von Brigitta Hochuli, 01.07.2014
Ergötzen - aber wie?!

Brigitta Hochuli
Vor Thomas Götz ist niemand gefeit. Nicht einmal thurgaukultur.ch. Aber was der Kabarettist aus Weinfelden in seiner vorletzten Vorstellung über uns gesagt hat, erregte die Gemüter. Er kritisierte eine unserer besten Schreiberinnen, weil sie eine seiner früheren Darbietungen als „nicht zwackend“ bezeichnet, ihn auf einen von ihm selbst propagierten „frecheren und forscheren Inhalt“ behaftet und einige grosse Thurgauer Namen aufgezählt hatte. Kam hinzu, dass Götz zur näheren Beschreibung unserer Kritikerin deren Ehemann zu Hilfe nahm, und zwar - so Götz auf Nachfrage - mit den Begriffen 30 Millionen und EKT.
Das ist in verschiedener Hinsicht problematisch. Es handle sich um eine persönliche Diffamierung der Kritikerin, der Hinzuzug ihres Mannes sei eine billige Zote, das Ganze schlicht respektlos, schrieb uns einer, der im Gegensatz zu uns im Theaterhaus anwesend war. Andere finden, die Definierung einer Journalistin über deren Ehemann sei machomässig veraltet. Ich selber finde, die Verbindung mit dessen früherer Tätigkeit bedeute ein Unterstellung.
Thomas Götz selber sieht in all dem kein Problem. „Das war nicht böswillig“, sagt er. In der besagten Kritik habe ihn der Vorwurf gestört, er schone die Politiker. Explizit geäussert hatte die Kritikerin diesen Vorwurf allerdings nicht. Aber sie nannte wie gesagt die damals anwesende Prominenz beim Namen. Und das ist bei Götz ein Phänomen. Sie kommt regelmässig, in Scharen und neuerdings betätigen sich Politiker für Götz sogar als Filmschauspieler.
Allen voran kommt Regierungsrat Jakob Stark. Auch am letzten Freitag war er dabei. Meine Frage, ob er die Kritik an der Kritikerin lustig oder eher problematisch finde, beantwortete er allerdings nicht. Zu den Inhalten der Anlässe wolle er sich nicht äussern als Regierungsrat. „Ich besuche die Vorstellungen eigentlich als Privatperson, bin mir aber bewusst, dass eine Trennung schwierig ist.“ Zu den schauspielernden Politikern meint er: „Die Mitwirkung von Regierungsräten muss tatsächlich gut überlegt sein und soll nicht die Regel werden. Andererseits ist es auch wichtig, wenn Regierungsräte Humor beweisen.“
Hingegen erklärt Jakob Stark seine häufige Präsenz. „Ich habe bisher bis auf eine Vorstellung alle Anlässe von ,Ergötzliches‘ besucht (einmal war ich verhindert), weil ich diese Anlass-Form sehr interessant und für den Kanton Thurgau sehr wertvoll finde, weil hier unter anderem Thurgauer Politik thematisiert wird, überhaupt der Thurgauer Raum thematisiert wird. Zudem bin ich in der Region Weinfelden wohnhaft.“
Was geschähe, wenn Thomas Götz mit Regierungsrat Jakob Stark so unfair umginge wie mit unserer Kritikerin, weiss ich natürlich nicht. Er mache nicht auf „Glanz und Gloria“, hatte Götz am Freitag noch gesagt. Mag sein, doch Prominenz in dieser Anhäufung macht eben gerade das aus.
P.S: Mitarbeiter der SRF-Sendung „Glanz & Gloria“ waren laut Thomas Götz übrigens am Freitag ebenfalls anwesend. Der Witz also eigentlich einer für Insider!

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