von Brigitta Hochuli, 09.03.2013
Lesen im KAFF - jung, frech, unkonventionell

Anschi Inauen managt im Jugend-Kulturzentrum KAFF in Frauenfeld für nur 10 Franken pro Abend eine Lesebühne. „Viele junge Menschen interessieren sich für Literatur“, sagt sie.
Interview: Brigitta Hochuli
Anschi Inauen, Sie haben Anfang März im KAFF eine Lesebühne ins Leben gerufen. Inwiefern passt das zum musikalisch doch eher alternativen Angebot für junge Menschen?
Anschi Inauen: Das KAFF bietet nicht nur musikalische Leckerbissen an, sondern eben von Zeit zu Zeit auch einen Poetry Slam, Geschichtsvorträge und auch seit Jahren schon Lesungen. Die Lesungen waren aber immer sehr sporadisch, nur etwa ein Mal im Jahr. Ich kann mich vorallem an Yusuf Yesilöz erinnern oder an Thomas Gsella. Und wir stellen fest, dass sich viele junge Menschen für Literatur interessieren und deshalb auch gerne Lesungen besuchen, am liebsten in jenem Umfeld, in dem sie sich auch sonst bewegen.
Lesungen gibt es im Thurgau aber aber schon viele - besonders im Bodman-Haus in Gottlieben. Warum nun auch noch eine Lesebühne im KAFF?
Anschi Inauen: Das KAFF macht Literatur auch für ein junges Publikum zugänglich, und ich finde es grundsätzlich begrüssenswert, wenn in Frauenfeld mehr Lesungen veranstaltet werden. Eigentlich steckt auch ein bisschen Zufall dahinter. Ursprünglich war im März nur eine Lesung geplant, nachdem aber alle angefragten Autoren zugesagt hatten, hätte ich es schade gefunden, sie nicht einzuladen. Ich sehe die KAFF-Lesebühne daher auch keineswegs als Konkurrenz zu den Lesungen im Bodmann-Haus, da wir ein anderes Publikum ansprechen.
Nach dem gestandenen preisgekrönten Romanshorner Christian Uetz treten am 17. und 29. März mit MC Rene und Renato Kaiser ein Rapper und ein Slammer auf. Was lässt sich aus Ihrer Sicht über die beiden sagen?
Anschi Inauen: Beide jungen Männer sind nicht Schriftsteller im klassischen Sinn, sondern haben ihr Schaffen und Ihre Talente quasi in Bücher verpackt. MC Rene wie auch Renato Kaiser sind wahre Sprachvirtuosen, beide Geschichten sind sehr persönlich, unglaublich lustig und sehr individuell. Renato Kaisers Buch ist zum Beispiel komplett in St. Galler-Dialekt geschrieben, während MC Rene auch öfters eine Freestyle-Passage einwirft. Sie sind beide gute Beispiele dafür, dass Literatur eben auch jung, frech und unkonventionell daherkommen kann.
Ende März müssen Sie den Standort an der Zürcherstrasse verlassen. Wie geht es dann weiter mit der Lesebühne?
Anschi Inauen: Ich bin zuversichtlich, dass auch am neuen Standort die eine oder andere Lesung abgehalten werden kann. Schliesslich handelt es sich dabei doch um leise Kultur, bei der es kaum zu Lärmemissionen kommen dürfte. Eine monatlichen Lesebühne fände ich schön. Und ich fände es besonders interessant, auch AutorInnen aus der Umgebung einzuladen, es gibt viel literarisches Potenzial im Thurgau.
*****
Anschi Inauen: neuerdings hinterm Mischpult
27 Jahre alt, wohnhaft in Frauenfeld, hauptberuflich Buchhändlerin in der Buchhandlung im Volkshaus in Zürich, Betreung des Kultursekreatriats im KAFF und in der Betriebskommission aktiv, ehrenamtliche Mitarbeiterin im KAFF (Bar) und neuerdings auch hinter dem Mischpult vorzufinden (Slivovitz Popova-Soundsystem, Balkanbeats und Gipsysounds)
Lesebühne: am neuen Ort Fortsetzung geplant
Im März (dem allerletzten Monat des KAFF an der Zürcherstrasse 185) ins Leben gerufen, vier Lesungen im März, jeweils (nur) 10 Franken Eintritt, jeweils Büchertisch durch den Bücherladen Marianne Sax, Fortsetzung am neuen Standort geplant, dann allerdings nur noch ein Mal im Monat oder alle zwei Monate

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