von Michael Lünstroth・Redaktionsleiter, 14.09.2026
Nicht ohne mein Team

Ausgerechnet in der Aula seiner alten Schule erhält der Filmemacher Beat Oswald den Thurgauer Kulturpreis. Vielleicht gerät die Vergabefeier auch deshalb überraschend familiär. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)
Beat Oswald war sich natürlich auch an diesem für ihn so besonderen Abend selbst sehr treu geblieben. Der Frauenfelder Filmemacher hatte gerade in der Aula der Pädagogischen Maturitätsschule Kreuzlingen viele freundliche Worte über seine Arbeit gehört. Aber in seiner kurzen Ansprache nach der Vergabe des Thurgauer Kulturpreises 2026 durch Regierungsrätin Denise Neuweiler zeigte sich einmal mehr, wie sehr persönliche Wertvorstellungen auch seine Arbeitshaltung in der Kunst prägen.
Denn neben Familie und Freunden dankte er vor allem künstlerischen Wegbegleiter:innen, die ihn, so seine Auffassung, erst dahin brachten, wo er nun eben stand – mit Blumen und Urkunde des wahrscheinlich wichtigsten kantonalen Kulturpreises in der Hand. Oswald nannte vor allem Samuel Weniger und Lena Hatebur. Seinen Kameramann und die Filmeditorin seiner beiden Filme «Golden Age» und «Tamina».
Video: arttv.ch über Beat Oswald
Film als gemeinsame Anstrengung und gemeinsames Vergnügen
«Ich habe so viel von ihnen lernen dürfen. Ohne sie wären die Filme niemals so entstanden», sagte der Regisseur. Ebenso dankte er Christof Stillhard, dem langjährigen Kulturbeauftragten der Stadt Frauenfeld, der ihn früh ermutigt habe in seinem Filmschaffen und auch darin, «unkonventionelle Wege» zu gehen. Giuseppe Spina von der Frauenfelder Theaterwerkstatt Gleis 5 würdigte Oswald ebenfalls als «grosse Inspiration». Diese Worte, gesprochen in jener Schule, die auch Beat Oswald besucht hatte, das hatte schon etwas sehr Lehrreiches, zur Nachahmung empfohlenes.
Man konnte die freundliche wie wertschätzende Art von Beat Oswald auch von der Bühne aus betrachten und jeder im Saal spürte, dass das nichts Aufgesetztes hatte, sondern der überzeugten Haltung entsprang, dass Film immer eine kollektive Anstrengung ist. Und im Idealfall auch ein kollektives Vergnügen. Erst beim Dreh. Später beim Anschauen.
In den Reden zuvor war es aber natürlich nicht nur um die geschlossene Mannschaftsleistung gegangen, sondern auch um den Beitrag, den der Kapitän, letztlich ist ein Regisseur das ja doch immer, eingebracht hatte. Regierungsrätin Denise Neuweiler lobte, dass Oswalds Dokumentarfilme dazu einladen, «genau hinzusehen, selber nachzudenken und offen und unvoreingenommen zu sein». Den «Thurgauer Oscar», so nannte Neuweiler den Kulturpreis an diesem Abend, habe sich der 43-jährige Filmemacher mehr als verdient.
Video: Trailer zu Tamina
Ist das jetzt der «Thurgauer Oscar»?
Die eigentliche Laudatio hielt Alex Bänninger, Publizist, Autor, früherer Kulturchef des Schweizer Fernsehens. Mithin jemand, der weiss, was gute Filme ausmacht und der ein gutes Gespür dafür hat, welchen Wert Kultur für unsere Gesellschaft hat. «Gute Filme verändern nicht die Welt, sie verändern unsere Wahrnehmung von Welt», begann Bänninger, und das setzte einen stimmigen Rahmen für das künstlerische Schaffen von Beat Oswald. «Er ist ein erkenntnisinteressierter Cineast mit einem scharfen Auge für verborgene Schätze, der Geschichte erzählt, Wissen vermittelt und uns bei der Wahrheitssuche auf die Sprünge hilft», so Bänninger.
