von Michael Lünstroth・Redaktionsleiter, 26.06.2025
Vom Wein zur Kunst

Wenn Räume für Kulturschaffende fehlen, können Zwischennutzungen eine Lösung sein. Das Zürcher Projekt Interim hat sich darauf spezialisiert. Und bietet auch Räume in einer ehemaligen Weinkellerei in Scherzingen an. (Lesedauer: ca. 2 Minuten)
Wandel ist auch, wenn ein Traditionsunternehmen einen Standort schliesst und sich dann neue Perspektiven für andere daraus ergeben. So war es auch 2021 in Scherzingen als die Weinkellerei Rutishauser ihren dortigen Standort aufgab. Die Corona-Pandemie und der Einbruch des Weinkonsums zwang das Unternehmen in die Knie, die Agrargenossenschaft Fenaco, beziehungsweise deren Weintochter DiVino übernahm die Geschäfte und siedelte nach Winterthur um.
Weil lange nicht klar war, was aus der Immobile und den Flächen an der Scherzinger Dorfstrasse werden soll, kam das Zürcher Projekt Interim ins Spiel. Dies hat sich auf die Zwischennutzung von leerstehenden Immobilien spezialisiert. Das Projekt wurde gegründet, um Leerstand zu reduzieren und gleichzeitig Räume für kreative Nutzungen, wie Ateliers, Proberäume oder Büros, zu schaffen. Die meisten Angebote finden sich in grösseren Städten, aber seit Anfang 2024 zählt auch die ehemalige Scherzinger Weinkellerei zu den Zwischennutzungen des Zürcher Projekts.
Der Abriss ist für 2026 geplant
Nach den bisherigen Plänen der Eigentümer soll das Gebäude 2026 abgerissen werden. Bis dahin steht es für verschiedene Zwischennutzungen bereit: „Aktuell stehen noch die grosse Verkaufsfläche im Erdgeschoss sowie zwei Büroräume zur Vermietung zur Verfügung“, sagt Elia Carella vom Projekt Interim im Gespräch mit thurgaukultur.ch. Während das ehemalige Ladenlokal 371 Quadratmeter umfasst und 5550 Franken Miete pro Monat kostet, haben die kleineren Räume eine Grösse zwischen 15 und 50 Quadratmetern. Richtig günstig sind die Preise hier allerdings auch nicht. Sie liegen zwischen 185 und 613 Franken. Details zu den einzelnen Räumen gibt es auf der Website von Projekt Interim.
Inzwischen haben sich bereits ein paar Kulturschaffende wie die Kreuzlinger Malerin Maria Xarogari angesiedelt. Die Nutzungsmöglichkeiten sind allerdings eingeschränkt. Proberäume für Musiker:innen und Band sind aufgrund der Lautstärke nicht möglich. Falls jemand aber noch kurzfristig ein Atelier sucht, kann sich direkt an Projekt Interim wenden.
Mehr zum Thema «Räume» für Kulturschaffende
Kultur braucht Räume, um sich entfalten zu können. Ateliers, in denen man neue Ideen entwickeln kann. Proberäume, in denen man jeden Ton und jede Zeile so oft wiederholen kann, bis das neue Werk reif ist, aufgeführt zu werden. Und natürlich Bühnen auf denen man all das, was man mit Herzblut einstudiert hat letztlich auch einem Publikum zeigen kann.
Das Problem: An all diesen Räumen mangelt es. Im Thurgau. In der Ostschweiz. Eigentlich überall. Seit Jahrzehnten beklagen Kulturschaffende diesen Zustand, aber mindestens genauso lange hat sich nichts daran geändert. Woran liegt das? Mit dieser Frage haben wir uns im Herbst 2024 intensiv beschäftigt. Im Rahmen dieses Schwerpunktthemas sind zahlreiche Beiträge entstanden. Sie sind alle gebündelt in einem Themendossier.

Weitere Beiträge von Michael Lünstroth・Redaktionsleiter
- Gemeinsam statt einsam (07.07.2026)
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- Gipfeltreffen der Subkulturen (02.07.2026)
- Auf der Suche nach neuen Literaturstimmen (29.06.2026)
- Drei neue Mitglieder stärken unseren Verwaltungsrat (22.06.2026)
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