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von Brigitta Hochuli, 13.03.2013

SAITEN zieht neue Seiten auf

SAITEN zieht neue Seiten auf
Die SAITEN-Redaktoren Peter Surber und Andrea Kessler freuen sich auf das neue Layout. | © Brigitta Hochuli

„Schöne, neue Krise“ heisst eine Mustergeschichte im schönen neuen Layout des Ostschweizer Kulturmagazins aus St. Gallen. SAITEN erscheint am 26. März mit Überraschungen. Und dies vorweg: Die Thurgauer sollen liebevoller ins Boot genommen werden.

Brigitta Hochuli

Neckisch grüsst Herr Mäder vom schönsten Erker der St. Galler Altstadt herab. Der langjährige Kommentator des Ostschweizer Kulturmagazins SAITEN steht am Fenster der Redaktion und beobachtet tagein, tagaus, was auf der Schmiedgasse so abgeht. Herr Mäder gehört der Vergangenheit an. Das fünfköpfige Kollektiv mit den Redaktoren Peter Surber und Andrea Kessler sowie Peter Olibet (Verlag), Gabriela Baumann (Sekretariat) und Michael Grieder (Kalender) zieht neue Seiten auf. Das Monatsheft erscheint am 26. März mit neuem luftigeren Layout, neuer und grösserer Schrift, leicht gedrungenerem Format, neuen Schwerpunkten, neuen Rubriken, neuen Kommentar- und Kolumnenspalten und neuer Webseite. Was gleicht bleibt, ist unter anderem der Service public mit einer Kulturagenda. Und: Saiten bleibt schwarz-weiss.

Mehr Kontroverse und Zuspitzung

„Das Magazin ist 18 Jahre alt, formal hat es Routine angenommen“, sagt Peter Surber, der vor einem Jahr vom „Tagblatt“ zu SAITEN wechselte und dort Johannes Stieger ablöste. Damals hat sich die Redaktion vorgenommen, das Angebot durchzukämmen. Ziel war, den Inhalt kontroverser, zugespitzter, hierarchisierter zu machen und das Magazin hörbarer als Stimme in der Ostschweizer Medienlandschaft zu profilieren.

Nicht ausschliesslich kulturell

SAITEN sei kein ausschliessliches Kulturheft, erklären Peter Surber und seine Redaktionskollegin Andrea Kessler. Es klinge im Titel Musik an, weil es ursprünglich aus einem Selbsthilfe-Impuls der Rockszene heraus entstanden sei. Die Heftmacher hätten sich aber schnell eingemischt in gesellschaftliche und politische Fragen. „Wir haben einen etwas weiteren Kulturbegriff.“ Dazu gehöre neben dem städtisch politischen Anspruch St. Gallens auch das Landgeschehen. „Unsere Titelthemen waren aber schon immer überwiegend spartenübergreifend“, sagt Andrea Kessler. Viel Aufsehen habe zum Beispiel das Novemberthema 2012 über Transsexualität erregt. Wenige Titel, wie jüngst etwa das Januarheft zum „Heimspiel“ des Ostschweizer Kunstschaffens, seien ausschliesslich kulturell.

Thurgauer liebevoller ins Boot nehmen

Sehr wichtig sei und bleibe aber der Fokus auf der Ostschweiz. Man müsse sich immer wieder bemühen, relevant neben den beiden Appenzell auch für Winterthur, Schaffhausen und den Thurgau zu sein. Beibehalten werden sollen auf jeden Fall die „Rundflüge“. „Die Thurgauer wollen wir künftig liebevoller ins Boot nehmen.“ Konkret aus dem Thurgau stammt Stefan Keller, Programmleiter des Bodman-Hauses in Gottlieben und Stiftungsrat der Kulturstiftung des Kantons Thurgau. Er wird SAITEN mit einer historischen Kolumne bereichern.

Neue Webseite, neue Konkurrenz

Neuerungen wird es auch digital geben. Die Webseite wird neu gestaltet, der Ostblog abgelöst durch neue Blogs wie einen Medienblog. Die Webseite wird zudem zur Newsseite, um Möglichkeiten für „ein wenig Aktualität“ zu haben, da die Printausgabe von SAITEN nur ein Mal im Monat erscheint. Keine Angst vor der neuen Konkurrenz „Ostschweiz am Sonntag“? „Doch“, meint Peter Surber, „wenn sie ihr Potenzial für Recherchen und Reportagen ausschöpft und mehr Kulturthemen bringt, dann durchaus!“ Er lacht, denn er weiss auch: „SAITEN ist zu klein, um Konkurrenz fürs ‚Tagblatt’ zu sein. Aber eine zweite Stimme in Politik und Kultur, das ist schon das Ziel.“ Alles in allem also keine „Schöne, neue Krise“, wie ein Layoutmuster prophezeit - SAITEN ist selbstbewusst in die Zukunft unterwegs.

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Finanzen: Unabhängig bleiben

SAITEN hat eine Auflage von 5500 Exemplaren; im Thurgau gibt es 130 private Abonnenten und 14 Paketabonnenten mit je bis zu 50 Exemplaren. Finanziert wird das Magazin durch Inserate und Mitgliederbeiträge (wer das Heft abonniert, wird Mitglied des Trägervereins). Oberstes Ziel ist es, unabhängig zu bleiben. Helfen können auch Preise. So hat SAITEN 2011 einen mit 10‘000 Franken dotierten Preis der Internationalen Bodenseekonferenz in der Sparte Kulturvermittlung erhalten.

www.saiten.ch

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