von Brigitta Hochuli, 15.02.2015
Schönste Nebensache

Sonntagmorgen. Die Enkel schlafen erfreulich lange, und Omama nutzt die ruhige Zeit, um die OaS zu lesen. In einem Interview stellt sich der neue Thurgauer Kantonsbaumeister Erol Doguoglu vor. Noch ist er Stadtbaumeister in St. Gallen, im Juni fängt er in Frauenfeld an.
Wie hält es Doguoglu mit der Kunst am Bau? „Die schönste Nebensache meiner Aufgabe!“, sagt er auf Anhieb und kommt auf Emotionen zu sprechen. Die emotionale Ebene sei oft nicht messbar und Kunst am Bau immer ein sehr fragiles Thema. „In der frühen Konzeptphase läuft man Gefahr, aus rationalen Gründen zu scheitern.“ Da sei es wichtig, sich solche Arbeiten entwickeln zu lassen. „Am Ende überwiegt nämlich immer die Freude darüber, dass ein Gebäude nicht nur funktional ist, sondern auch eine kulturelle Leistung darstellt und sinnliche Efahrung zulässt.“
Freude, Sinnlichkeit - der Omama gefällt das Berufsverständnis dieses ETH-Architekten, und sie hofft, dass es auch im kulturellen Thurgau zu spüren sein wird. Hier spricht man ja neuerdings aufwertend von „Kunst und Bau“, was auch als Schlagzeile genommen zurzeit nicht ganz emotionsfrei ist.
Emotionen hat der neue Kantonsbaumeister aber noch ganz anderer Art. Er ist nämlich Vater von Zwillingen geworden. Noch kaum jemals habe er so emotionale Momente erlebt, sagt er im Interview. Wenn das kein gutes Omen ist, denkt die Omama. Denn sie weiss aus Lebenserfahrung, welche Produktivkraft starke Gefühle erzeugen können. Als wüsste es auch Erol Doguoglu, sagt er: „Ich habe Lust, Projekten, auch ganz kleinen, zum Durchbruch zu verhelfen. Ich glaube, das ist das, was ich kann.“

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