von Elke Reinauer, 28.09.2026
bandXost: Die Bühne gehört dem Nachwuchs

Der Nachwuchs-Bandwettbewerb bandXost machte am Samstag Station in Frauenfeld. Auf der Bühne: vier Thurgauer Bands. Davor: Unsere Autorin Elke Reinauer. Sie gibt Einblicke in die Welt der Nachwuch-Musiker:innen. (Lesedauer:ca. 4 Minuten)
Samstagabend im Frauenfelder KAFF. Die Sonne ist gerade untergegangen, draussen stehen Jugendliche und rauchen. Im Hof vor dem KAFF sitzt eine Gruppe Jungs auf den Bänken und rappt sich schon mal warm, während ein Mädchen sich von ihrem Freund Glück wünschen lässt. Sie zupft an ihrem T-Shirt, dann geht es auf die Bühne.
Willkommen bei bandXost, dem grössten Nachwuchscontest für junge Musikerinnen und Musiker aus der Ostschweiz und dem Fürstentum Liechtenstein. Das Publikum an diesem Abend ist jung, eine gespannte Stimmung füllt den Raum.
Auf der Bühne des KAFF begrüsst Moderatorin Jasmin Barbiero die Gäste und Fans der sechs Acts. Auch die Jury hat sich im Publikum bereit gemacht. Während der Auftritte schreiben die Jurymitglieder immer wieder mit Stift auf ihre Klemmbretter. Unter anderem werden Performance und Technik bewertet. Jeder Act hat 15 Minuten Zeit, um zu überzeugen. Ein Messgerät zeichnet den Applaus auf und bestimmt so den Publikumsliebling des Abends.
54 Acts sind dieses Jahr dabei
Insgesamt treten dieses Jahr 54 Acts an neun Qualifikationsabenden in der ganzen Ostschweiz und in Vaduz auf. Frauenfeld ist nach Wil die zweite Station, bis Ende Oktober folgen Kreuzlingen, Herisau, Schaffhausen, Rapperswil-Jona, Vaduz, Rorschach und Chur.
Im KAFF stehen vier Acts aus dem Thurgau und zwei aus St. Gallen auf der Bühne, darunter die Frauenfelder Band Blues Drivers. Wer teilnehmen will, zahlt nichts und muss keine Demo einreichen.
Nach allen neun Runden wählt die Jury die sieben besten Acts aus. Diese spielen am 21. November im Finale in der Grabenhalle St. Gallen um Preise im Gesamtwert von rund 60'000 Franken. Wer gewinnt, bekommt unter anderem Studioaufnahmen für eine EP und eine Tour über Ostschweizer Festivalbühnen. Den Contest gibt es seit 2006, über 700 junge Musikerinnen und Musiker haben seither mitgemacht.
Song für eine Verstorbene
NIGHTØWL eröffnet den Abend, mit dem charismatischen Sänger Jaromir Rist am Mikrofon und einer coolen Bassistin. Der Gitarrist trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift «Kill Your Local Millionaire», daneben prangt das Anarchiezeichen. Die Band arbeitet mit vielen Hip-Hop-Elementen, doch einiges erinnert an Punk. Das gilt besonders für den Song über Altnau, der sich rasch als Hit des Abends entpuppt.
Altnau ist das Heimatdorf des Sängers, wie das Publikum erfährt, und hier ist wohl (laut Song) der Hund begraben. Leiser wird es, als die Band ein Lied über eine verstorbene Freundin spielt. Im Saal gehen die Handylichter an und Jaromir Rist zeigt sich berührt von soviel Empathie.
Reinhören: So klingen NIGHTØWL
Premiere für eine 18-Jährige
Danach steht Chiara Deane auf der Bühne. Die 18-Jährige aus St. Gallen hat an diesem Abend ihren ersten Auftritt überhaupt. Sie ist nervös, wie sie hinterher verrät, doch das Publikum merkt davon nichts. Nach ihren 15 Minuten geht sie sichtlich stolz von der Bühne. Genau solche Momente will bandXost möglich machen: «Wir bieten Jugendlichen eine Plattform, die sonst keine Bühne hätten», sagt Projektleiterin Céline Fuchs.
Viele Veranstalter setzten auf die grossen Namen und buchten nur Bands, die sie schon kennen. Der Nachwuchs habe da kaum eine Chance, vor Publikum zu spielen. Deshalb begleitet bandXost die jungen Künstlerinnen und Künstler auch vor dem Auftritt: Am Nachmittag gibt es einen Soundcheck und ein erstes Bühnencoaching.
