von Elke Reinauer, 14.10.2026
Jazz, der in mystische Wälder führt

Der Thurgauer Saxofonist Orima Stark hat mit seiner Band Starkgroup das Debütalbum «Glades – And Other Mystical Places» veröffentlicht. Am 16. Oktober spielt das Quartett in Weinfelden. (Lesedauer: ca. 2 Minuten)
Als ich mit Orima Stark spreche, befindet er sich in Wien. Dort macht er gerade ein Erasmus-Semester. Anfang Oktober hat seine Band, die Starkgroup, ihr Debütalbum veröffentlicht, und für die Konzerte reist er wieder in die Schweiz. Eigentlich stammt er aus Zihlschlacht im Thurgau. Die Starkgroup, das sind Orima Stark (Saxofon), Lucas Sevilla (Gitarre), Paul Studer (Bass) und Melchior Hürner (Drums).
Vom klassischen Saxofon zum Jazz
Angefangen hat Orima mit klassischem Saxofon an der Musikschule Bischofszell. Später kamen Flöte und Klarinette hinzu. Bei seinem Vater hörte er immer Jazzsaxofon, und diese Klänge prägten ihn. Irgendwann, erzählt er, wollte er nicht mehr allein spielen. So kam er zu den Swing Kids von Dai Kimoto, der in Romanshorn lebt und mit seinen Swing Kids weit über den Kanton hinaus bekannt ist.
Die Swing Kids sind eine Kinder-Big-Band für junge Musikerinnen und Musiker bis 18 Jahre: eine klassische Big Band mit klassischem Big-Band-Repertoire. Mit ihr tourte er um die ganze Welt und spielte 50 bis 60 Konzerte, wie Orima erzählt. Das war sein erster Berührungspunkt mit Jazz.
So richtig angezündet habe ihn sein Saxofonlehrer aus Herisau, Eugenio Steiner. «Dieser Unterricht hat für mich ein Fenster in eine neue Dimension aufgemacht. Ich habe dann geübt wie verrückt, fünf bis sechs Stunden täglich», sagt er. Vor seinem Erasmus-Semester in Wien arbeitete Orima als Primarlehrer. «Da hat man nicht immer Zeit, fünf bis sechs Stunden am Tag zu üben, aber ich liebe es total, wenn ich übe.»
Das Album
Die Starkgroup entstand während Orimas Musikstudium in Zürich und Luzern. Alle Mitglieder sind heute Profimusiker. Mit der Suche nach dem richtigen Albumtitel taten sich Orima und seine Band lange schwer. Seine Frau studiert Germanistik und machte mit ihm schliesslich eine Schreibübung: Beide schrieben einfach auf, was beim Hören der Musik hochkam.
«Lustigerweise schrieben wir beide viel über Wald, Mystik und Dämmerung. So wurde der Wald zum Thema», sagt Orima. «Die Musik löste in mir eine warme Geborgenheit aus.» Lichtungen, Wälder, Wetter: All diese Bilder weckt der Titel. Und so entstand der Albumtitel: «Glades» bedeutet übersetzt «Lichtungen». Das erste Stück des Albums heisst «Snow in Spring».
Zwei Jahre lang hat die Starkgroup ihren Sound vor allem auf der Bühne, in Proben und in gemeinsamen Sessions entwickelt. Und wie klingt die Starkgroup? Die vier Musiker spielen Contemporary Jazz und bewegen sich zwischen Tradition und Experiment.
Video: So klingt die Starkgroup live
Sie beschreiben ihre Musik selbst als «getrieben von den legendären Klängen der Hard-Bop-Ära und den Jazz Messengers, mit einer kräftigen Prise Swing». Komponierte Passagen gehen in freie Improvisation über, ruhige Balladen stehen neben expressiven Ausbrüchen. Auf einigen Stücken singt die australische Jazzsängerin Kristin Berardi als Gast mit.
In Zürich, wo Orima lebt, hat die Band unter der Erde geprobt: Im Zivilschutzbunker hatten sie einen Proberaum. «Es war ein cooler Raum. Leider will der Bund den Bunker nun reaktivieren, und nach drei Jahren müssen wir raus», sagt er.
Jazzpublikum und Auftritte
Jazz habe immer den Ruf, dass das Publikum älter und akademisch sei, sagt Orima. Man müsse sich darauf einlassen und es mit einem offenen Geist hören. Live sei es immer ganz anders, als die Platte zu hören.
Orima tritt sehr gerne auf. Der schönste Moment auf der Bühne? «Wenn wir das letzte Stück gespielt haben und eine Zugabe verlangt wird, dann bin ich meistens so richtig frei, so richtig in Fahrt und kann alles noch einmal geniessen.»
Die Band hat verschiedene Konzerte im Thurgau, und er freut sich sehr auf die Auftritte, die vor ihm liegen, zum Beispiel am 16. Oktober im Goldenen Dachs in Weinfelden. Im Thurgau zu spielen, wo er aufgewachsen ist, ist ihm wichtig: «Den Jungs zeigen, wo ich aufgewachsen bin. Da muss ich meinen Dialekt nicht mehr verstecken», sagt er und lacht.
Am Freitag, 16. Oktober, um 20.15 Uhr tritt die Starkgroup im Goldenen Dachs in Weinfelden auf.
Reinhören: So klingt das Debütalbum der Band

Von Elke Reinauer
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