von Roland Schäfli, 28.08.2026
Thurgauer Akte X: Was wirklich geschah

Die Sonderausstellung «Sehnsucht Mythos» sucht den Ursprung der Sagen. Um diese Suche etwas einfacher zu machen: Einige Thurgauer Verschwörungstheorien können wir gleich hier aufklären. Lesezeit: sagenhafte zwei Minuten.
Bis heute werden Thurgauer Sagen mündlich an die nächste Generation überliefert: Most ist gesund, alle Deutschen tanken in Kreuzlingen, Frauenfeld braucht keine Umfahrungsstrasse, und bei uns grüsst jeder jeden.
Sicherlich eine der nachhaltigsten Thurgauer Erzählungen lehnt sich an die sagenumwobene Stadt Briagadoon an, die nur alle hundert Jahre aus dem Nebel auftaucht – wie Weinfelden, der Ort, der alle paar Jahre damit auftaucht, für sich den Status der heimlichen Hauptstadt in Anspruch zu nehmen.
Im Mittelpunkt der Ausstellung im Werk2 Arbon (noch bis 22. November) steht ein Baum. Der biblische Bezug ist klar: seine Früchte erinnern an den ersten dokumentierten Most-Unfall: Adam und Eva wurden aus dem Paradies vertrieben. Wer sich den Thurgauer Weiler Paradies in echt ansehen will, nimmt am Bahnhof Frauenfeld das Postauto (Linie 823 Richtung Diessenhofen). Adam und Eva mussten damals noch zu Fuss gehen!
Wo die Mondlandung wirklich gefilmt wurde
Eine weit verbreitete Verschwörungstheorie betrifft die angebliche Mondlandung, die 1969 in einem ähnlich aussehenden Gebiet gefilmt worden sei. Tatsächlich wurde geheim die Kiesgrube Warth-Weiningen genutzt. Die jahrelangen Rechtstreitereien sollten lediglich davon ablenken.
Ufologen sehen in Kornkreisen verschlüsselte Botschaften fremder Zivilisationen. Im Thurgau handelt es sich meist um den Versuch, mit einem Traktor samt angehängtem Güllefass eine volle Kehrtwendung zu machen.
Die US-Regierung hat die UFO-Landung bei Roswell stets geleugnet – und nicht zu Unrecht. Denn tatsächlich stürzten die Aliens bei Steckborn ab, wo man die Pläne für eine futuristische Hohlsaumnähmaschine kopierte und das Bernina-Werk schuf. Hartnäckigen Gerüchten zufolge befindet sich unter einer Mosterei das geheime Obstlager Area 51.
Der Beweis: ein UFO landete in Steckborn
Der aktuelle Tiefstand des Bodensees erlaubt die Untersuchung vermeintlicher Pfahlbauersiedlungen. Immer mehr selbst ernannte Archäologen sind inzwischen überzeugt, dass es sich um die sagenumwobene Unterseestadt Atlantis handelt. Die Wartezeiten auf einen Bootsplatz waren damals schon legendär.
Konspirationstheorien um das Kennedy-Attentat fallen auch im Thurgau auf fruchtbaren Boden. So beharren hiesige Verschwörungsexperten auf ihrer These, der mysteriöse zweite Schütze solle sich auf dem Aussichtsturm des Napoleonschlosses befunden haben, obwohl dies ballistisch schwer nachweisbar ist.
Augenzeugen zufolge gab es Sichtungen des Yeti am Ottenberg. Die Auswertung der Fotobeweise zeigte allerdings, dass es sich um einen Spaziergänger mit Fleecejacke handelte, die geheimnisvollen Fussabdrücke stammen von Gesundheitssandalen der Thurgauer Schuhmanufaktur Kybun.
Wo der Yeti auf die Illuminaten trifft
Für heisse Köpfe sorgt in Kreisen der Verschwörungstheoretiker die These, wo sich die verborgene, aber wirkliche Weltregierung jährlich trifft, um über unser Schicksal zu befinden. Wenn man anonymen Wortmeldungen glauben kann, findet das Treffen der Illuminaten inkognito an der WEGA statt.
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«Der Thurgaukler» ist eine satirische Kolumne über den Zustand unserer Gesellschaft – lokal verankert, aber allgemein verständlich. Die Kolumne ist eine humorvolle Bestandesaufnahme unserer Gegenwart: bissig, manchmal melancholisch, oft übertrieben, aber nie zufällig. Gelacht wird nicht über Menschen, sondern über Denkweisen, Ausreden und Zeitgeister.

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