von Inka Grabowsky, 02.03.2026
Klangvielfalt im März

Chöre, Blasorchester, Kammermusik: Der März ist im Thurgau vollgepackt mit Konzerten für jeden Geschmack – von Jazz bis Mahler, von Jugendlichen bis Profis. Eine Übersicht. (Lesedauer: ca. 4 Minuten)
Blasorchester in zweierlei Ausprägung
Mit ihrem traditionellen Galakonzert eröffnet die Jugendmusik Kreuzlingen ihr Orchesterjahr und lädt am 6. und 7. März jeweils um 20 Uhr in den Dreispitz. Unter der Leitung von Stefan Roth präsentieren die drei Orchester JMK Kids, JMK-Teens und das Blasorchester der JMK ihr Programm. Das frühere «Examenkonzert» gilt als Publikumsmagnet. Die jungen Musikerinnen und Musiker zeigen, was sie für die kommende Konzertsaison erarbeitet haben – von ersten Orchestererfahrungen bis hin zur Höchststufe. (Tickets: 18 Franken für Erwachsene)
Die «Grossen», das Symphonische Blasorchester, folgen mit der «symphonia classic» am 27. März 20 Uhr im Presswerk in Arbon, 28. März im Gemeindezentrum in Aadorf und 29.März in der Aula der PMS in Kreuzlingen um 16 Uhr.
Gegen 25 Franken Eintritt (ermässigt 19) kann man unter anderem den Thurgauer Euphonisten Linus Tschopp mit dem «Euphonium Concerto» von Martin Ellerby erleben.
Das SBO will aber auch zeigen, wie es sich auf die kommenden Musikwettbeerbe vorbereitet. Deshalb präsentiert es zum ersten Mal «Quadrants des Rêves» von Franco Cesarini, das Aufgabenstück des diesjährigen Eidgenössischen Musikfestes.
Den Schwerpunkt des zweiten Konzertteils bildet die «Symphonia Luminosa» von Carlos Pellicer. Das Werk dient dem Orchester als Selbstwahlstück für das Fest sowie für den World Music Contest in Kerkrade (NL). Der Komponist, der im Dezember zur Uraufführung des Auftragswerks angereist war, ist voll des Lobes: «Orchesterleiter Stefan Roth hat grossartige Arbeit geleistet – und das bei einem wirklich anspruchsvollen Werk.»
Roth selbst kommentiert: «Für uns als Amateurorchester ist es nicht ohne, ein Stück zu spielen, für das es noch keine Referenz gibt. Aber es ist eben auch spannend, alles selbst zu entdecken.»
Chormusik für gute Laune
«Zwei Chöre, ein Konzert» heisst es offiziell beim Chor Tägerwilen und dem Popchor Konstanz. Aber genau genommen geben sie gemeinsam zwei Frühjahrs-Konzerte: in der Bürgerhalle Tägerwilen am 14. März um 20 Uhr und am 15. März um 12 Uhr. «Happy together» lautet das Motto, an dem man gegen Kollekte teilhaben kann.
Die 90 Sängerinnen und Sänger von beiden Seiten der Grenze haben sich vorgenommen, das Publikum mitzureissen. «Wir wollten ein Projekt zum Thema ‹Gemeinschaft› gestalten und haben einen deutschen Chor angefragt, da wir Gemeinschaft auch über die Ländergrenzen hinweg gestalten wollen», erzählt Nadine Ruf aus dem Vereinsvorstand.
Die Zusammenarbeit trägt Früchte: Es wird auch einen gemeinsamen Auftritt an der Konstanzer Chornacht geben. Zudem laden die Konstanzer die Tägerwiler im Herbst 2026 für ein Gemeinschaftskonzert ein.
«Die Lieder zu erarbeiten ist nicht ganz einfach, aber es macht gute Laune.». Es gibt ein rund 90-minütiges Programm, bei dem es von der Freundschaft zwischen zwei Menschen bis hin zur Weltgemeinschaft geht: von «What about us» bis zu «Imagine». Sowohl die Konstanzer als auch die Tägerwilen bestreiten einen Teil des Konzerts allein. Drei Lieder werden dann zusammen intoniert – eben «Happy together.»
Zur gleichen Zeit, also auch am 14. März um 20 Uhr, kann man im Kulturforum Amriswil einen Chor mit ähnlichem Stil hören: «Swing into Spring» heisst es bei der «vocaljazzaffair». Die gute Nachricht: Wer beide Konzerte hören will, kann deren Programm auch am 20. März, 20 Uhr im Presswerk Arbon und am 22. März um 17 Uhr (Lokremise SG) geniessen.
