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von Judith Schuck, 12.02.2024

Das KAFF wird ein bisschen erwachsener

Das KAFF wird ein bisschen erwachsener
S.G.A.T.V. aus Winterthur weihen die neue Bühne im KAFF ein. | © Beni Blaser

Militär geht, Kultur kommt – und bleibt vorerst. 20 Jahre nach der Gründung des Kulturvereins Kulturarbeit für Frauenfeld (KAFF) im Jahr 2004 ist er dauerhaft an einem Ort angekommen. (Lesedauer: ca. 4 Minuten)

Das KAFF auf Dauer, ein Holzpavillon, der zunächst mobil geplant wurde, darf nun bis 2034 auf dem Unteren Mätteli, einem Parkplatz unterhalb der Stadtkaserne und in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Frauenfeld, stehen. Von Standorten in der Vorstadt, in der Murgstrasse und schliesslich in der Grabenstrasse ist jetzt vorerst genug mit Zügeln. Zwar waren die Verhandlungen mit der Stadt anfangs nicht immer einfach; aber am Ende sei es eine sehr gute Zusammenarbeit gewesen, sagt Vereinspräsident Julien Pizzini.

Mit dem Auszug des Militärs aus der Frauenfelder Innenstadt gehen dessen Liegenschaften an die Stadt über. Neben der Stadtkaserne gehört auch das Untere Mätteli zum Areal, das im Rahmen der Stadtentwicklung „Murgbogen“ umgenutzt werden soll. Eine Umfrage bei der Bevölkerung ergab, dass sie sich vor allem eine kulturelle Nutzung für die freiwerdenden Räume und Flächen wünscht.

Für das KAFF ist der Parkplatz ideal. Zentral, bahnhofsnah und andere Kultureinrichtungen wie die Theaterwerkstatt Gleis 5 oder der Verein Freundeskreis, der im Sommer einen Bar- und Veranstaltungsbus, die Halti-Bar, auf dem Unteren Mätteli betreibt, in unmittelbarer Nähe.

Viel Freiwilligenarbeit machte es möglich

Dank einem immens hohen Einsatz an Fronarbeit der KAFF-Mitglieder konnte der Holzpavillon am letzten Wochenende des Jahres 2023 eröffnet werden. Die Fassade ist noch etwas nüchtern, aber im Konzertraum sieht es schon richtig heimelig aus. Das KAFF ist für 200 Leute angelegt, bei der Eröffnung passten auch ein paar mehr rein.

„Beide Abende waren ausverkauft“, sagt Julien Pizzini. Er begleitete gemeinsam mit dem Vorstand den gesamten Prozess der Bauplanung und -umsetzung und verbrachte ab Oktober unzählige Stunden mit den Vereinsmitgliedern auf dem Unteren Mätteli, um den Holzpavillon aufzubauen und betriebsbereit zu machen. Während am Samstagabend viele altbekannte Gesichter und ein ganz durchmischtes Publikum das neue KAFF einweihten, kamen zur Silvesterparty am Sonntag vor allem jüngere Leute. Die Anwesenden hätten sich über Konzertraum und Wintergarten gut verteilt.

Dass es nach gut drei Jahren endlich wieder einen festen Ort für die alternative Szene in Frauenfeld gibt, feierten die Mitglieder und Gäste beim Re-Opening mit Live-Acts und DJs. „Wie Sisyphos einst vor einer nie endenden Aufgabe stand, erging es uns ein paar Jahre lang. Der Brocken ist bei uns jedoch auf dem Berg angekommen und wir werden ihn hegen und pflegen!“, heisst es auf der Programmseite.

 

Künstler:innen wie Mia Nägeli, die Zweite von rechts mit Brille, haben im Kaff ihre ersten Bühnenerfahrungen gesammelt. Bild: Beni Blaser

Kampf um den Bau im Zeiten von Pandemie und Energiekrise

An den ursprünglich veranschlagten 900.000 Franken beteiligten sich Stadt Frauenfeld und Kanton mit je einem Drittel der Kosten. Ein Crowdfunding brachte 100.000 Franken ein und den Rest wollten sie mit Stiftungs- und Sponsoringgeldern stemmen. Pandemie und Krieg, aber auch höhere Anforderungen bei Dämmung, Lärmschutz und für den Minergie P-Standard, trieben die Kosten in die Höhe. Doch mit Vereinfachungen am Bau konnte die Gesamtsumme auf 1,1 Millionen zurückgeschraubt werden.