Neben den Neulingen gibt es auch Wiederholungstäter, wie Céline Fuchs sie nennt. Zum Beispiel die Band Exhibit, die es in Frauenfeld ein weiteres Mal versucht.
Reinhören: So klingt Dawgy
Feedback ist wichtig für die Entwicklung
Die Musikerinnen und Musiker bekommen nach ihrem Auftritt unmittelbar Feedback. «Es ist einfach schön, zu sehen, wie sie sich entwickeln», sagt Celine Fuchs. Die Jury kann die Entwicklung der Bands mitverfolgen, die jedes Jahr am Contest teilnehmen.
Die übrigen Acts des Abends setzen auf Rap, Hip-Hop und Rock. Der Thurgauer Leano Ree verbindet Pop und Rap, Dawgy, ebenfalls aus dem Thurgau, kommt vom Strassenrap. Die St. Galler Band Exhibit spielt Alternative Rock, die Frauenfelder Blues Drivers bewegen sich irgendwo zwischen Blues, Punk und Metal.
Reinhören: So klingt Leano Ree
Am Ende des Abends zeigt der Applausmesser klar an: NIGHTØWL wird zum Publikumsliebling gewählt und gewinnt Equipment-Preise. Ob sie auch ins Finale kommt, erfährt die Band erst am 2. November, wenn die Jury nach allen neun Runden die sieben besten Acts bekanntgibt.
Tour, Studio und ein Bandbus
Für die Finalisten geht es um einiges. Der Siegeract erhält Preise im Wert von rund 34'000 Franken: Studioaufnahmen für bis zu sechs Songs, eine Festivaltour mit rund 4500 Franken Gage und einen Bandbus dafür, eine Woche Bandresidenz im Treibhaus Luzern sowie ein Bühnencoaching mit Gianluca Giger. Dazu kommt ein Jahr persönliche Begleitung durch Céline Fuchs.
Auch der Thurgau hat einen Platz im Preispaket: Das Open Air Bischofszell holt sich einen Act aus den Top 7 auf die Bühne. Leer gehen aber auch die anderen nicht aus. Alle Teilnehmenden bekommen direkt nach dem Auftritt ein Feedback der Jury, dazu Fotos und Videos ihres Auftritts und Workshops zu Booking und Streaming.
Schon am Samstag, 3. Oktober, geht es im Apollo Kreuzlingen weiter, mit drei weiteren Thurgauer Acts. Der Eintritt ist wie immer frei, Konzertbeginn ist um 20 Uhr.
Im Profil: Projektleiterin Céline Fuchs
Céline Fuchs ist seit 18 Jahren bei bandXost dabei. Sie begann 2008 als Moderatorin, wurde Produktionsleiterin und führte den Contest von 2014 bis 2019. Seit 2023 ist sie als Projektleiterin und Co-Präsidentin zurück. Selbst Musikerin ist sie nicht, beruflich leitet sie die Produktion des SRF-3-Festivalsommers. Bei bandXost will sie die Perlen finden, bevor es die grossen Veranstalter tun.

Von Elke Reinauer
Weitere Beiträge von Elke Reinauer
- Wo auch die Kunst an Grenzen stösst (14.09.2026)
- Selbst gebraut und lautstark (31.08.2026)
- Summerdays am oder auf dem See geniessen (24.08.2026)
- Ein Leben im Moment (09.06.2026)
- Bücherfest Frauenfeld: „Gelesen wird immer“ (03.06.2026)
Kommt vor in diesen Ressorts
- Musik
Kommt vor in diesen Interessen
- Pop
- Rock
- Indie
- Hip-Hop
- Punk
Ähnliche Beiträge
Wie viel Festival verträgt die Natur?
Wie weiter mit Krach am Bach? Die Nähe zu Naturschutzgebieten stellt das kleine Festival in Tägerwilen vor neue Herausforderungen. Präsident Luca Ippolito über Bewilligungen, Natur und Zukunft. mehr
Selbst gebraut und lautstark
In der Frauenfelder Stadtkaserne bietet die Bruderbar nicht nur selbstgebrautes Bier an; sie holt auch Livemusik auf die Bühne und bleibt nun deutlich länger als ursprünglich geplant. mehr
Mehr Struktur, mehr Programm: Wie sich das Eisenwerk professionalisiert
Mit dem sanierten Saal wächst das Frauenfelder Kulturhaus: Bis zu 600 Gäste sind nun möglich, zugleich steigen die Anforderungen. Das Ehrenamt soll trotzdem zentral bleiben im Betrieb. mehr

