von Brigitta Hochuli, 05.09.2012
Expo 27

Brigitta Hochuli
“Stein und Beton – Zivilisation ist auf Stein gebaut”, so lautet am Wochenende das Motto der Europäischen Tage des Denkmals. Der Thurgauer Unternehmer Hermann Hess, ausgebildeter Pianist, Kulturliebhaber, Initiator des Kulturforums Amriswil und Vorstandsmitglied des Vereins Expo 2027 Bodensee Ostschweiz, freut sich über dieses Motto. Dass Zivilisation auf Stein gebaut sei, habe man leider bei der Expo 02 vergessen, schreibt er als Antwort auf einen unserer Newsletter. „Es ist schade, dass es davon praktisch keine Zeugnisse mehr gibt.“ Diese Manie, nur ja keine Spuren hinterlassen zu wollen, sei unmenschlich und letztlich auch kulturfeindlich, sagte er in einem Tagblatt-Interview.
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Genauso interessant wie die Spuren aus Stein ist aber der Vorschlag eines internationalen Kongresses für direkte Demokratie in Europa. „Ich finde eigentlich die direkte Demokratie eines der wichtigsten kulturellen Anliegen unseres Landes – gerade angesichts der desolaten Lage, in welche sich viele Staaten um uns herum manövriert haben“, sagt Hermann Hess auf eine Anfrage von thurgaukultur. „Mehr Mitsprache der Bürger hätte solche Entwicklungen bestimmt verhindert. Je länger je mehr ist diese Sache existenziell wichtig – und damit irgendwie auch kulturell.“
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Auch in der Kulturhauptstadt Pfyn ist schon über die Expo 27 nachgedacht worden. Im Rahmen ihrer letztjährigen Debatten hatte die Kulturstiftung des Kantons Thurgau am 29. August in der Trotte sogar den Auftrag gefasst, ein Engagement der originellsten Ostschweizer Kultur-Köpfe zu lancieren. Als „nicht konkret“ liegt die Idee zurzeit aber auf Eis.
„Die direkte Demokratie nach Schweizer Verständnis ist vielleicht der zukünftig beste Exportartikel, den die Schweiz zu bieten hat“, pflichtet Alex Meszmer, der Mit-Initiator der Kulturhauptstadt, Hermann Hess bei. Die direkte Demokratie bilde die Basis für eine offene und tolerante Kultur, in der man die Dinge neben einander stehen lassen könne, ohne sofort eine richtige oder eine falsche Lösung zu finden. Die Idee der Demokratischen Kunstwochen als Herzstück des Pfyner Kulturhauptstadtprogramms sei es denn auch, ein solches Projekt von unten gemeinsam aufzubauen. Alex Meszmer denkt dabei an die Occupy-Bewegung oder an Pussy Riot. Das seien anarchistische Provokationen von Künstlerinnen und Künstlern, die Ideale wie Meinungsfreiheit und Freiheit der Kunst aktiv verträten.
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Mögen der freisinnige Amriswiler Wirtschaftsmann Hess und der deutsche Künstler Meszmer das Heu nicht in jeder Hinsicht auf der gleichen Bühne haben, ein Anfang für eine erneute Diskussion ist mit ihren Statements gemacht. Ein europäischer Demokratiekongress an der Expo 27? Eine tolle Perspektive, finde auch ich – und auf jeden Fall genug Zeit, ihr mit jungen Kräften Konturen zu verleihen!
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Kommentar zu «Expo 27»
Alex Bänninger | 07.09.2012, 23.07 Uhr
Wenn im Rahmen der Expo 27 ein internationaler Kongress stattfinden soll, dann genügt es, mit der Vorbereitung in zehn Jahren zu beginnen. Die Schweiz soll nicht schulmeisterlich auftreten. Trotz direkter Demokratie kann sie weder eine blütenweisse Weste vorweisen noch die Lösung aller wichtigen Probleme. Im Ausland mehr helfen soll die Schweiz und ihre guten Dienste anbieten. Und selbstverständlich vor der eigenen Türe wischen. Taten statt Worte.

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