„Wir haben das mit den Finanzen gerade so hinbekommen. Dass wir das so gut berechnet haben, ist eine starke Leistung“, findet Pizzini. Einen Grossteil stemmten sie in Eigenarbeit, sonst wäre das alles nicht möglich gewesen. „An den Samstagen ab Anfang Oktober 2023, als wir mit dem Aufbau starteten, waren wir bis zu 15 Leute, die mit anpackten.“ Die Idee für den Pavillon kam ebenfalls aus eigenen Reihen, vom ehemaligen KAFF-Mitglied und Architekten Joel Introvigne. Nach zwei Monaten Vollgas hätten sie schliesslich ihr Ziel erreicht. „Bis zur Silvesterparty haben wir das dringend Nötigste gemacht. Jetzt kommt doch das, was fehlt“, sagt Julien Pizzini.

Dazu gehört der Boden, lasiertes Holz, der im derzeitigen Zustand nicht lange halten wird. Wenn das Wetter wieder freundlicher wird, kommt dann die Fassade, der Wintergarten, der Sockel etc. dran. Im Aussenbereich könnte künftig auch eine Art Biergarten entstehen. Wer hier Lust hat, sich einzubringen, kann sich beim KAFF melden.

Die Vorteile des Eigenbaus

„Die Arbeit war streng, aber schön. Dass wir so viel selbst gemacht haben, hat den Vorteil, dass wir nun unser KAFF richtig gut kennen und viel selbst reparieren können.“ Mühsam waren die dreieinhalb Jahre, in denen Gelder gesammelt und Bewilligungen eingeholt werden mussten.

Eine kraftzehrende Zeit, in der sich in erster Linie der Vorstand einbrachte. Junge Leute wollten sich vor allem kulturell engagieren, sagt Pizzini. Aber jetzt, wo das KAFF steht, sei der Verein auch wieder auf der Suche nach Freiwilligen, die sich einbringen wollen, sei es hinter der Bar oder beim Organisieren und Durchführen von Konzerten und Veranstaltungen.

Mit dem neuen KAFF möchte sich der Verein weiterentwickeln und professioneller werden. Zwar lebt der Kulturverein von der ehrenamtlichen Tätigkeit der Mitglieder. Mit den neu geschaffenen Stellen möchte der Verein diejenigen, die mehr Verantwortung übernehmen, ein wenig entlohnen: die Wirtestelle hat Julien Pizzini, die PR-Stelle besetzt Nico Stucki, die Geschäftsstelle Christa Baumann und die Technische Leitung übernimmt Jon Brunke. Pensum und investierte Zeit lägen aber noch weit auseinander, so Pizzini.

 

Ein Foodstand zur Stärkung an der Eröffnung am Unteren Mätteli. Bild: Beni Blaser

Das Programm soll vielfältiger werden

Der Plan ist zunächst, Freitag und Samstag regelmässig Konzerte zu veranstalten. Am Donnerstag soll ein Treffpunkt entstehen, an dem man sich für Karaoke oder Spiele trifft. Alles soll eine Nummer grösser werden als bisher, aber trotzdem den Charme und die Niederschwelligkeit behalten.

„Das Programm soll allgemein vielfältiger werden. Wir sind zwar ein Jugendkulturverein, möchten uns aber für alle Genres öffnen“, sagt Pizzini. Auch Kooperationen könnten wieder aufgenommen oder neu geknüpft werden. Denkbar wären Lesungen in Zusammenarbeit mit Sax-Books. „Wir sind ganz offen und noch dabei, uns zu finden.“

Was die Technik betrifft, hätten sie sich gleich für den neuesten Stand entschieden und direkt positive Rückmeldung von den Bands bekommen. Es gilt zwar noch das Darlehen für den Bau zurückzubezahlen, aber alles in allem kann es jetzt wieder richtig losgehen mit einem neuen KAFF, das vielleicht noch ein bisschen offener für Alle ist. Barrierfreiheit ist im Pavillon natürlich inklusive.

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