von Michael Lünstroth・Redaktionsleiter, 19.02.2025
Proberaum zu vermieten

Lichtblick in der Raum-Krise: Im Kreuzlinger Begegnungszentrum „Das Trösch“ wird ein Proberaum frei. Das ist auch eine Chance für Kulturschaffende aus Kreuzlingen und Umgebung. (Lesedauer: ca. 2 Minuten)
Als vor einigen Monaten die erste Ausgabe des thurgaukultur-Dialogformats „Kultur trifft Politik“ lief, war Marina Wettstein als Zuhörerin und Mitdiskutantin dabei. „Mich hat der Abend sehr inspiriert, es war toll zu sehen, wie viel spannende Menschen zu so einem Anlass zusammenkommen“, sagt Wettstein an einem Freitagnachmittag im Januar. Schon damals wusste die Geschäftsführerin der „Stiftung Das Trösch“ in ihrem Begegnungszentrum an der Kreuzlinger Hauptstrasse ein Raum frei wird. Nach dem Abend war ihr klar, dass sie das Haus gerne für Kulturschaffende aus Kreuzlingen und Umgebung öffnen möchte.
„Ich höre immer wieder, dass Menschen mit kreativen Projekten einen Raum suchen. Deshalb biete ich unseren jetzt hier an“, sagt sie im Gespräch mit thurgaukultur.ch. Konkret geht es um einen rund 25 Quadratmeter grossen, schallisolierten, fensterlosen Raum im Untergeschoss des Gebäudes. Bislang war dort die Offene Jugendarbeit (OJA) Kreuzlingen mit einem Tonstudio eingemietet. Die ziehen nun aber auf eigenen Wunsch aus.
Auch ein Sharing-Modell ist denkbar
Ab 1. April 2025 wird der Raum frei. Kostenpunkt: 350 Franken im Monat plus Nebenkosten von 60 Franken. „Als Mieter kann man auch unser Café und die Dachterrasse mit nutzen, wird mal mehr Platz benötigt, gibt es für Mieter Vergünstigungen bei den Mieten anderer Räume“, erläutert Marina Wettstein.
Bei der künftigen Nutzung sei sie offen für Vieles, sagt sie. Der Raum sei beispielsweise ideal als Proberaum für Bands. Allenfalls auch im Sharing-Modell von mehreren Bands, die den Raum an unterschiedlichen Tagen benutzen.

Begegnung, Toleranz und Integration sind Stiftungsziele
Wichtig sei, dass die Nutzung zum Zweck der Stiftung passe. Dieser lautet: Förderung der Begegnung, der Toleranz, der Integration sowie des gesellschaftlichen Engagements zugunsten gemeinnütziger Projekte. „Dabei hat die Stiftung zum Ziel, Menschen aller Bevölkerungsgruppen in und um Kreuzlingen einen Begegnungsraum zu bieten“, heisst es auf der Internetseite des Trösch. Da das Haus auch von der Stadt finanziell unterstützt wird, wünscht sich Marina Wettstein vor allem Nutzer:innen aus Kreuzlingen für ihr Haus. „Damit könnten wir ein Stück weit auch etwas an die Kreuzlinger Bevölkerung zurückgeben.“
Nun sind mehr als 400 Franken im Monat für viele Hobbybands kaum erschwinglich. Vor allem junge Nachwuchs- oder Schüler:innenbands können sich das nicht leisten. Auch das wurde beim Dialog-Format „Kultur trifft Politik“ im vergangenen November deutlich. Deshalb kann sich Marina Wettstein auch Sharing-Modelle für ihren Raum im Trösch vorstellen.
2024 gab es mehr als 1500 Vermietungen
Seit 2017 gibt es das Trösch inzwischen in Kreuzlingen. Das Haus mit seinen sieben verschiedenen Multifunktionsräumen sei gut angenommen in der Stadt, sagt Marina Wettstein. Im vergangenen Jahr gab es demnach mehr als 1500 Veranstaltungen. „Wir haben uns als Begegnungsort hier fest etabliert“, ist die Betriebsleiterin des Hauses überzeugt. Die Nutzungsarten sind sehr verschieden. Von der Vereinssitzung über den Kindergeburtstag bis hin zum Nähkurs: „Menschen aller Kulturen und Generationen nutzen die Räume für unterschiedliche Veranstaltungen“, heisst es im Tätigkeitsbericht des Jahres 2023.
Die Geschwister Monika Roell und Christof Roell sind die Initianten des Projekts. Sie haben das Begegnungszentrum gebaut, 2022 schenkten sie die Immobilie der neu gegründeten Stiftung Das Trösch. Das Ziel damals: Den Ort dauerhaft für Kreuzlingen zu sichern. Das Begegnungszentrum wird seither von der gemeinnützigen Stiftung getragen und geführt.
Seit 2022 unterstützt die Stadt das Projekt
Die Stadt Kreuzlingen unterstützt die Stiftung mit einem jährlichen Beitrag von 175’000 Franken. Der Beitrag ist auf 5 Jahre gesprochen (2022-2026). Die Liegenschaft Hauptstrasse 42 Kreuzlingen (dort wo das Begegnungszentrum errichtet wurde) bildet den Hauptbestandteil des Stiftungsvermögens.

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