Die 16 Frauen und sechs Männer zwischen Mitte dreissig und Mitte siebzig teilen ihre Begeisterung für jazzige Harmonien. «Das liegt nicht jedem – deshalb haben wir uns aus allen Teilen der Ostschweiz zusammengefunden», sagt die Chorpräsidentin Cornelia Gerschwiler. Sie seien Amateure in Wortsinn, hätten viel Musikgehör und hohe Ansprüche an ihre Leistung. «Wir singen meist mindestens vierstimmig.»
18 Stücke aus den Bereichen Pop, Swing, Jazz und Latin stehen auf dem Programm - von «Fever» über «I’m walking» oder «Time after time» bis «A night like this». Der Chor unter der Leitung von Rita Keller wird beim Frühjahrskonzert begleitet von Jürgen Waidele am Piano und Arno Haas am Saxophon. Um die Profis honorieren zu können, braucht es Eintritt in Höhe von 30 (ermässigt 20) Franken.
Klassik von jungen und von erfahrenen Musizierenden
Das Orchester Divertimento hat sich zum Beginn des Frühlings für die Konzerte am 21. und 22. März in Kreuzlingen (PMS Aula 19 Uhr) und in Konstanz (Pauluskirche 17 Uhr) Liebeslieder vorgenommen. «Love is in the Air» ist das Motto.
Orchesterleiter Oleksandr Chugai räumt ein: «Ich wollte unbedingt einmal das Adaghietto aus Mahlers 5. Symphonie umsetzten. Es gehört zu dem schönsten, was je komponiert wurde. Seinetwegen habe ich angefangen zu dirigieren. Und deshalb habe ich ein Programm rund um das Stück zusammengestellt.» Mit dem elfminütigen dritten Satz hatte Gustav Mahler einst seiner zukünftigen Frau Alma seine Liebe erklärt. Das Thema Liebe war also gesetzt. «Und alle Künstler lieben Liebesgeschichten», lacht Chugai. «Liebe ist eine der stärksten menschlichen Emotionen. Vielleicht kann man sie mit Musik besser ausdrücken als mit Worten.»
Neben Mahler kommen Elgar, Brahms und Grieg zu Ehren. Kreisler ist mit «Liebesfreude» und «Liebesleid» dabei. Von der Liebeserklärung über die unerfüllte Liebe bis zur Hochzeit wird alles thematisiert. Das titelgebende «Love is in the Air» ist als Zugabe geplant. Es lohnt sich also, ordentlich Applaus zu spenden – neben den Geldscheinen für die Kollekte.
Oleksandr Chugai wird am 28. März noch einmal in Kreuzlingen auftreten: Mit seinem «Chugai Chamber Ensemble» kommt er ins Kult-X (und am 29.3. ins Schloss Rapperswil). Thema dieses Konzerts: «Vier M – Komponisten im musikalischen Dialog». Es geht um Mahler, Mozart, Mendelssohn und Martin.
Video: So probt das Orchester Divertimento
Das Jugendorchester Thurgau spielt am 15. März um 17 Uhr in der katholischen Kirche Weinfelden, am 21. März um 19.30 Uhr in der evangelischen Kirche in Arbon und am 22. März in der evangelischen Kirche Steckborn. Nach dem Konzert gibt es jeweils eine Kollekte. Auf dem Programm stehen Mendelssohn-Bartholdys Sinfonie für Streichorchester Nr. 1, Stamitz’ Cellokonzert Nr. 3 und Schubers Sinfonie Nr.5.
Dirigent Gabriel Estarellas Pascual ist künstlerischer Leiter und damit für die Programmierung zuständig. «Man schaut, dass es ansprechend für das Publikum ist», sagt Orchestersprecherin Lea Gabriela Heinzer. «Aber es geht auch um die Jugendlichen, die gefordert werden wollen. Wir versuchen schliesslich junge Menschen für die klassische Musik zu begeistern.»
Die Cellistin Johanna Schweizer aus dem rund vierzigköpfigen Orchester wirkt dieses Mal als Solistin mit. «Sie konnte mitbestimmen. Und deshalb ist die Wahl auf das Stück von Stamitz gefallen», so Heinzer.

Von Inka Grabowsky
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