von Brigitta Hochuli, 23.11.2011
Wie weiter mit dem Turmhof Steckborn?

Im Konflikt zwischen der Stiftung Turmhof und der Heimatvereinigung plädiert Stadtammann und Stiftungsrat Roger Forrer für einen runden Tisch.
Brigitta Hochuli
Die Heimatvereinigung wolle für das Museum im Turmhof sämtliche Stockwerke gratis nutzen, teilte die Stiftung letzte Woche mit. Diese Forderungen würden die finanziellen Möglichkeiten sprengen und eine kostspielige und zeitaufwendige Neuplanung verlangen.
Alfred Muggli, Präsident der Stiftung Turmhof, erklärt auf Nachfrage, worum es konkret geht: Die Heimatvereinigung habe der Evangelischen Kirchgemeinde 12'000 Franken Miete pro Jahr bezahlt. Diese Miete sei auf Wunsch der Heimatvereinigung auf 6000 Franken reduziert worden. Dies „in der Hoffnung, dass sich der Verein finanziell erholen“ könne. Von Anfang an sei aber auch dem Vertreter der Heimatvereinigung klar gewesen, dass der Mietpreis nach der Renovation angepasst werden müsse. Immerhin könnte das Museum nach der Renovation ganzjährig geöffnet werden, hätte eine moderne Infrastruktur und einen behindertengerechten Zugang. „Zwar hätte die Heimatvereinigung etwas weniger Platz als bisher“, räumt Muggli ein, "aber es stünde ihr für Wechelausstellungen zusätzlicher Raum zur Verfügung."
Hoffen auf Distanzierung
Der neue Mietzins soll 30‘000 Franken betragen. Das habe eine Studie der Fachhochschule St. Gallen ergeben, sagt Muggli. Da die Stiftungsurkunde Eigenwirtschaftlichkeit fordere, sei der Handlungsspielraum eng. Es müssten deshalb auch im Turmhof Wohnungen vermietet werden können. Trotzdem habe man immer Verhandlungsbereitschschaft signalisiert. Wie es nun weiter gehen solle, weiss Stiftungspräsident Muggli nicht. „Ich hoffe, dass die Heimatvereinigung sich von ihrer unrealistischen Forderung distanziert.“
Hoffen auf Kanton
Der Steckborner Stadtammann Roger Forrer spricht von einer „heiklen Sache“. Sein Doppelmandat als Stadtammann und Stiftungsrat erleichtere die Situation nicht. So viel kann er aber bekannt geben: Am Dienstagmorgen haben Vertreter der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege und der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission das Turmhof-Areal besichtigt. Deren Gutachten warte der Stadtrat nun ab, ergänze es dann durch die eigene Stellungnahme und leite beides an den Kanton weiter. „Dann werden wir sehen.“
Hoffen auf positives Ende
Als Stadtammann sei er sehr nahe beim Souverän, sagt Roger Forrer. Die Opposition gegen das Projekt müsse man ernst nehmen. Stein des Anstosses seien der Neubau, der Steg und die fehlenden Parkplätze. Das Verhältnis zwischen Stiftungsrat und Heimatvereinigung bezeichnet er als schwierig. "Ich wäre allen Parteien dankbar, wenn sie ihre Situation überdenken und nochmals an einen runden Tisch sitzen könnten." Er hoffe, das Vorhaben zu einem „positiven Ende begleiten“ und mithelfen zu können, „dass es eine gute Sache wird“.
Falls das Areal trotz aller Bemühungen unsaniert an die Stadt zurückfallen sollte, gibt der Stadtammann zu bedenken, dass die Liegenschaften schuldenfrei seien und einen Wert hätten. Priorität in Steckborn genössen zudem der Bau eines neuen Sportplatzes und die Zukunft des Lindenareals.
Weder der Vertreter der Heimatvereinigung im Stiftungsrat, Peter Imhof, noch Präsident Peter Röthlisberger konnten für eine Stellungnahme gegenüber thurgaukultur.ch gewonnen werden.
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Links zu den Vorgeschichten finden sich hier.

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