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von Urs Oskar Keller, 03.10.2025

Ein leidenschaftlicher Büchermacher

Ein leidenschaftlicher Büchermacher
Der Verleger und Bücherliebhaber Bruno Oetterli aus Dozwil. | © Urs Oskar Keller

Augenblicke (17): Bruno Oetterli Hohlenbaum (82) ist ein Menschenfreund und unermüdlicher Verleger. Seit 1971 lebt und wirkt er in Dozwil TG hoch über dem Bodensee. Unser Fotokolumnist kennt ihn seit 2007. Beide verbindet das Interesse an Kunst und (englischer) Literatur sowie am Büchermachen. (Lesedauer: ca. 2 Minuten)

Bruno Oetterli, in Schaffhausen aufgewachsen, ist in Dozwil ein Zugewanderter, aber einer, der geblieben ist. Zunächst liess er sich zum Primarlehrer ausbilden und an der Universität Zürich hierauf in den Fächern Deutsch, Englisch, Französisch und Geschichte zu dem Beruf, den so ziemlich alle, die in Dozwil literarisch tätig waren, ausübten: zum Sekundarlehrer. 

Bruno Oetterli war von 1975 bis 1994 auch Gemeinderatsschreiber von Dozwil. Erst als er dieses Nebenamt niedergelegt hatte, begann er, sich mit grossem Engagement der Literatur zu widmen.

 

Der Verleger und Bücherliebhaber Bruno Oetterli aus Dozwil. Bild: Urs Oskar Keller

1996 gründete er auf Schloss Eppishausen «Signathur Schweiz»

1996 gründete er auf Schloss Eppishausen «Signathur Schweiz» als – wie es auf der Website heisst – «Vereinigung literarisch Interessierter vor allem auf der Schweizer Seite des Bodensees». Darüber hinaus ist die Vereinigung offen für Schreibende aus allen Kantonen der Schweiz und für deutschsprachige Autoren aller Länder. «Diesen weitgespannten Anspruch setzt ‹Signathur› tatsächlich um, obgleich schon ein Blick auf die Website klar macht, dass es sich um eine eigenwillige Vereinigung handelt, die sich keinen Deut um den Mainstream schert», schreibt Albert M. Debrunner im «Literaturführer Thurgau» (Huber Verlag 2008). 

Seit fast 30 Jahren ist sein kleiner Verlag zu einer etablierten Anlaufstelle geworden. «Wir führen einerseits ein Buchantiquariat und verkaufen unsere Eigenpublikationen. Alle Bücher der EDITION SIGNAThUR gehören zu den Eigenpublikationen des Verlages», sagt Oetterli. Sein Verlag ist spezialisiert auf zweisprachige Titel aus der englischen Literatur, neuerdings auch auf Italienisch. Dazu erscheinen belletristische Werke in deutscher Sprache. 

Von 1997 bis 2006 gab Oetterli das Literaturmagazin «Harass – die Sammelkiste der Gegenwartsliteratur aus dem Sängerland» (22 Nummern) heraus. Er selbst sieht sich als Büchermacher und Herausgeber, oft inklusive Layout und Vertrieb. Seine eigenen Publikationen beschränken sich auf lokalgeschichtliche Stoffe und auf Beiträge in Anthologien.

Internationale Autorinnen und Autoren

Die EDITION SIGNAThUR ist ohne die Person von Bruno Oetterli Hohlenbaum (82) undenkbar; er ist aber auf die Zusammenarbeit mit internationalen Autorinnen und Autoren angewiesen. Es entstand ein Netzwerk vor allem mit Anglisten, die sich William Shakespeare und den englischen Romantikern widmen. Dabei ergab sich eine Spezialisierung auf Shakespeares Sonette. 

So ist die Präsenz mit einem Bücherstand an den Jahrestagungen der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft sozusagen zur Pflicht geworden. Beachtet wurden und werden vor allem die weltweit einzige Anthologie zu 400 Jahre Shakespeare-Sonette (1609–2009) «William Shakespeare’s Sonnets for the First Time Globally Reprinted. A Quatercentenary Anthology – compiled by Jürgen Gutsch, Munich, and Manfred Pfister, Berlin» und der sogenannte Walliser Shakespeare von Markus Marti (2010).

 

Der Verleger Bruno Oetterli bei einer Lesung. Bild: Urs Oskar Keller

Grosse Leistung, wenig Beachtung

Soeben ist der 152. Titel in diesem Dozwiler Verlag erschienen (H. Schwaller, «Lucca nello specchio della letteratura»), und weitere sind in Vorbereitung. Nach wie vor hält Bruno Oetterli die Fäden in der Hand, kümmert sich um alle Abläufe und kämpft für seine Bücher, für seine Autorinnen und Autoren, für seinen Verlag. 

Eine Leistung, die im Thurgau auch nach 29 Jahren noch kaum Beachtung findet, obwohl im Verlagsprogramm mit Ludwig Bernays, Ernst Herhaus, Heidi Niederhäuser, Hans Peter Niederhäuser, Marianne Ulrich und Hans-Jörg Willi auch Thurgauer Autoren und weitere Schweizer enthalten sind.

 

Die Serie «Augenblicke»

In der Fotokolumnen-Serie «Augenblicke» zeigt Urs Oskar Keller besondere Momente aus seiner Zeit als Foto-Reporter in unserer Region. Zu den Fotografien schreibt er in kurzen Texten auch, wie die Aufnahmen entstanden sind und was sie so besonders macht. Gewissermassen entsteht so eine kleine Geschichte besonderer Foto-Momente aus den vergangenen 50 Jahren. In einem Interview hat er erläutert, wie er die Momente eingefangen hat.

 

Alle weiteren Beiträge der Serie bündeln wir in einem Themendossier

 

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