von Brigitta Hochuli, 01.02.2015
Edelweiss

Brigitta Hochuli
Omama geht mit der Zeit und nimmt sich Zeit. Sie informiert und orientiert sich im Internet. Twitter liefert ihr die News, Facebook die gepflegte Unterhaltung (Es kommt halt auf die Freunde an!). Neulich bot Künstler Jürg Schoop Ergänzendes zum Thema Suhrkamp Verlag. Immer wieder beglückt Verleger Ekkehard Faude mit einem Bettmümpfeli aus seiner Mediathek. So schrieb er vom sonntagmittäglichen Wunschkonzert des österreichischen Rundfunks, das ihn als Zwölfjährigen fasziniert hatte. Angejahrte (!) Hörerinnen hätten sich in dieser Sendung häufig ein Lied gewünscht, „das über einen BUAM ging, der in den berg kraxelte, weil sein MADEL von ihm ein edelweiss verlangte („es blüht versteckt, weit in der höh“). Das Ende des Lieds: „der abend naht, der morgen kommt / der bua kehrt nimmer zurück“.
Der angejahrten Facebook-Omama kam ein ursprünglich ähnlich angelegtes Schicksal in den Sinn, jenes des „Hänschen klein“ nämlich, das sie der Enkelin zurzeit vorsingen muss. Dieser fesche Bua besinnt sich eines besseren, denn „die Mutter weinet sehr“. Und so kehrt er zu ihr zurück! Am liebsten ist der Enkelin der „truurigi“ Teil dieser Geschichte. Entsprechend kosten ihn Kind und Grossmutter bis zum Happy End gesanglich aufs dehnbarste aus.
A propos Edelweiss. Faudes Kindheitserinnerung wurde genüsslich kommentiert, bis er an die Ausstellung über die „Entblätterung eines nationalen Symbols“ (Kulturmagazin SAITEN) erinnerte, die 2014 im Botanischen Garten St. Gallen „überraschende Antworten“ gegeben hatte. So fügt sich eins zum andern, und Omama ist um ein paar kulturelle Einsichten reicher.
KOMMENTARE *
von schiesser・vor 2 Jahren
Jaja, mit den Jahren wird man nicht schneller. Was nun wirklich keine Anspielung auf die Omama sein soll, sondern sich nur auf die Schreiberin hier bezieht. Ich hab nämlich diesen Edelweiss.Eintrag tatsächlich erst jetzt gelesen - und was fiel mir dazu ein? Mein längst verstorbener kleiner Bruder, der in den 1950er Jahren das Lied vom "Edelweiss am Wendelstein" zu seiner Lieblingsschallplatte erkoren hatte. Das Lied ist genauso kitschig, wie es der Namen vermuten lässt. Aber die Schellack-Platte lief, sobald der kleine Kerl es auch nur einen Moment unbeaufsichtigt an den Plattenspieler schaffte. Da die Zahl der vorhandenen Platten, aus denen er auswählen konnte, sehr begrenzt war, wuchsen der Rest-Familie die Edelweiss bald einmal zu den Ohren raus...
von Brigitta Hochuli・vor 2 Jahren
Meine beste Freundin ist in Steckborn aufgewachsen und lebt seit vielen, vielen Jahren im französischsprachigen Teil Kanadas. Ihren Namen darf ich nicht verraten, ihren Brief an mich jedoch veröffentlichen. Das freut mich sehr, ich danke ihr dafür herzlich.
***
"Zwar bin ich nur ein wenig modern, will weder von Twitter noch von Facebook (all die falschen Freunde ärgern und verletzen mich) etwas wissen, lese aber via Internet die Thurgaukulturartikel, besonders jene der Omama - in den Ohren eines Schwerhörigen mit Obama verwechselbar.
Dein mit "Edelweiss" betitelter Beitrag hat auch mich weitergebildet und mich zu weiteren Gedanken geführt. So bin ich zur Nazizeit zurückgegleitet, zum Lied "Adolf Hitlers Lieblingblume ist das schlichte Edelweiss". Scheusslich, doch dazumals musste das wohl schön klingen.
Zweitens zu einem meiner Lieblingssänger der Studentenzeit, Joe Dassin, der unter anderem auch einen jungen Burschen auf den Berg schickte zum Alpenrosenpflücken und zudem zu pfeifen, bis seine Verehrte ankomme, die ihn dort oben dann zu treffen versprochen hatte; natürlich ist sie nie gekommen, obwohl er aus Leibeskräften pfiff. Hier der Text des Liedes:
1. Je l'ai vu près d'un laurier. Elle gardait ses blanches brebis.
Quand j'ai demandé d'où venait sa peau fraîche, elle m'a dit :"C'est d'rouler dans la rosée qui rend les bergères jolies. Mais quand j'ai dit qu'avec elle je voudrais y rouler aussi,
Elle m'a dit...
Elle m'a dit d'aller siffler là-haut sur la colline,
De l'attendre avec un petit bouquet d'églantines.
J'ai cueilli des fleurs et j'ai sifflé tant que j'ai pu.
J'ai attendu, attendu, elle n'est jamais venue.
Zaï, zaï, zaï, zaï (4 fois)
2. A la foire du village, un jour, je lui ai soupiré
Que je voudrais être une pomme suspendue à un pommier
Et qu'à chaque fois qu'elle passe elle vienne me mordre dedans
Mais elle passait tout en me montrant ses jolies dents.
Elle m'a dit...
Und drittens kommt mir das Rumpelstilzchen in den Sinn, welches immer wieder verlangt wurde, weil man da die lustigsten Namen aufzählen und erfinden konnte. Und auch "le secret de Juliette", wo das Geheimnis, nämlich das Versteck der kleinen Hündchen, am Ende der Geschichte jedes Mal glücklicherweise wieder gelüftet wurde.
Das wär's für heute. Ich lasse Freddy Quinns "Junge, komm bald wieder nach Haus" beiseite. Das wäre etwas für sentimentale Halbjunge..."
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