von arttv, 11.05.2021
Dauer und Vergänglichkeit

Misst sich zeitgenössische Skulptur am Monument oder ist ihr Fokus auf den Moment gerichtet? Das untersucht eine neue Ausstellung im Kunstmuseum Winterthur. arttv.ch hat sie sich angeschaut. (Lesedauer: ca. 1 Minute)
Ein Monument – vom Lateinischen ‹monere› erinnern bzw. von ‹monumentum› Denkmal – ist ein von Menschenhand gefertigtes Bau- oder Kunstwerk. Im engeren Sinne bezeichnet ein Monument ein Mahnmal und erinnert an eine historische Persönlichkeit oder ein geschichtliches Ereignis. Es beansprucht Bedeutung und Gültigkeit. Die Ausstellung zeigt anhand sechzehn internationaler künstlerischer Positionen das Spiel mit Zeit, Vergänglichkeit, Dauer und Erinnerungskultur in der zeitgenössischen Skulptur.
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Skulptur im Wandel
Spätestens in den 1960er Jahren etablierte sich ein Skulpturbegriff, der das traditionelle Verständnis des Kunstwerkes als Artefakt zugunsten prozesshafter Ansätze aufbrach und damit jede Vorstellung ewiger Gültigkeit infrage stellte. Skulptur greift heute die formalen Möglichkeiten der Vergangenheit zwar weiter auf, bestimmt sie indes für die Gegenwart inhaltlich neu. Künstlerische Ansätze müssen sich nicht als radikaler Bruch mit der Tradition behaupten, sondern bauen auf den formalen Recherchen von gestern auf, verbinden diese mit individuellen Erfahrungen und gesellschaftlich aktuellen Themen und schaffen Werke, die vom subjektiven Empfinden der Gegenwart getragen sind.
Nach den Ausstellungen zu den künstlerischen Gattungen Malerei (Frozen Gesture, 2019) und Video (Bewegte Bilder, 2020) befasst sich die Ausstellung «Moment.Monument – Aspekte zeitgenössischer Skulptur» anhand ausgewählter Positionen mit einem weitgehend vernachlässigten Thema der plastischen Gattung: ihrem prekären Zustand zwischen Dauer und Vergänglichkeit, Moment und Monument. Den Kunstschaffenden geht es um Strategien der Erzählung und Erinnerung bzw. der poetischen Aufladung, welche die Kunst zur Welt öffnet – als Monumente einer brüchigen Gegenwart. Die Ausstellung präsentiert bis zum 15. August 2021 sechzehn Positionen im Spannungsfeld zwischen Dauer und Vergänglichkeit von Phyllida Barlow (*1944) und Mona Hatoum (*1952) bis zu Simon Starling (*1967) und Alicja Kwade (*1979).

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