von Brigitta Hochuli, 24.02.2012
Goal!

Brigitta Hochuli
Zweimal Goal für „Der Goalie bin ig“ und das Gottlieber Bodman-Literaturhaus. Die Organisatoren mit Programmleiter Stefan Keller gingen erstmals hinaus aus ihrem Riegelhaus im Dorf hinein in die Stadt. In der Kantonsschule Kreuzlingen war der von Patent-Ochsner-Musiker Christian Brantschen begleiteten Lesung von Pedro Lenz ein grosses gemischtes Publikum beschieden. Unter ihm sass jene junge Generation, die künftig ihrerseits hinausgehen möge aus den Literaturhäusern, um allenfalls wiederum den Nachwuchs zu sichern.
Nicht alle Schüler waren ganz freiwillig gekommen – die Klasse des Deutschlehrers Markus Leutenegger zum Beispiel absolvierte einen Pflichtbesuch. Aber trotzdem: Den Versuch war es wert! Zumal sich auch die Jugend amsüsiert haben dürfte. Pedro Lenz war in Hochform, die Geschichte seines Goalie ist eine feinfühlige und nicht zuletzt wegen des Berndeutschen eine humorige. Wenigstens für Ostschweizer Ohren. Wie „Der Keeper bin ich“ auf Hochdeutsch klingt, bleibe dahingestellt. Kaufen kann man die Übersetzung seit Mittwoch.
Und noch etwas zur Vorabstimmung rund um die Buchpreisbindung. Der reale Büchertisch in der Mensa der Kantonsschule war begehrt. Dort fand sich auch „Das Kleine Lexikon der Provinzliteratur“, das Pedro Lenz 2008 in zweiter Auflage herausgebracht hat. Das Lexikon beginnt mit Ammon, Sandra (Weinfelden, 1961) und es beschreibt unter vielem die „Bohèmiens vom Bodensee“ (sic!). Zu ihnen gehören ein David Lüscher aus Kreuzlingen und ein Franz Fischli aus Steckborn. Nicht alles ist überprüfbar in diesem Lexikon, aber es ist lustig und kenntnisreich. Wer es genauer haben möchte, lese „Bohème am Bodensee“ von Manfred Bosch. Es ist bei Libelle in Lengwil erschienen und reicht, wie der Arm des Bodmanhauses, weit über das Dorf hinaus.
*
Kommentare zu «Goal!»
Gerda Imesch | 24.02.2012, 18.57 Uhr
Dieser Abend war ein wahrer Hörgenuss. Pedro Lenz hat ein sprachliches Feuerwerk versprüht, das durch die stimmige Klavierbegleitung von Christian Brantschen noch unterstrichen wurde. Es zeigt sich wieder einmal, dass das Berndeutsche mit seinem reichen Wortschatz besonders gut geeignet ist, die ganze Gefühlspalette der menschlichen Befindlichkeiten auszudrücken. Zuhören ist allerdings einfacher als das Lesen des Mundarttextes. Deshalb habe ich mir statt des Buches lieber das Hörbuch “Der Goalie bin ig” gekauft.
Es war erfreulich, den grossen Publikumsaufmarsch in der Kanti-Aula zu sehen. Das ist nicht bei allen Veranstaltungen des Bodmanhauses so. Ich wünsche dem Bodmanhaus noch viele ebenso erfolgreiche Lesungen.
Dieter Langhart | 25.02.2012, 13.08 Uhr
Hier ist Mathias Freis Bericht in der Thurgauer Zeitung nachzulesen:
http://www.thurgauerzeitung.ch/ostschweiz/thurgau/tz-ku/art123838,2879057
Frédéric Bosshard | 29.02.2012, 17.07 Uhr
Ein wahrlich gelungener Abend, den Stefan Keller und Annette Hug da auf die Beine gestellt haben. “Aube würklech huere geil gsi”. Für das Bodman Haus wünsche ich mir, dass das weitere Programm im gleichen Stile auf Interesse stösst, wie bei diesem frischen Literaturabend. Übrigens ist es mir ein Anliegen, auch in den Kreuzlinger Nachrichten vermehrt die regionale Kulturschaffenden zu unterstützen. Also melden, falls dies auch in Eurem Interesse wäre.

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