die Intensität und das Loslassen beim Improvisieren. Für Johänntgen ist Kampfsport ähnlich wie Musik: Man muss sich ganz auf den Moment einlassen, auch mit den Bewegungen. Der Kampfsport habe ihr geholfen, mehr im Moment zu sein.

Der eigentliche Gamechanger aber war eine Reise nach New Orleans, in die Wiege des Jazz. Dort mietete sie ein Studio und gründete eine Band mit Musikern, die damals alle in New Orleans lebten. Kennengelernt hatte sie die Musiker nur online, zum ersten Mal sah sie sie am Tag der Aufnahme. «Es hat sofort gut geklappt», sagt sie. «Wir haben sieben Songs in vier Stunden aufgenommen.»

Reinhören: So klingt das neue Album Henry IV

Henry IV im Thurgau

Mit genau dieser Band nahm sie 2024 in New Orleans das neue Album «Henry IV» auf. Für die Tour reisen die Musiker extra in die Schweiz. Henry, das sind Nicole Johänntgen (Saxofon), Jon Ramm (Posaune), Steven Glenn (Sousafon) und Paul Thibodeaux (Drums). Am 17. Oktober spielt die Band dort, wo Nicole ihren Kraftort gefunden hat: im Goldenen Dachs in Weinfelden.

Am Samstag, 17. Oktober, um 13.30 Uhr spielt Henry im Goldenen Dachs in Weinfelden. Eintritt frei, Kollekte zugunsten des Vereins Stärnechind. Am Samstag, 3. April 2027, gibt Nicole dort einen Saxofon-Workshop.

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