Aber auch der Laudator spielte den Teamgedanken, indem er nicht nur Beat Oswald zum Preis gratulierte, sondern auch dessen kreativen Partner:innen Lena Hatebur, Robert Büchel, Clinton Haycraft, Christof Stillhard, Samuel Weniger. Bänninger würdigte zudem auch Oswalds filmvermittlerische Arbeit. Im Cinema Luna, wo er seit einigen Jahren Präsident des hinter dem Kino stehenden Vereins ist, aber auch das gemeinsam mit dem Romanshorner Kino Roxy realisierte digitale und interaktive Projekt Ciné Cité. In dieser Lernlandschaft kann man Filmgeschichte ganz neu erleben.
Video: So erklärt Ciné Cité Hollywood
Der Laudator nutzt die Gelegenheit für einen kulturpolitischen Impuls
Aber natürlich standen Oswalds Filme «Golden Age» und «Tamina» bei der Laudatio im Mittelpunkt. Bänninger fand dafür die schöne Formel, dass «Oswalds Filme beginnen, wenn sie fragend enden. Sie setzen uns Lichter auf – die den Weg zur eigenen Orientierung ausleuchten.» Das Besondere an den Filmen des Frauenfelder Filmemachers sei, dass sie «nach dem Abspann in unseren Köpfen weiterlaufen», so Bänninger.
Aber Alex Bänninger wäre nicht Alex Bänninger, wenn er nicht auch diese Gelegenheit nutzte, um einen kulturpolitischen Impuls zu setzen: «Die Filme des Preisträgers bringen dem Kulturschaffen Wind in die Segel. Mit nationaler und internationaler Resonanz. Die Fördergelder fliessen zurück als Reputationsgewinn für den Thurgau.» Man durfte das auch als dezenten Hinweis an den Kanton Thurgau verstehen, nicht wieder 25 Jahre verstreichen zu lassen, bis der nächste Filmemacher aus dem Thurgau mit dem Kulturpreis ausgezeichnet wird.
Video: Trailer zu Golden Age
Thurgau: Mehr als Äpfel.
Dass diese Preisverleihung familiär wie stimmungsvoll wurde, lag übrigens auch an den Swing Kids von Dai Kimoto. Mit Jazzklassikern wie «Unforgettable» und «I Heard it through the grape vine» spielte sich das Ensemble mit seinen jungen Musiker:innen souverän und überzeugend ins Herz des Publikums. Und Swing-Kids-Gründer Dai Kimoto ist wahrscheinlich ohnehin einer der coolsten Menschen im Thurgau.
Wie sagte es Kulturkommissionspräsident Hans Jörg Höhener in seiner Rede so schön: «Der Kulturpreis ist ein wichtiger Teil der kulturellen Identität unseres Kantons. Wir können mehr als Apfel.» Das hatte dieser Abend tatsächlich eindrucksvoll belegt.
Der Preisträger und der Kulturpreis
Beat Oswald wurde 1982 in Frauenfeld geboren und wuchs in Aadorf auf. Er besuchte das Lehrerseminar in Kreuzlingen und erwarb das Primarlehrdiplom. Ein Austauschjahr in Florida sowie das Studium der Ethnologie und Publizistik an der Universität Zürich prägten seinen Werdegang. Heute lebt und arbeitet Beat Oswald in Frauenfeld. «Beat Oswald wird für sein eigenständiges dokumentarisches Werk, seine reflektierte und poetische Filmsprache sowie für sein engagiertes Wirken für die Filmvermittlung und Filmkultur im Kanton Thurgau mit dem Thurgauer Kulturpreis 2026 ausgezeichnet.», schreibt die Jury in einer MEdienmitteilung zur Preisvergabe.
Mehr über Beat Oswald gibt es auch bei uns im Archiv:
Der Thurgauer Kulturpreis: Mit dem Preis, der seit 1986 vergeben wird, spricht der Regierungsrat seinen Dank und seine Anerkennung aus für ausserordentliche kulturelle Leistungen von Privaten und von Institutionen, die das kulturelle Leben im Kanton in besonderer Weise bereichern. Eine Auswahl möglicher Trägerinnen und Träger des Kulturpreises wird dem Regierungsrat jeweils von der Kulturkommission des Kantons Thurgau vorgeschlagen. Mehr zu früheren Preisträger:innen gibt es in unserem Themendossier.

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