von Brigitta Hochuli, 20.03.2013
Turmhof Steckborn: Treten an Ort

Den Vorschlag der Stiftung, die Museumsräume auf mehrere Standorte zu verteilen, lehnt die Heimatvereinigung in einem Brief an den Stiftungsrat ab.
Die Heimatvereinigung begründe ihre ablehnende Antwort dahingehend, dass das von der Stiftung Turmhof Steckborn vorgeschlagene Nutzungskonzept mit Wohnungen im Turmhof dem Stifterwillen und den Statuten widerspreche, sagt Stiftungsratspräsident Alfred Muggli auf Anfrage. Die Heimatvereinigung bestehe darauf, dass das Museum im Turmhof ausgebaut, erhalten und betrieben werde und der Turmhof vollumgänglich für die Öffentlichkeit zugänglich sei.
Widerspruch
Über den Stifterwillen könne man sich streiten, so Muggli. Die Heimatvereinigung stütze sich auf ein Schreiben von Gönnerin Doris Hertner an den Stadtrat vom 13. Juni 2012. Darin heisse es: „Wir wollten mit unserer Schenkung den wunderschönen Turmhof als Wahrzeichen von Steckborn erhalten und dafür sorgen, dass das ganze Gebäude dem Museum zur Verfügung steht. Was wir sicher nicht wollten, dass mit unserem Geld Ferien- oder Eigentumswohnungen gebaut werden!“
Dem widerspricht Stiftungsratspräsident Muggli. „Wäre das der Wunsch von Frau Hertner gewesen, dann hätte sie ja einfach den Turmhof kaufen und der Heimatvereinigung schenken können“, meint er. Aber es sei ja vor allem der von der Heimatvereinigung delegierte verstorbene Jost Gross gewesen, der eine Stiftung vorgeschlagen habe und durch den Erwerb der Nebenliegenschaften ein kulturelles Begegnungszentrum habe realisieren wollen. In der Stiftungsurkunde stehe kein Wort über das Museum, hingegen werde ein weitgehend eigenwirtschaftlicher Betrieb gefordert, betont Muggli. Allein für den Unterhalt der Gebäude sei die Stiftung deshalb logischerweise auf Einnahmen angewiesen.
„... will einfach nicht begreifen“
Die zweite und dritte Etage des Turmhofs könnten im übrigen nicht mit dem geplanten Lift erschlossen werden und eine Wendeltreppe als alleiniger Fluchtweg sei für öffentliche Räume feuerpolizeilich nicht erlaubt. Zudem müssten öffentliche Räume auch für Behinderte zugänglich sein. Alfred Muggli scheint zu resignieren: „Selbst wenn wir wollten, können diese beiden Stockwerke nicht als Museum dienen. Das will der Vorstand der Heimatvereinigung einfach nicht begreifen.“
Die Heimatvereinigung selber hat auch der „Thurgauer Zeitung“ einen Brief zukommen lassen. Darin zeigt sie sich gemäss TZ vom 20. März „tief besorgt, dass der Stifterwille immer grosszügiger ausgelegt wird“. (ho)

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