von Brigitta Hochuli, 30.03.2014
Ferien I

Brigitta Hochuli
Ich hetze zum Bahnhof, nehme den Zug, steige drei Mal um, stehe im Flughafen an, lasse mich durchleuchten, muss meine Portion Kölnischwasser zurücklassen, weil ich das Plastiksäckli vergessen habe. Ich verderbe mir den Magen mit eisgekühlten Brötchen und pampig aufgewärmten Nudeln. Stunden später erreiche ich erschöpft das Reiseziel. Touristen en masse verhindern Erholung und persönliche Begegnungen. Immerhin, es gibt moderne und grosse Kunstmuseen, Kathedralen und das Mittelmeer.
Oder so:
Ich packe den Rucksack und wandere an den Unterteil des Schwäbischen Meers. Ich setze ich mich ins Ried, höre von fern die Musik aus Handy und Kofferradio eines Bötlers, um mich herum Vogelgespräche und eine leichte Bise. Ich verzichte auf den Konsum der mitgeführten 4 Pfund Jazz, aufs Abarbeiten der Liste der Kulturgüter. Lasse mich auch nicht von Herzog & de Meron auf den Hügel locken und schon gar nicht von den zahlreichen Beizen und den Künstlerateliers verführen und bilden. Ich mache rein gar nichts, was mit erregen könnte. Denn ich bin in Ermatingen, dem langweiligsten Ferienort der Schweiz.
Video:

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