von Brigitta Hochuli, 13.12.2014
Ihr Kinderlein kommet

Brigitta Hochuli
„Ihr Kinderlein, kommet, o kommet doch all‘!“ ist im Moment ein Lieblingslied der Enkelin. Und Omama ist gottenfroh, dass sie noch nicht erklären muss, wie und warum genau es den himmlischen Spross in den nächtlichen Stall verschlagen hat. Etwas Anschauungsunterricht hätte sie der Zweijährigen aber in der Kreuzlinger Basilika St. Ulrich gerne geboten. Doch statt der Weihnachtskrippe, die sie in Erinnerung hatte, fand sie den Ölberg mit den berühmten Arvenholz-Figuren vor und verzichtete auf die Geschichte dazu.
Zum Glück probten gerade die Chöre und Orchester der Pädagogischen Maturitäts- und Hochschulen für ihre Weihnachtskonzerte vom Sonntag und Montag. Zwar erklang nicht des Kindchens Lieblingslied, aber das Programm vermochte es (wenigstens zu Beginn) durchaus zu fesseln. Es steht ganz im Zeichen der Dankbarkeit Marias für die Grösse des Herrn, unter anderem auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut zu haben (magnificat anima mea Dominum). Es erklingen Magnificat-Vertonungen von Arvo Pärt, Johann Pachelbel, Vic Nees und Pietro Torri. Letzterer wurde übrigens vom Lengwiler Arne Thielemann als Komponist des bisher anonym überlieferten doppelchörigen Magnificats in C-Dur aus Bachs Notenbibliothek identifiziert. Und bei Vic Nees singt die Sopranistin Irina Ungureanu mit, die auch im Thurgau längst kein Geheimtipp mehr sein sollte.
Vor dem Kirchenbesuch waren Omama und Enkeltochter am Bärenplatz vorbeigekommen, wo Dutzende von Christbäumen zum Verkauf stehen und ein ganz grosses, prächtig leuchtendes Exemplar seit Omamas Jugendzeit den Eingang zum heutigen Boulevard schmückt. „O Tanäbaum“, sagte das Kind. Es ist das zweitliebste Weihnachtslied in seinem Repertoire.
***
P.S:
Krippenservice
Ich habe mich bei einer Freundin erkundigt. Die Kreuzlinger Filmerin Monica Schär klärt mich darüber auf, dass die Kirchen die Krippen nicht schon im Advent, sondern erst auf Weihnachten hin herrichten. In der Stefanskirche in Konstanz zum Beispiel werde das Christkind sogar erst während der Mitternachtsmesse feierlich in die Krippe gelegt. Die Krippe in der Basilika St. Ulrich in Kreuzlingen stehe jeweils beim Seitenaltar vorne links. Für die kindliche Sicht empfiehlt sie Omama, mit der Enkelin die katholische Kirche Romanshorn zu besuchen. "Dort gibt es ebenfalls vorne links lebensgrosse Figuren, die Kinder sehr ansprechen." Das weiss Monica Schär aus ihrer eigenen Kindheit. "Kitschig, aber sooo schön!"

Weitere Beiträge von Brigitta Hochuli
- Kultur für Familien: Was im Thurgau noch fehlt (06.09.2018)
- Rätsel gelöst: So alt ist der Kunstraum Kreuzlingen (29.06.2018)
- Musikschule Kreuzlingen sucht Verbündete (14.06.2018)
- Kult-X in WM-Stimmung: Das etwas andere Public Viewing (29.05.2018)
- Unterm Sternenhimmel (13.05.2018)
Kommt vor in diesen Ressorts
- Musik
- Kolumne
Kommt vor in diesen Interessen
- Blog
- Omama
Ähnliche Beiträge
Unterm Sternenhimmel
Museums- und Muttertag in einem sind wahrlich geeignet, aus dem Thurgauer Angebot etwas Besonderes zu wählen. Omama, Tochter und Enkelin haben sich in Kreuzlingen unter die Sterne begeben. mehr
„Flow“ - was Mehl alles kann
puppenspiel.ch zeigte In der Frauenfelder Werkstatt Gleis 5 erstmals Theater für die Allerkleinsten. Omama und ihre Enkelin waren von der poetischen Premiere beide auf ihre Weise fasziniert. mehr

