von Brigitta Hochuli, 10.06.2016
Geboren im Thurgau

Der 10. Manor Kunstpreis des Kantons Zürich geht an den in Frauenfeld geborenen Künstler Christoph Eisenring. Der junge Geehrte ist talentiert und vielversprechend, ein Thurgauer ist er aber nicht.
Brigitta Hochuli
Anfang Woche gibt das Kunstmuseum Winterthur bekannt, wer mit dem Manor Preis des Kantons Zürich ausgezeichnet wird: Christoph Eisenring, geboren 1983 in Frauenfeld. Flugs geht die Meldung online, denn Kunst wird hierzulande manchmal allein deswegen ein Thema, weil sie ein Thurgauer macht.
Doch es meldet sich Skepsis an. Genügt es, in Frauenfeld geboren zu sein, um ein Thurgauer zu sein? Aufgewachsen ist Eisenring in Winterthur, es finden sich bei der Recherche keine künstlerischen Bezüge der Person zum Kanton. So flugs wie sie online war, ist die Meldung wieder vom Netz.
Ein Telefonat mit der Kuratorin in Winterthur bringt keine Klärung. Langsam wird die Spurensuche spannend. Es meldet sich zudem der Thurgauer Kulturkommissionspräsident Hans Jörg Höhener. Auch ihm ist aufgefallen, dass der Bezug zum Thurgau fehlt. Nun erreichen wir Christoph Eisenring persönlich. „Ich bin im Spital Frauenfeld zur Welt gekommen, aufgewachsen bin ich in Winterthur - Thurgauer bin ich keiner.“
Unser Fazit? Vorsicht mit dem Thurgaubezug! So wichtig er ist als Bedingung für Preise oder Förderbeiträge, so irreführend ist er, wenn Lebensläufe mit einer Entbindung beginnen. Geboren in Frauenfeld sind viele von jenseits des Kantons, geboren in Münsterlingen gar viele von jenseits des Landes.
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Wir gratulieren trotzdemWir gratulieren Christoph Eisenring zum Manor Preis, auch wenn er kein Thurgauer ist. Verdient hat er ihn gemäss Mitteilung allemal. Studiert hat der 1983 in Frauenfeld Geborene an der Hochschule der Künste in Bern sowie an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel. Heute lebt und arbeitet er in Winterthur und Schaffhausen. 2015 wurde er mit dem Förderpreis der Stadt Winterthur ausgezeichnet. Eisenrings Werke wurden in den letzten Jahren in Einzelausstellungen - in der Galerie Wenger in Zürich und in der Galerie Gisèle Linder in Basel - sowie innerhalb verschiedener Gruppenausstellungen gezeigt. |

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