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von Brigitta Hochuli, 06.05.2010

Kultur auf dem Lande - Südthurgau

Kultur auf dem Lande - Südthurgau
Jürg Baumberger und Cornelia Schweiwiller. | © Brigitta Hochuli

Brigitta Hochuli

Präsident des Vereins Kultur Südthurgau ist Jürg Baumberger, das Sekretariat führt im Kloster Fischingen Cornelia Scheiwiller-Brüniger. Privat sind die beiden Nachbar und Nachbarin im Sirnacher Dorfkern. Man trifft sich zu Besprechungen auch mal am Stubentisch. Der Informationsaustausch ist also unkompliziert.

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Auszutauschen gibt es viel bei Kultur Südthurgau. Mit der dritten Generalversammlung ging der Verein letzte Woche in das vierte Jahr. Zum Vizepräsidenten neu gewählt wurde als Nachfolger von Gemeindeammann Roland Kuttruff aus Tobel-Tägerschen sein Kollege Robert Meyer aus Eschlikon. Ausbezahlt an Kulturschaffende und Veranstalter wurden im vergangenen Jahr 67 000 Franken. Von den 15 Mitgliedergemeinden gingen 42 000 Franken ein. Jeder Einwohner ist daran mit 1 Franken jährlich beteiligt. Mit dem Kanton besteht eine Leistungsvereinbarung über neu 55 000 Franken. Darin sind 8000 Franken für den eigenen Leistungsauftrag für die Kultur im Kloster Fischingen enthalten. Der Umsatz insgesamt beläuft sich für 2011 auf über 105 000 Franken.

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Nicht nur die Zahlen können sich sehen lassen. Auch die Homepage kultur-suedthurgau.ch ist attraktiv und wird rege als Informationsplattform genutzt. Dreimal jährlich erscheint die Broschüre «Aktuell» mit einer Auflage von 2000 bis 5000 Exemplaren. Sie wird in allen Gemeinden gestreut und enthält eine komplette Agenda. Doch inhaltlich möchte Präsident Baumberger den Verein noch weiter profilieren. Es sollen Schwerpunkte gesetzt werden in den Beziehungen zu den Gemeinden und ihrer Kulturförderung. Der Verein soll auch besser wahrgenommen werden. Es ist ein flächendeckender gleichzeitiger regionaler Kulturauftritt unter Einbezug sämtlicher Dörfer geplant.

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Jürg Baumberger ist Berater im Gesundheitswesen, studierter Soziologe sowie Gemeindepolitiker und Mitglied der kantonalen Kulturkommission. Er ist zudem passionierter Leser, Fotograph und Sänger. Sprache, Schreiben und Geschichte sind seine Steckenpferde. Jürg Baumberger ist eine Integrationsfigur, wie sie sich Kulturamtchef René Munz zur Verwirklichung seiner Politik der Subsidiarität in der kantonalen Kulturförderung nicht geeigneter hätte wünschen können.

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Kultur auf dem Lande, Kultur im Südthurgau, das bedeutet Operette Sirnach, Kultur im Kloster Fischingen, Divertimento Tanztheaterhaus Aadorf, Gong Kulturveranstalter Aadorf mit dem Theater jetzt!, Büx im Löwensaal Sirnach, w.u.k. Wängi und Kultur, Bauernhof Hanfgarten Fischingen, Art-Treff Sirnach, aber auch die Metallharmonie Dussnang oder den Männerchor Ettenhausen.

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Kultur auf dem Lande heisst Kultur ohne grössere Stadt, Kultur auf dem Lande heisst für Baumberger nicht nur Fokussierung auf Leuchtturmpolitik und auf Zuschauerzahlen, sondern «im Mikrobereich» ein Angebot auf der ganzen Palette von volkstümlicher Unterhaltung bis zum hochprofessionellen Niveau. Kultur brauche keinen «Glasgloggeschutz». «Kultur braucht Vermittlung und Unterstützung», sagt Baumberger. Und Rahmenbedingungen! Dann gebe sie der Region nämlich auch etwas zurück und schaffe ein Image. Zwar sei der Hinderthurgi trotz seiner historischen Wurzeln eine am Rande des Kantons oft vergessene Gegend. Aber er habe eine Ausstrahlung, hinter der man sich nicht zu verstecken brauche.

Baumberger glaubt an die Wirkung der Kultur. Als so genannter weicher Faktor sei sie auch ökonomisch letztlich nicht zu unterschätzen. Kultur diene der Strukturgestaltung, werte den Lebensraum auf. «Hier können sich Menschen verwirklichen, indem sie mitmachen und bleiben.» So verstanden sei Kulturpolitik kein rein ästhetisches Unterfangen.

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Mitmachen sollen vermehrt auch die Gemeindepolitiker. Das, findet Jürg Baumberger, habe Charme. Und er freut sich, dass für die Generalversammlung eine ganze Anzahl von ihnen den Weg in die Dammbühlhalle Wängi gefunden haben.

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