von Brigitta Hochuli, 28.11.2012
Kommentar zum Kunstmuseum

Brigitta Hochuli
Als die Verantwortlichen der Kartause Ittingen am 1. Dezember 2011 zur Presekonferenz zum Jahresprogramm 2012 luden, war kein Wort vom Neubau des Kunstmuseums zu hören. Nach der Veranstaltung zeigte mir Direktor Markus Landert aber den möglichen Bauplatz. Ungläubig staunte ich über den schmalen Streifen Land zwischen Kartäuserzellen und Klostermauer im sogenannten Nordhof des heutigen Museums. Hier soll gebaut werden können? Möglich wäre es, meinte Landert und schwärmte von einem White Cube, den ich mir nicht nur innen, sondern auch aussen weiss vorstellte. Ich liess mich begeistern.
Inzwischen wissen wir, der Neubau ist aussen eher schwarz geplant. Und er müsste bei einem Start nächsten Sommer eigentlich nahezu baureif sein.
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Als ich ebenfalls am 1. Dezember 2011 beim Baukommissionspräsidenten der Stiftung Kartause Ittingen nachfragte, ob nach Vorliegen des Vorprojekts eine Ausschreibung erfolge, sagte er, das stehe noch nicht fest.
Inzwischen wissen wir, der Nebau wurde vom Zürcher Architekturbüro Harder Spreyermann, Architekten ETH/SIA/BSA AG geplant und soll zusammen mit der gleichzeitigen Sanierung des Altbaus zu 80 Prozent durch den Kanton finanziert werden.
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Als ich Ende August nach einem informellen Gespräch über Einzelheiten zu Planung und Finanzierung schreiben und sie mir von offizieller Stelle bestätigen lassen wollte, wurde ich dringend aufgefordert, bis zur Pressekonferenz vom 28. September zuzuwarten. Ich tat es, weil für mich gilt: ohne Quelle keine Artikel!
Inzwischen wissen wir, zu Planungsvergabe und Finanzierung gibt es Vorbehalte. Die Frage, ob sich die Stiftung als Bauherrin eines Projekts, das mehrheitlich vom Kanton bezahlt wird, nicht doch dem öffentlichen Beschaffungsrecht unterziehen sollte, wird nun ebenso öffentlich gestellt wie die Frage, ob diese Frage fachjuristisch abgeklärt worden sei.
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Am 5. Dezember wissen wir mehr. Dann ist Budget-Sitzung des Grossen Rats. Spätestens dann werde die Regierung zu offenen Fragen Stellung beziehen. „Dabei werden kulturelle Aspekte oder Fragen zum Lotteriefonds von Monika Knill, Bau- und Kreditfragen sowie öffentliches Beschaffungswesen von Jakob Stark behandelt“, schreibt mir auf Anfrage die Regierungspräsidentin.
Im Sommer 2010 war im Kunstmuseum Thurgau die aussergewöhnliche Ausstellung „Schritte ins Verborgene. Kunst und das Geheimnisvolle“ zu sehen. Sie befasste sich mit einer Thematik, die ebenso alt wie aktuell sei und der für das Verständnis zwischenmenschlicher Kommunikation grosse Bedeutung zukomme, hiess es in einer Medienmitteilung. Sie befasste sich „mit dem Geheimnis und seinen vielfältigen Erscheinungsformen: Ahnung, Verdacht, Misstrauen, Neugier (und partielles Wissen), Verhüllungen und Enthüllungswünsche, Nachforschungen, Diskretion oder das Bedürfnis, ein Geheimnis zu wahren.“
Bis jetzt haben Regierungs- und Departementsvertreter aus der juristischen Abklärung ein Geheimnis gemacht. Hoffen wir, dass sie ähnlich wie die Künstler der „Schritte ins Verborgene“ Schritte zur Aufklärung tun. Denn mit Instransparenz ist der Kunst nicht gedient. Und auch wenn es Kulturinteressierte gibt, die mit dem gewählten Standort hadern, ich kenne niemanden, der ihr den Neubau nicht gönnt. Er ist eine grosse Chance für die Kultur im Thurgau und darüber hinaus. Sie sollte nicht leichtfertig wegen „Verdachts, Misstrauens, partiellen Wissens oder Verhüllungen“ vergeben werden.
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30.11.2012
Wie Regierungspräsidentin Monika Knill angedeutet hat, ist nun die Stellungnahme zur juristischen Abklärung des Vorgehens in Sachen Auftragsvergabe noch vor der Grossratssitzung vom 5. Dezember eingetroffen. Das Departement für Bau und Umwelt spricht von einer “neuen Rechtslage”, was die Bauaufträge betrifft. Sie müssen nach dem öffentlichen Beschaffungsrecht vergeben werden. Der Architekturauftrag sei davon aber nicht tangiert. Mehr dazu über den unten angefügten ersten Link…
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4.12.12: “Peinliche Feuerwehrübung” mit Kommentar “Das Gesetz gilt für alle” (Printausgabe TZ)
3.12.2102: Drei Wünsche in der “Leuchtspur” (TZ)
30.11.2012: Erweiterungsbau Kunstmuseum Thurgau: juristische Fragen abgeklärt (thurgaukultur.ch)
23.11.12: Kunstmuseum: SP will Marschhalt fordern (TZ)
21.11.2012: „Marschhalt gefordert“ (thurgaukultur.ch)
14.11.2012: Mit 16 Millionen in die Challenge League – der Countdown läuft (thurgaukultur.ch)
28.9.2012: Kunstmuseum Thurgau: Mit 16 Millionen in die Challenge League (thurgaukultur.ch)
1.12.2011: Kunstmuseum soll erweitert werden – Standort im Nordhof wahrscheinlich (thurgaukultur.ch)

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